Eschweiler

Eschweiler liegt am Nordhang der Eifel im Übergang zur Zülpicher Börde im westlichen Rheinland und damit in unmittelbarer Nähe des Dreiländerecks Deutschland-Niederlande-Belgien.
1972 Eingliederung von Dürwiß, Laurenzberg, Lohn und Weisweiler sowie Wiedereingliederung von Kinzweiler in die vorherige Stadt Eschweiler.
Eschweiler besteht heute aus 15 Stadtbezirke: (Stadtzentrum mit Altstadt und Klee Oepe, Dürwiß, Weisweiler/Hücheln/Wilhelmshöhe, Bergrath/Bohl/Volkenrath, Röthgen, Innenstadt mit Eschweiler-Ost/Vöckelsberg, Pumpe/Aue/Siedlung Waldschule, Stich, Röhe, Nothberg, Hastenrath/Scherpenseel, Kinzweiler, Hehlrath, St. Jöris und Neu-Lohn/Fronhoven).An Eschweiler grenzen die Nachbargemeinden: (Alsdorf Hoengen, Aldenhoven, Inden Frenz, Würselen Broichweiden, Langerwehe, Aachen, Stolberg (Rhld.), Gressenich).

Bis 1801 gehörte Eschweiler zum Erzbistum Köln, dann zum Bistum Aachen. 1821 kam es wieder an das Erzbistum Köln und 1930 wieder an das Bistum Aachen.


Bei der Reichspräsidentenwahl am 10. April 1932 stimmten 65 % der Eschweiler für Hindenburg und 16 % für Hitler, während die Reichsgesamtergebnisse bei 50 % bzw. 30 % lagen. Auch in den drei Reichstagswahlen der Jahre 1932 und 1933 blieb die NSDAP in Eschweiler nur viertstärkste Kraft nach Zentrum, KPD und SPD. Erst bei der Stadtratswahl vom 12. März 1933 erreichte die NSDAP 29,7 % hinter dem Zentrum mit 32,4 % und vor der aufgelösten KPD mit 14,8 %. Als Industriestadt hatte Eschweiler mit Arbeitslosigkeit, Massenelend und der Reparation zu kämpfen, so dass der Nationalsozialismus nach der Machtübernahme die lokale Bevölkerung mehr und mehr zu sich herüberziehen konnte. Bei der konstituierenden Sitzung des Stadtrats am 31. März 1933 ignorierte die NSDAP die Wählermeinung und übernahm die Herrschaft. Es kam zu einzelnen von äußerst Linken veranlassten Arbeitsniederlegungen und Schlägereien. Im Gegensatz zu Aachen und anderen Nachbarstädten gingen die Säuberungsaktionen einigermaßen glimpflich ab. So gelang es dem Bürgermeister Dr. Kalvelage (Zentrum) durch eine öffentliche Erklärung seine Beamten vor den Aktionen zu bewahren. Besonders hart wurde in der Stadt gegen linke Staatsfeinde vorgegangen, so wurden bis März 1933 zehn KP-Funktionäre festgenommen.


Der Jülicher Graf Wilhelm IV. erhielt 1226 die Erlaubnis, Juden in sein Land aufzunehmen, jedoch gibt es keine Belege über Juden in Eschweiler zu dieser Zeit. Bekannt ist, dass 1768 der Jude Isaac Cossmann ansässig war. Unter dem Schutz der Grafen von Hatzfeld lebten im 18. Jahrhundert jüdische Familien in Weisweiler, die schon 1760 eine Synagoge sowie 1844 eine Privatschule errichteten. 1891 wurde in der Moltkestraße 17 zeitgleich zur evangelischen Dreieinigkeitskirche die Synagoge gebaut. Ebenfalls entstand eine Privatschule am Langwahn.

Den Beginn der Judenverfolgung markiert die Schließung der jüdischen Schule Eschweiler am 1. April 1933. Noch am Vortag hatte die Synagogengemeinde Eschweiler als Reaktion auf Berichte in der Auslandspresse über Greueltaten die folgende Verlautbarung veröffentlicht:
Wir erheben hiermit feierlich Protest gegen die Greuelmeldungen des Auslands und gegen jede feindselige Einstellung gegenüber unserem deutschen Vaterlande. Wir sind aufs innerste überzeugt, daß die deutschen Juden in ihrer gefühlsmäßigen Verbundenheit mit dem deutschen Volke gewillt und entschlossen sind, an dem Aufbau und Aufstieg des Vaterlandes mitzuarbeiten. Wir verbitten uns jede Einmischung in die inneren Verhältnisse Deutschlands. Ein Telegramm ist bereits am 29. März 1933 an den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubensbekenntnisses abgegangen.
Ortsgruppe und Synagogengemeinschaft Eschweiler.

In der Lokalpresse hingegen erschien am 1. April der Boykottaufruf des Gauleiters Julius Streicher im Namen eines eigens gegründeten Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze und es zogen in Eschweiler überall Wachen auf. Zu Tätlichkeiten kam es nicht. Dezember 1933 startete die Eschweiler Kaufmannschaft die Aktion Deutsche, kauft nur in deutschen Geschäften; die Reichsbetriebsgemeinschaft Handel und Handwerk hielt eine Versammlung in Eschweiler mit gleichem Tenor ab. Wie in ganz Deutschland wurde in der Moltkestraße die Synagoge in der Nacht auf den 10. November 1938 in Brand gesetzt und die Inneneinrichtung der Weisweiler Synagoge zerstört.

Angezeigt und verhaftet wurde 1934 der evangelische Pfarrer Kreip wegen seiner Worte:
Wir sollen unsere Feinde lieben, so sagt die Bibel. Darum dürfen wir Christen die Juden nicht hassen. Der Kampf gegen die Juden ist daher ein Unrecht, und es wird die Zeit kommen, wo auch unsere Regierung das einsehen muss. In einer der letzten Parteiversammlungen hat der Ortsgruppenleiter darauf hingewiesen, dass Parteigenossen nicht mit Juden verkehren und diese auf der Straße nicht grüßen und sprechen dürfen. Diese Anordnung werde ich nicht beachten können; denn unter meinen Jugendfreunden befinden sich auch Juden, die mir geholfen haben. Die NSDAP behauptet, in ihren Versammlungen Gelegenheit zur freien Meinungsäußerung zu geben. In Wirklichkeit darf man jedoch keine gegenteilige Ansicht äußern!


Weder der im Frühjahr 1941 gefasste Plan der Staatspolizei Aachen, alle jüdischen Einwohner zwecks Deportation in ein leer stehendes Fabrikgebäude in Wassenberg einzuquartieren, noch die Idee eines Sammellagers auf Kreisebene wurden verwirklicht, jedoch kleinere
Sammellager eingerichtet. Zwei von ihnen standen im Stadtteil Pumpe-Stich: in einer ehemaligen Kriegsgefangenenbaracke auf dem Gelände des heutigen Waldfriedhofs bzw. im hinteren Bereich eines Wohngebäudes nahe der Kreuzung Stolberger Straße/Alte Rodung.

In Eschweiler befanden sich zehn Kriegsgefangenenlager für insgesamt mindestens 500 Personen, welche auf Gruben des Eschweiler Bergwerksvereins, in Gusswerken und in landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt wurden. Es waren Sowjetbürger, Italiener, Polen und Franzosen.


Im September 1944 erreichten alliierte Truppen von Südwesten her Weisweiler. Es begann die Evakuierung der Bevölkerung nach Sachsen, in den Raum Weißenfels-Bitterfeld-Leipzig. Im Oktober und November 1944 war Weisweiler Frontgebiet. Ernest Hemingway (1898-1961) war als Kriegsberichterstatter u.a. im Hürtgenwald und verglich die Schwere der dortigen Kämpfe mit denen des Ersten Weltkrieges in Flandern.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm 1945 die britische Militärregierung den Bezirk Aachen und somit auch Eschweiler. Es gelten 562 Eschweiler Soldaten als vermisst.

1950 wurde der ehemalige Ortsgruppenleiter von Weisweiler zu anderthalb Jahren Haft verurteilt, weil er in der
Reichspogromnacht einen 70jährigen Juden auf brutale Weise gezwungen hatte, ein Stück Holz der Synagogeninneneinrichtung durchs Dorf zu tragen und dann auf den Scheiterhaufen zu werfen.


gefallene Soldaten jüdischen Glaubens der Stadt Eschweiler im ersten Weltkrieg 1914-1918

Holländer Karl * 25.09.1875 Eschweiler, Wohnort Aachen
2/4. Lst. I. Btl. Trier VIII / 26 + 18.12.1915


Mitbürger aus Eschweiler die zwischen 1933-1945 verfolgt und deportiert wurden


Fal

Falkenstein Albert
* 30.10.1884
Stadtlohn Westf.
Stolberg (Eschweiler)
Nordrhein-Westfalen, Regierungsbezirk Köln, Kreis Städteregion Aachen
.
Deportation 00.03.1942 Ghetto
Theresienstadt
Todesdatum/-ort verschollen
   
Falkenstein Martha geb. Heidelberg
* 12.12.1886 Eschweiler
Stolberg
Nordrhein-Westfalen, Regierungsbezirk Köln, Kreis Städteregion Aachen
.
Deportation 00.03.1942 Ghetto
Theresienstadt
Todesdatum/-ort verschollen

Hes

Hess Selma geb. Heumann
* 14.03.1919 Eschweiler b. Aachen
Hamburg
Freie und Hansestadt Hamburg
.
Emigration 00.11.1939
Kladovo-Transport
Inhaftiert Anhaltelager und Judenlager Semlin (Zemun)
Todesdatum/-ort für tot erklärt

Heu

Heumann Rosa geb. Humberg
* 17.08.1875
Klein Reken i.Westf.
Eschweiler b. Aachen
Nordrhein-Westfalen, Regierungsbezirk Köln, Städteregion Aachen
.
Deportation
22.03.1942 Verschiebebahnhof Koblenz-Lützel – Ghetto Izbica
Todesdatum/-ort für tot erklärt

Som

Sommer Ludwig
* 20.03.1872 Bergrath/Eschweiler
Amsterdam (Duisburg-Ruhrort)
Niederlande, Provinz Noord-Holland
.
Deportation 1943 Vernichtungslager
Auschwitz
Todesdatum/-ort 10.09.1943 Vernichtungslager Auschwitz