Hamm in Westfalen

übersicht

Deutschland, Bundesland Nordrhein-Westfalen, Regierungsbezirk Detmold, Kreis Minden-Lübbecke

Hamm ist eine kreisfreie Stadt im Zentrum Nordrhein-Westfalens. Die Stadt liegt im Nordwesten des Regierungsbezirks Arnsberg und am Ostrand des Ruhrgebiets.
Naturräumlich ist die Stadt der Westfälischen Bucht zuzuordnen. Ihre nördlich der Lippe gelegenen Teile liegen im Münsterland und den zugehörigen Lipper Höhen, an die sich das Lippetal mit seinen Niederungen nach Süden hin anschließt, im Süden schließlich geht die Landschaft in die Hellwegbörden über.

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Hamm.
Gemeinde Lippetal (5,7 km), Gemeinde Welver (19,4 km), Stadt Werl (8,1 km) (alle Kreis Soest (33,2 km)), Stadt Unna (0,3 km), Gemeinde Bönen (19,3 km), Stadt Kamen (2,4 km), Stadt Bergkamen (5,7 km) und Stadt Werne (14,0 km) (alle Kreis Unna (41,7 km)), Gemeinde Ascheberg (5,2 km) (Kreis Coesfeld) sowie Stadt Drensteinfurt (9,0 km) und Stadt Ahlen (14,9 km) (beide Kreis Warendorf 23,9 km).
Die nächstgelegenen Großstädte sind
Münster i. Westf. etwa 34 km nördlich der Stadtgrenze, Dortmund etwa 30 km südwestlich, Hagen etwa 43 km südlich, Paderborn etwa 64,5 km östlich und Bielefeld etwa 62 km nordöstlich.


Zugehörigkeit staatlich

Zugehörigkeit staatlich
bis 1945 Preußen, Provinz Westfalen, Regierungsbezirk Arnsberg
1945 britische Besatzungszone
1946 Land Nordrhein-Westfalen
1949 Bundesland Nordrhein-Westfalen, Regierungsbezirk Arnsberg

Zuständ. Justiz (1894)
Amtsgericht Hamm, Landgericht Dortmund, Oberlandesgericht Hamm

Zuständ. Finanzamt (1927)
Finanzamt Hamm, Landesfinanzamt Münster

Zuständ. Gau 1933-1945 Westfalen-Süd

Zugehörigkeit ev. Kirche (1939)
Evangelische Kirche der altpreußischen Union, Kirchenprovinz Westfalen

Zugehörigkeit kath. Kirche (1939)
Bistum Paderborn

Einwohner Stadtkreis Hamm
53.532 (1933), davon 21.125 Evangelische, 31.168 Katholiken, 17 sonstige Christen, 393 Juden
56.684 (1939), davon 21.333 Evangelische, 32.107 Katholiken, 219 sonstige Christen, 108 Juden
59.866 (1950)
68.400 (1960), davon 11.600 Vertriebene
84.300 (1969)
171.600 (1980)
178.700 (1990)

Kath. Dekanat Hamm 1940
Gesamtbevölkerung: 84.015
Zahl der Nichtkatholiken: 43.623 (51,9 %)
Zahl der Katholiken: 40.392 (48,1 %)
davon sind der Osterpflicht nachgekommen: 21.013 (52,0 %)
Austritte aus der katholischen Kirche: 183
Übertritte zur katholischen Kirche: 15 (davon 15 evangelische)
Rücktritte zur katholischen Kirche: 18

Die Reichstagswahlen vom 05.03.1933 im Stadtkreis Hamm
Wahlbeteiligung: 91,6 %
Abgegebene gültige Stimmen insgesamt: 33.113
NSDAP: 12.604
SPD: 4.218
KPD: 2.755
Zentrum: 10.112
DNVP (Kampffront Schwarz-weiß-rot): 2.491
DVP - Deutsche Volkspartei: 238
Christlich-sozialer Volksdienst: 521
Deutsche Bauernpartei: 3
Deutsch-Hannoversche Partei: 0
DDP (Deutsche Staatspartei): 171
Andere Parteien: 0

Erwerbstätigkeit und Altersstruktur der Bevölkerung im Stadtkreis Hamm nach der Volkszählung vom 17.05.1939
Zahl der Haushaltungen: 16.884

Ständige Bevölkerung (Wohnbevölkerung ohne die ihre Dienstpflicht ableistenden Angehörigen von Wehrmacht und Reichsarbeitsdienst): 56.684

davon männlich: 26.937

Altersstruktur der Bevölkerung
unter 6 Jahre alt: 10,3 %
6 bis 13 Jahre alt: 11,6 %
14 bis 64 Jahre alt: 71,7 %
über 64 Jahre alt: 6,4 %

Berufszugehörigkeit nach Wirtschaftszweig
Landwirtschaft und Forstwirtschaft: 1,2 %
Industrie und Handwerk: 42,2 %
Handel und Verkehr: 24,5 %
Dienstleistungen einschl. öffentlicher Dienst: 32,1 %

Berufszugehörigkeit nach der Stellung im Beruf
Selbstständige: 10,0 %
Mithelfende Familienangehörige: 1,5 %
Beamte und Angestellte: 27,6 %
Arbeiter: 47,1 %
Sonstige: 13,8 %


Militär

Standort Hamm / Westfalen (1939)

Artillerie-Kaserne
Flak-Kaserne
Infanterie-Kaserne

Fronttruppenteile
Ausbildungs-/Infanterie-Regiment 39
I./Infanterie-Regiment 60
I./Infanterie-Regiment 64
Panzer-Abwehr-Abteilung 16
4.(E.)/Panzer-Abwehr-Abteilung 16
5.(E.)/Panzer-Abwehr-Abteilung 16
Artillerie-Regiment 16
Artillerie-Regiment 16, Stab
I./Artillerie-Regiment 16
II./Artillerie-Regiment 16
10.(E.)/Artillerie-Regiment 16
II./Artillerie-Regiment 52
Landesschützen-Ersatz-Bataillon 6
Landesschützen-Bataillon 874
I. / Flak-Regiment 25
II. / Flak-Regiment 25
III. / Flak-Regiment 25
Flakscheinwerfer-Abteilung III./611

Ersatztruppenteile
Sanitäts-Staffel
Heeresfachschule (V.W.)
Heeresfachschule (V.)
Infanterie-Ersatz-Bataillon 60
Infanterie-Ersatz-Bataillon 193
Panzer-Jäger-Abteilung 16
Panzer-Abwehr-Ersatz-Abteilung 6
Panzer-Jäger-Ersatz-Abteilung 6
Panzer-Artillerie-Regiment 16
Artillerie-Ersatz-Regiment 16
Artillerie-Ersatz-Abteilung 16
Artillerie-Ersatz-Abteilung 42
schwere Artillerie-Ersatz- u. Ausbildungs-Abteilung (motorisiert) 62
schwere Artillerie-Ersatz-Abteilung II./169
Reserve-Artillerie-Abteilung II./169
Artillerie-Ersatz-Abteilung 254
Reserve-Heeres-Flakartillerie-Abteilung 276
Sanitäts-Ersatz-Abteilung 6

Kommandobehörden / Dienststellen
Wehrmeldeamt (WK VI, Wehrbezirk Soest. Zuständig für den Stadtkreis Hamm.)
Heeres-Standort-Verwaltung
Heeres-Verpflegungs-Amt
Heeres-Bauamt


jüdisches Leben

Die Juden in Hamm haben anscheinend schon in früheren Jahrhunderten über ein Gotteshaus verfügt.
Das Gelände im Bereich des heutigen Santa-Monika-Platzes Nr. 5a erwarb die Gemeinde erst im Laufe des 19. Jahrhunderts.
Belegt ist die Existenz eines Gebetshauses in diesem Bereich für das Jahr 1831. Die eigentliche Synagoge Hamm, die nach den Bauplänen von Julius Lenhartz errichtet worden ist, wurde am 12. September 1868 eingeweiht.


12.11.1908

Durch eine Schlagwetterexplosion in der Zeche Radbod in Hamm (Westfalen) werden 368 Bergleute getötet.


04.12.1917

Ein Eisenbahnunglück bei Hamm in Westfalen fordert 40 Todesopfer. Ein Zug war auf einen Waggon mit italienischen Kriegsgefangenen aufgefahren.


29.03.1933

In Hamm lebten zu dieser Zeit 402 jüdische Bürger wandte sich der Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes massiv gegen jüdische Kaufleute.
Ulrich Deter, NSDAP-Kreisleiter, erklärte vor dem Stadtparlament, seine Partei werde mit den Juden abrechnen. Der jüdische Inhaber der Firma Alsberg war zunächst gezwungen, regelmäßig die Hakenkreuzfahne aufzuziehen.


01.04.1933

das Geschäft Alsberg muß schließen.
Andere jüdische Geschäfte wurden boykottiert (Adler, Berla, Halle, Heymann, Hilsenrath, Jordan, Lindemeyer, Löwenstein, Meyberg, Schragenheim u. v. m.


07.04.1933

Am 07. April 1933 verloren angesehene jüdische Ärzte und Rechtsanwälte in Hamm ihre Arbeitszulassung. Die jüdischen Juristen Herzberg, Gerson (getauft), Griesbach, Mendel, Michaelis und Samuelsdorf erhielten Berufsverbot und wanderten teilweise aus. Die jüdischen Ärzte durften nur noch jüdische Patienten behandeln. Dr. Löwenstein verließ Hamm 1936.


01.05.1933

In der Wilhelmstraße kam es zu einem rassistischen Aufmarsch.


1938

1938 geriet eine kleine Randgruppe der jüdischen Gemeinde unter Druck, die in der Weimarer Zeit eingewanderten Ostjuden. Sie waren weitgehend sogenannte kleine Leute, die ihr Auskommen als Arbeiter oder im Kleinhandel fanden. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten sie bei den Volksabstimmungen im Osten für die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich vortiert und waren später zugewandert. Zu dieser Gruppe gehörten unter anderem Aron, Dahl, Freund, Goldstrom, Lubasch, Radt, Reicher, Schweier und Waynstain. Die Familie Tömör war ungarischer Abstammung. Einige wenige wie Salum Freund waren naturalisiert und damit einheimischen Juden gleichgestellt. Andere hielten sich lange genug im Deutschen Reich auf, um nicht mehr direkt von Ausweisung bedroht zu sein. Trotzdem wurden sie unter Druck gesetzt. Wer nicht lange genug ansässig war, wurde in der Polenaktion von Oktober 1938 verhaftet und ausgewiesen, wovon mit Sicherheit Fischel Waynstajn und Manes Aron betroffen sind. Ihre Verhaftung ist für den 27. bzw. 28. Oktober 1938 dokumentiert. Über ihren weiteren Verblieb ist nichts bekannt. Es kam auch immer wieder zu Misshandlungen und anderen Übergriffen auf Einzelpersonen.


09./10.11.1938

Am 09. und 10. November 1938, im Umfeld der Novemberpogrome, kam es zu tätlichen Angriffen und Demütigungen auf die jüdische Gemeinde. In Hamm scheint man mit Einsetzen der Dunkelheit mit dem Einsatz begonnen zu haben. Einer der ersten, der Beobachtungen an der Synagoge machte, war ein Reporter des Westfälischen Anzeigers, der sich auf dem Weg zum Bahnhof befand, hinter dem auf dem Gelände des Sägewerkes Glunz ein Großbrand ausgebrochen war. Er entdeckte an der Einfahrt zur Synagoge ein paar SA-Leute, die sich dort zu schaffen machten. Als er nachfragte, wurde ihm bereitwillig erklärt, dass man die Synagoge anzünden wolle. Der Reporter wies auf die umliegende Bebauung hin und dass die Feuerwehr schon reichlich Arbeit habe.
Das Grundstück der jüdischen Gemeinde war im Jahre 1938 mit zwei Gebäuden bebaut. Eins davon war die ehemalige Schule an der Straßenfront, die seit Auflösung der Volksschule 1923 nur noch zum Religionsunterricht benutzt wurde. Im Jahre 1933 hatte man das Sitzungszimmer der Gemeinde von der Lutherstraße in das Haus des Rechtsanwaltes Dr. Alfred Michaelis (Hohestraße 59) verlegt. Hier befand sich bis zur Kristallnacht das Gemeindezentrum für kulturelle Arbeit. Dazu zählte man Jugendzentrum, Gemeindeabende, Vorträge, Konzerte, Zusammenkünfte vom Frauenbund usw. Auch eine Bibliothek war vorhanden. Aus diesem Grund befand sich nun in der Martin-Luther-Straße eine Wohnung, die 1938 von Nathan und Sara Dahl bewohnt wurde. Nathan Dahl war lange Zeit Kultusbeamter gewesen. Sein Schwiegersohn Kurt Radt war der letzte Lehrer vor dem Krieg in Hamm, wohnte allerdings in der Grünstraße 6. In der zweiten Wohnung im Haus lebte ein Mitglied einer anderen jüdischen Familie. Im Hinterhof der Schule lag die Synagoge, die von der Straße aus durch eine enge Einfahrt zugänglich war. Die Bebauung auf der von Südstraße, Martin-Luther-Straße, Sternstraße und Königstraße begrenzten Fläche war sehr dicht und bestand teilweise aus Fachwerkbauten.
Die SA-Truppen beschränkten sich darauf, das Interieur der Synagoge zu zerstören. Sie zertrümmerten die Inneneinrichtung. Das Gestühl (120 Sitze und Pulte für die Männer und 60 Emporenplätze für die Frauen) der Almenor und der Toraschrein wurden restlos zerschlagen. Die Gebetsmäntel, vermutlich auch die Gebetsbücher, die Thoramäntel und sonstiges Brennbares wurden im Hof auf einen Haufen geworfen und angezündet. Pferdewagen, von einem Nationalsozialisten am Zügel geführt, fuhren über die aufgeschichteten Heiligen Schriften.
Die Plünderungen der Wohnhäuser zogen sich die ganze Nacht hin.
Gesicherte Angaben gibt es zu Plünderungen bei Hymann, Schützenstraße 4, Heßlerstraße 40, Dahl, Martin-Luther-Straße 5, Hilsenrath, Anschrift unklar, Jordan, Bahnhofstraße 27, Michaelis, Levy und Gemeindezentrum Hohestraße 59, Schragenheim, Nassauerstraße 24, Eugen Kaiser, Anschrift unbekannt und Freund, Südstraße 10a.
In der Grünstraße 17 (Kirchheimer) wurden (nur) die Fensterscheiben eingeschlagen. Bei den Plünderungen wurden Menschen im Keller eingesperrt, gezwungen, bei der Verwüstung zuzusehen oder zur Flucht genötigt. Familie Heymann wurde umgebracht. Wenige Tage nach der Plünderung und Zerstörung der Einrichtung des Hauses Heßlerstraße 40 wanderte ein Lehrer mit seiner Klasse durch das zerstörte Haus und erklärte seinen Schülern, wie Volksfeinde behandelt würden.


12.11.1938

Am 12. November 1938 wurde die Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben in Kraft gesetzt und raubte damit den meisten Juden die Lebensgrundlage. Die Stadt Hamm kam zu dem Schluss, dass die Synagogen in erster Linie Gegenstand der Volksempörung sind.


18.11.1938

Eine Begutachtung des Synagoge am 18. November 1938 unter Teilnahme von Oberbürgermeister Deter, Bürgermeister Leinberg, Baurat Haarmann und Stadtrat Daniel weiß von folgendem Zustand zu berichten.
Bei der Besichtigung wurde eine erhebliche Zerstörung der Wohngebäude und der dahinter liegenden Synagoge festgestellt. Das Inventar der Synagoge, die Treppen und Emporen waren zerstört, die Scheiben zerschlagen. Das Synagogengebäude war nicht zerstört. Vom Kultsilber fanden sich nur noch ein paar Reste.


19.11.1938

Am 19. November 1938 erging der Abbruchbefehl an den Vorstand der Synagoge.
Der Adressat, Hugo Lindemeyer (Brückstraße 11) befand sich zu diesem Zeitpunkt schon im KZ Oranienburg-Sachsenhausen. So erklärten sich seine Vertreter Noa Meyberg (Widumstraße 47) und Julius Rosenberg (Stiftstraße 6) mit dem Abbruch einverstanden, wiesen aber darauf hin, dass der Gemeinde die finanziellen Mittel fehlten. Sie schlugen vor, der Abbruch solle von der Stadt vorgenommen werden und die Kosten beim etwaigen späteren Kauf des gesamten Grundstücks verrechnet werden. Doch Stadtrechsrat Daniel, der auch den Abbruchbefehl unterzeichnet hatte, ließ sich nicht darauf ein und stellte fest, dass dieser Grund die Gemeinde nicht von der Verpflichtung zum Abbruch entbinde. Als spätester Anfangstermin für den Abbruch wurde der 24. November 1938 festgesetzt und bei Versäumnis mit Ersatzmaßnahmen gedroht. Diese wurden zum Jahreswechsel auch durchgeführt. Die Stadt übernahm den Abbruch selbst und stellte ihn der jüdischen Gemeinde in Rechnung.


23.11.1938

Einige Kultgegenstände, die am 23. November 1938 im Rahmen einer Begehung durch Museumsdirektor Bänfer gefunden wurden, wurden von dem Hammer Museum zur Aufbewahrung übernommen. Dort landeten auch andere Dinge aus dem Besitz der Gemeinde, Geldschrank, Thorarolle, Schmuck, zwei antike Kelche.


1940

etwa 200–300 Hammer Juden retteten sich durch Flucht ins Ausland.


13.12.1941

1 Transport am 13.12.1941 ab Münster - Osnabrück - Bielefeld – Ghetto Riga mit jüdischen Bürgern aus Hamm


27.04.1942

Am 27. April 1942 wurden Hammer Juden nach Zamosz deportiert. Ebenfalls 1942 wurden 22 ältere Menschen nach Theresienstadt verschleppt. Darunter auch Dr. Kleinstraß von wo er noch zweimal ausführlich in herausgeschmuggelten Briefen berichtete.


27.02.1943

Am 27. Februar 1943 wurden Juden von Hamm in das KZ Auschwitz deportiert.


04.03.1943

Ein kleiner Angriffsverband von 19 viermotorigen B-17 greift in den Vormittagstunden die Bahnanlagen von Hamm an. Es handelt sich um den ersten Luftangriff der 8. USAAF auf ein Ziel tief im deutschen Hinterland. In Hamm werden mindestens 150 Menschen getötet und der Personenbahnhof schwer beschädigt.

Zeitzeugenberichte
Luftangriffe auf Hamm
Der Feind überflog mit 17 Flugzeugen aus nördlicher Richtung über Hamm und überquerte das Bahnhofsviertel und die beiden großen Drahtwerke. Zahlreiche Bomben wurden abgeworfen.

Luftschutzmeldungen des Oberlandesgerichts Hamm, Eintrag v. 04.03.1943
Augenzeugen, die gerade im Zug Hamm passierten, berichteten, wie die Bomben hagelten, die große Bahnhofshalle zerstört worden sei und dass große Industrieanlagen in hellen Flammen standen.


00.05.1943

Im Mai 1943 wurden Männer aus sogenannten Mischehen zur Zwangsarbeit verurteilt.


22.04.1944

In den Abendstunden greifen über 700 Maschinen der 8. USAAF den Verschiebebahnhof Hamm an, den größten Rangierbahnhof Europas. Über 1500 Tonnen Sprengbomben zerstören nicht nur die Bahnanlagen und umliegenden Fabriken. Bei der Bombardierung werden über 300 Menschen getötet.

Im Zusammenhang mit den Invasionsvorbereitungen bombardierte die 8. USAAF zwischen März und Mai 1944 mehrere Bahnhöfe in Westfalen, besonders in Münster, Hamm und Schwerte. Allein bei diesen Angriffen fanden rund 1.000 Menschen den Tod. Neben Berlin und Merseburg (Hydrierwerk Leuna) waren die beiden in Westfalen gelegenen Städte Hamm und Gelsenkirchen (Hydrierwerke Scholven und Nordstern) zwei der Hauptangriffsziele für die 8. USAAF auf dem europäischen Kriegsschauplatz. Auf Hamm wurden bis März 1945 über 11.000 Tonnen und auf Gelsenkirchen rund 15000 Tonnen Spreng- und Brandbomben abgeworfen. Allein das genügt, um zu verdeutlichen, wie umfangreich die Zerstörungen allein in diesen beiden westfälischen Städten bei Kriegsende waren.


29.09.1944

Am 29. September 1944 erfolgte die Deportation von Frauen und Kindern aus Mischehen in ein Zwangslager bei Kassel.


1945

Anfang 1945 wurden Männer aus dem Zwangsarbeitslager in das KZ Theresienstadt verschleppt


06./07.04.1945

Hamm in Westfalen wird von Truppen der 9. US-Armee besetzt.

Aus Richtung Beckum rücken die amerikanischen Verbände der 9. US-Armee Richtung Wambeln (Hamm Westf.) vor. Im Bereich des Friedhofs wird noch Widerstand geleistet. Darauf wird das Feuer eröffnet. In kürzester Zeit schlugen in Wambeln über 500 Granaten ein. Bei diesem Gefecht wurde fast jedes Haus zerstört. auch die Stromversorgung wurde vollständig zerstört. nach Einnahme des Ortes wurde in Wambeln ein Gefangenenlager errichtet. Außer 4 Volkssturmmännern wurde bei dem Angriff keiner getötet.


Nach Kriegsende

Im Bereich des Friedhofs
Nach Kriegsende wurde dieser Bereich der Innenstadt als Parkplatz umgenutzt und über der Stelle der Synagoge eine öffentliche Toilette gebaut. Dieser unwürdige Zustand blieb so für ca. 50 Jahre erhalten. Im Rahmen einer innenstädtischen Flächenumnutzung sollte eine erneute Bebauung des Platzes erfolgen. Dies führte zu einem Erwachen der Erinnerung an die Synagoge. Nach Aufgabe der ursprünglichen Bebauungspläne für den Santa-Monica-Platz wurde der Parkplatz umgestaltet, die Toilettenanlage abgerissen und so Raum für eine Gedenkstätte geschaffen. Nach längerer Diskussion um die Beschaffenheit des Mahnmals, während der auch eine Rekonstruktion der Synagoge erwogen wurde, erinnert nun (seit Dezember 2003) ein Mahnmal, das die Umrisse der Synagoge zeigt, an das jüdische Gotteshaus, die jüdische Schule an der Kleinen Weststraße 5, aber auch an das verlorene, ehemals pulsierende Leben der Kultusgemeinde und an seine Vernichtung.

Gestaltet wurde die Gedenkstätte von Wilhelm Hagebölling aus Paderborn.

Angesichts der Auslöschung der jüdischen Gemeinde klingen hingegen die Worte in der Festschrift zum 700jährigen Bestehen Hamms heute wie bitterer Hohn.
Die israelitische Gemeinde hat, wie die Darstellung ergeben hat, seit Anfang des 14. Jahrhunderts in Hamm bestanden und Leid und Freud mit den Bewohnern der Stadt geteilt. Möge das gute Verhältnis, welches bisher zwischen den verschiedenen Konstellationen bestanden hat, auch in Zukunft bestehen bleiben!


Personenverzeichnis

Täter und Mitläufer

SA-Oberführer Franz Bielefeld
Techniker in Hamm
* 01. 02.1907 Dülmen + 26. 03.1989 Dülmen
Volksschule, anschließend Realgymnasium in Dorsten, Baugewerbeschule in Münster.
1924 Eintritt in die völkische Bewegung
1925 Mitglied der NSDAP, Mitbegründer und zeitweise Ortgruppenleiter diverser Ortsgruppen (z.B. Dülmen, Haltern)
1926 bis 1930 SA-Führer in Westfalen
1930 bis 1932 Kreisleiter des Kreises Coesfeld der NSDAP
1932 bis 1933 Führer des SA-Sturmbanns III/13 (Kreise Coesfeld, Lüdinghausen & Beckum).
1933 Erster Beigeordneter der Stadt Dülmen
15. 11.1933 SA-Standartenführer der SA-Gruppe Westfalen und Führer der SA-Standarte 471
01.10.1935 SA-Führer z.V. der SA-Gruppe Westfalen
15.11.1936 beauftragt mit der Führung der SA-Standarte 256 (Hamm) und ab 1. 8. 1944 bis Kriegsende definitiver Führer dieser Standarte
30. 01.1938 SA-Oberführer.
Seit 18. 11.1941 Ratsherr der Stadt Hamm.
Mitglied des Reichstags vom 3. November 1941 bis Mai 1945, nachberufen für den Abgeordneten Heinrich Knickmann im Wahlkreis 18 (Westfalen-Süd).

Schrübbers Hubert
vor 1945: Staatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Hamm/Westfalen, befaßte sich hauptsächlich mit Hochverratsprozessen gegen fortschrittliche Kräfte und sprach hohe Zuchthausstrafen aus
nach 1945: Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz


Persönlichkeiten

Ritterkreuzträger Rolf Bering am 13.02.1936 in die 3. Batterie des Artillerie-Regiments 16, bzw. am 26.02.1936 in die 4. Batterie nach Hamm in Westfalen, wo er am 20.04.1936 zum Leutnant befördert wird.


Mitbürger der Gemeinde die hier geboren oder gelebt haben und zwischen 1933 bis 1945 verfolgt, deportiert sowie zu schaden gekommen sind


A

Apt Ludwig
* 15.01.1876 Hamm i. Westf.
 
   
Aronstein Georg
* 14.07.1891
Hamm i. Westf.
Minden
Nordrhein-Westfalen, Regierungsbezirk Detmold, Kreis Minden-Lübbecke
.
Deportiert 13.12.1941 ab Münster - Osnabrück – Bielefeld - Ghetto Riga
Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa bei Riga am 15.12.1941 gegen 23 Uhr
   
Aschenberg Otto
* 07.11.1887 Bremen
 

B

Baar Helene
* 22.12.1882 Hamm i. Westf.
 
   
Bamberger Leonhard
* 16.01.1862 Hamm i. Westf.
 
   
Bender Alfred
* 13.10.1907 Illerich
 
   
Bender Alice
* 06.02.1920 Hamm i. Westf.
 
   
Bender Reha
* 16.06.1941 Hamm i. Westf.
 
   
Bender Ruben
* 01.08.1939 Hamm i. Westf.
 
   
Berla Hans
* 12.05.1902 Hamm i. Westf.
 
   
Berla Henny
* 09.11.1875 Herford
 
   
Berla Otto
* 25.11.1870 Bocholt
 
   
Berla Ruth
* 04.08.1904 Hamm i. Westf.
 
   
Bigmann Else
* 09.08.1898 Hamm i. Westf.
 
   
Bigmann Gerda
* 29.09.1923 Hamm i. Westf.
 
   
Bigmann Günter
* 27.02.1931 Hamm i. Westf.
 
   
Bloch Paul
* 02.07.1891 Hamm i. Westf.
 
   
Blumenthal Adolf
* 06.10.1887 Hamm
Borghorst
Nordrhein-Westfalen, Regierungsbezirk Münster, Kreis Steinfurt
.
Deportiert 13.12.1941 ab Münster - Osnabrück – Bielefeld - Ghetto Riga
Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa bei Riga am 15.12.1941 gegen 23 Uhr
   
Blumenthal Albert
* 30.04.1868 Hamm i. Westf.
 
   
Blumenthal Ilse
* 06.08.1900 Hamm i. Westf.
 
   
Brandel Anna
* 02.06.1909 Hamm i. Westf.
 
   
Bruck Emma
* 14.06.1868 Hamm i. Westf.
 

C

Carillon Else
* 06.07.1889 Hamm i. Westf.
 
   
Cussel Alfred
* 01.02.1886 Hamm i. Westf.
 

D

Dannenbaum Adolf
* 08.04.1885 Hamm i. Westf.
 
   
Dickhoff Minna
* 28.04.1870 Lichtenau
 

E

Edler Selma
* 04.07.1870 Hamm i. Westf.
 
   
Eisenberg Walter
* 05.12.1888 Hamm i. Westf.
 
   
Elias Hermine
* 26.11.1879 Hamm i. Westf.
 
   
Elsberg Albert
* 26.04.1877 Hamm i. Westf.
 
   
Elsberg Werner
* 09.11.1914 Hamm i. Westf.
 
   
Engler Hermann
* 21.09.1902 Hamm i. Westf.
 

F

Falk Auguste
* 08.09.1877 Hamm i. Westf.