Breslau (Wroclaw)

Breslau


übersicht

Polen, Woiwodschaft Niederschlesien, Kreisfreie Stadt Breslau (Wrocław)

Breslau (Wrocław) liegt südlich des Katzengebirges an der Einmündung der Ohle (Oława) in die Oder (Odra)
Mit über 630.000 Einwohnern ist sie die viertgrößte Stadt Polens, Hauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesien, kreisfreie Stadt und Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises. Breslau gilt als Hauptstadt der historischen Region Schlesien und war bis 1945 eine Großstadt im Deutschen Reich, zuvor ab 1919 Hauptstadt der preußischen Provinz Niederschlesien und davor preußische Residenz- und Hauptstadt der Provinz Schlesien. In der Zeit der Hitler-Diktatur (1933-1945) wurde Breslau Hauptstadt des neuen Reichsgau Nieder- und Mittelschlesien.

Am 28. April 1933 wird das Konzentrationslager Breslau-Dürrgoy eröffnet, in dem zwischen 200 und 400 politische Gefangene, meist Gegner der Nationalsozialisten aus SPD, KPD und der in Breslau stark vertretenen SAPD gefangen gehalten werden. Maßgeblich Verantwortlicher für das Konzentrationslager ist der Breslauer Polizeipräsident und SA-Obergruppenführer Edmund Heines. Das Konzentrationslager wird am 10. August 1933 geschlossen die meisten Häftlinge werden in andere Konzentrationslager verlegt.
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, der sogenannten Reichspogromnacht, wurde die 1872 erbaute Neue Synagoge in Breslau von SA-Männern zerstört. Sie zählte neben der Neuen Synagoge Berlin zu den prächtigsten Synagogen Deutschlands.
Ab Mitte 1944 wurden in Breslau zwei Außenlager des KZ Groß-Rosen errichtet. Die Zwangsarbeiter von Lager 1 arbeiteten in den FAMO-Werken (Fahrzeug und Motorenbau) bei der Herstellung von Flugzeugmotoren. Die Zwangsarbeiter in Lager 2 arbeiteten bei den Firmen Borsig und Linke-Hofmann–Busch Werke. Etwa sieben Monate nach ihrer Gründung wurden beide Arbeitslager aufgelöst. Die ausschließlich männlichen Insassen beider Lager wurden am 23. Januar 1945 über das KZ Groß-Rosen in das KZ Buchenwald verbracht

Sammellager Breslau Schießwerderplatz (Wrocławu Strzelecki-Platz)


09.07.1907

Der Papierhändler Emmo Delahon wird in Breslau zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt, weil er "unzüchtige" Abbildungen an öffentlichen Orten ausgestellt hatte. Der Mann hatte Ansichtspostkarten mit Reproduktionen der Gemälde "Das Urteil des Paris" von Peter Paul Rubens und "Ruhende Venus" von Iacopo Palma verkauft. Hintergrund für dieses und ähnliche Urteile ist die Sittlichkeitskampagne im Deutschen Reich.


06.05.1915

Die Raucher in Breslau führen einen Nichtrauchertag durch. Das durch den eintägigen Verzicht aufs Rauchen eingesparte Geld soll für Liebesgaben an die Frontsoldaten verwendet werden, nach den Vorstellungen der Initiatoren vor allem für Tabak.


28.05.1916

Der bisherige Berliner Polizeipräsident Traugott von Jagow wird zum Regierungspräsidenten von Breslau ernannt. Seine Nachfolge übernimmt der bisherige Breslauer Polizeipräsident Heinrich von Oppen.


13.09.1917

In Breslau wird eine Frau festgenommen, die mit Betrügereien etwa eine Million Mark erschwindelt hat. Sie machte sich die chaotische Kriegssituation zunutze, um sich bei Banken und Privatleuten betrügerische Kredite zu verschaffen.


26.08.1920

In Breslau greifen deutsche Demonstranten die polnische und französische konsularische Vertretung an und richten an beiden Gebäuden schwere Verwüstungen an.


31.08.1920

Nach einem Sturm deutscher Demonstranten auf das französische Konsulat in Breslau (Wroclaw) am 26. August verlangt die französische Regierung u.a. eine Bestrafung der beteiligten Personen und eine Ehrenbezeugung der Reichswehr.


05.09.1920

Als Folge des Sturms auf das französische Konsulat in Breslau (Wroclaw) setzt Reichspräsident Friedrich Ebert (MSPD) Grundrechte der Verfassung für das Stadtgebiet von Breslau außer Kraft. Die Verordnung, die bis zum 20. September 1920 befristet ist, soll eine Wiederholung ähnlicher Vorgänge verhindern.


14.10.1933

Das Breslauer christliche Wochenblatt „Evangelischer Ruf” veröffentlicht unter der Überschrift „Vision” folgenden Text: „Gottesdienst. Das Eingangslied ist verklungen. Der Pfarrer steht am Altar und beginnt: ‚Nichtarier werden gebeten, die Kirche zu verlassen!’ Niemand rührt sich. ‚Nichtarier werden gebeten, die Kirche zu verlassen!’ Wieder bleibt alles still. ‚Nichtarier werden gebeten, die Kirche zu verlassen!’ Da steigt Christus vom Kreuze herab und verlässt die Kirche.”


14.11.1941

Mit diesem Transport werden 2 jüdische "Häftlinge" aus Breslau ins KL Auschwitz deportiert. Die Einweisung erfolgte auf Weisung der Gestapo aus Breslau. Nach der Übernahme ins Lager erhalten 2 Übernommene "Häftlinge" die Häftlingsnummern 22685 u. 22686


21.11.1941

Mit diesem Transport wird 1 "Erziehungshäftling" ins KL Auschwitz deportiert. Die Einweisung erfolgte auf Weisung der Stapoleitstelle aus Brelau. Nach der Übernahme ins Lager erhält 1 Übernommener "Erziehungshäftling" die Häftlingsnummer 23101


25.11.1941

Am 25.11.1941 werden 1005 Menschen aus dem Breslauer Sammellager Schießwerder über den nahen Odertorbahnhof ins litauische Kaunas deportiert. Hier werden sie gleich nach ihrer Ankunft am 29.11.1941 im sogenannten IX. Fort von Angehörigen des Einsatzkommandos 3 unter Karl Jäger erschossen. An diesem Tag werden im IX. Fort 1.155 Frauen, 693 Männer, 152 Kinder aus Breslau und Wien an einer Grube erschossen


30.05.1942

Mit diesem Transport werden 2 weibliche "Häftlinge" aus Breslau ins KL Auschwitz deportiert. Nach der Übernahme ins Lager erhalten die Übernommenen "Häftlinge" die Häftlingsnummern 7533 u. 7534


01.09.1942

Mit diesem Transport werden 2 "Häftlinge" aus Breslau ins KL Auschwitz deportiert. Nach der Übernahme ins Lager erhalten die Übernommenen "Häftlinge" die Häftlingsnummern 62331 u. 62332.


Personenverzeichnis

Theologe Dr. Dietrich Bonhoeffer * 04.02.1906 in Breslau am 09.04.1945 als Beteiligter des missglückten Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 im KL Flossenbürg hingerichtet.


Täter und Mitläufer 1933-1945

SS-Sturmmann
Bulik Alfred
* 28.03.1898 in Breslau
letzter bekannter Wohnort: Wuppertal
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz

SS-Scharführer
Grellert Friedrich
* 07.10.1891 in Breslau
† 15.04.1982 in Bad Harzburg
ab 1944 Angehöriger der 8. SS-Totenkopf-Wachkompanie im KL Auschwitz u. NL Charlottengrube

SS-Hauptsturmführer
Heimann Karl
* 15.05.1891 in Breslau
ab 1943 Angehöriger des SS-Totenkopf-Sturmbann im KL Auschwitz u. NL Kobier


SS-Sturmmann
Huttfless Josef
* 15.05.1924 in Kaltenstein
† 26.03.1945 in Breslau
vor 1945 Angehöriger des SS-Totenkopf-Sturmbann im KL Auschwitz


SS-Hauptscharführer
Kluss Reinhold
* 04.04.1893 in Breslau
† 21.06.1955 in Elmshorn
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz


SS-Unterscharführer
Kuntke Georg
* 22.02.1899 in Breslau
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz u. NL Eintrachthütte


SS-Maid (SS-Gefolge)
Moschko Luzia geb. Halata
* 05.10.1910 in Breslau
letzter bekannter Wohnort: Mönchengladbach
ab 01.12.1942 Angehörige der Lagermannschaft im KL Auschwitz


Kampf um Breslau

Bericht von Alfons Clemens, Höher Heide 7, 42699 Solingen

Früher wohnhaft in Kaltasche, Siedlung, Gemeinde Schöngarten(bis 1937 Strachwitz), geb. am 23. 10.1928 in Breslau-Neukirch, am 06. Mai 1945, nach der Kapitulation der Festung Breslau in russische Kriegsgefangenschaft. Transport in 6 Wochen nach der Republik Usbekistan, Verbleib in Taschkent der Hauptstadt und in Begowat, Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft am 22. 9. 1948 nach Kickenbach, bei Altenhundem (jetzt Lennestadt) im Sauerland

Zum Einsatz der Schweren Heimatflakbatterie 270/VIII während der Kämpfe in der Festung Breslau, Januar bis Mai 1945,

Am 18. 08. 1944 erfolgte die Einberufung der 2. Jahrgangsstufe der Städtischen Handelsschule Breslau, der ich damals als Schüler angehörte, als Luftwaffenhelfer in die Flakkaserne nach Breslau-Hartlieb. Dort erfolgte nur die Einkleidung und ärztliche Untersuchung. Bereits am nächsten Tag erfolgte die Abkommandierung zur bereits ausgebauten Flakstellung 8,8 cm, Batterie 275/VIII nach Breslau-Zedlitz, am Weidendamm auf der gegenüberliegenden Seite des Breslauer Zoos. Die Fahrt nach Breslau-Zedlitz erfolgte mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Meine Ausbildung fand in der Messstaffel (Flug-Malsi-Gerät und Kommandogerät 40 (Schießleitgerät) statt. Batteriechef war Hauptmann Klein (?). Nach der dreimonatigen Ausbildung erfolgte Anfang Oktober 1944 die Verlegung zur Schweren Heimatflakbatterie 270/VIII. Die Stellung befand sich im Eichenpark (Breslau.-Pöpelwitz), der später während der Festungszeit im April 1945 schwer umkämpft war. Erstmals scharf geschossen wurde am 07.10.1944, als ein kleiner russische Bomberverband Breslau angriff. Dabei kamen 69 Personen ums Leben. Die Schäden waren sehr begrenzt. In der Flakstellung im Eichenpark erfolgte im Spätherbst mit der Verschlechterung der militärischen Gesamtlage zusätzlich eine sogenannte Infanterie-Ausbildung, die sich im wesentlichen mit der Handhabung der Panzerfaust und auf den Stellungsbau orientierte. Batteriechef war Leutnant Stemmler.

Ende November 1944 erfolgte die Verlegung der Batterie in die ausgebaute Flakstellung Breslau-Pilsnitz, etwa in der Lage des Höhenpunktes 115,3, Meßtischblatt 4867. In etwa 500 Meter Entfernung zur Reichsstrasse 5 (Berliner Chaussee) hin gelegen, lag eine weitere schwere 8,8 cm Flakbatterie in Stellung, über dessen Einsatz Leutnant Hans J. Fehst wiederholt im Band 7 „Breslauer Apokalypse 1945“, die von Horst Gleiß herausgegeben wurde, berichtet hat. Beide Batterien galten als Großkampfbatterie. Vor Beginn der eigentlichen Kampfhandlungen im Vorfeld von Breslau wurden die etwa 30 der Batterie zugeteilten Hiwis (hilfswillige russische Kriegsgefangene) aus der Batterie abgezogen. Ebenso auch einzelne im Nachrichtenwesen der Batterie tätige Wehrmachtshelferinnen.

Im Hinblick auf Darstellungen von Hans J. Fehst in seiner Batterie, bestand die personelle Zusammensetzung in der Batterie 270/VIII im wesentlichen aus Luftwaffenhelfern der Jahrgänge 1927 und 1928 und nur aus einem geringerem Teil aus sogenanntem Stammpersonal (Vorgesetzte). Es wurde in unserer Batterie auch keinem Luftwaffenhelfer anheim gestellt, die Einheit zu verlassen. Im späteren Verlauf der Kämpfe um die Stadt wurden meiner Einheit vereinzelt auch Volkssturmmänner der Batterie zugeteilt.

Die Großkampfbatterie war topographisch betrachtet im Hinblick auf den zu erwartenden Erdkampfeinsatz rein zufällig geradezu exponiert placiert. Nahe der Reichsstraße 5 gelegen, der entscheidenden Zugangsstraße vom Westen in die Stadt kommend. Zudem vor dem natürlichen Hindernis der Lohe (Fluß) und der in nordwestlicher Richtung verlaufenden Eisenbahnlinie Breslau-Glogau-Stettin gelegen, bildete sie eine Art Riegelstellung zwischen der Reichsstraße 5 und der Landstraße, die von Breslau-Pilsnitz, über die Lohebrücke nach Masselwitz, Stabelwitz und Herrnprotsch führte. Die geballte Feuerkraft beider Batterien wurde durch 2cm Fla.MG (Drillingsgeschütze) vor allem zum Schutz der Batterie gegen Tieffliegerangriffe erhöht. Das mag wohl erklären, weshalb zunächst aus der Bewegung heraus ab dem 20.02.1945 keine Panzerangriffe über das freie Gelände auf die Batterien erfolgten, zumal sich russische Infanterie etwa ab diesem Zeitraum bereits in Groß- und Klein-Masselwitz festgesetzt hatte, wie auch an der Reichsstraße 5, gegenüber der Floßgraben-Siedlung (Negersiedlung im Volksmund), die zu Breslau-Neukirch gehörte.

In den ersten Februartagen 1945 wurde wiederholt der Brückenkopf Peiskerwitz im indirekten Beschuß seitens der Batterie bekämpft. Um den 06.02.1945 wurde ich zusammen mit einem Feldwebel und einem weiteren Luftwaffenhelfer als VB (Vorgeschobener Beobachter) nach Herrnprotsch abkommandiert. Unser Beobachtungsstand befand sich auf dem Wassertum, der zum Reservelazarett II umfunktionierten Lungenheilstätte Herrnprotsch. Das Reservelazarett war bereits geräumt. Während unserer mehrtägigen Anwesenheit auf dem Gelände der Anstalt wurde ein Gebäudeteil als Hauptverbandsplatz für die bei den Kämpfen um den Brückenkopf Peiskerwitz verwundeten Soldaten genutzt. Vom Turm aus, der neben dem Verwaltungsgebäude stand, konnte ich die Anfahrt der Sankas (Sanitätskraftwagen) und das Ausladen der Schwerverwundeten beobachten. Ansonsten wirkte die weitläufige ehemalige Lungenheilstätte wie eine Geisterstadt. Die von uns ermittelten Schießwerte wurden auf einer Distanz von ca. 6 km zwischen dem Standort der Flakbatterie in Breslau-Pilsnitz und dem VB-Stand in Herrnprotsch mit einem Dora-Funkgerät übermittelt. Wegen Munitionsmangel wurde nur sehr sporadisch indirekt geschossen. Während meiner Anwesenheit auf dem Wasserturm der Lungenheilstätte konnte ich nicht feststellen, daß eine Panzergranate den Turm durchschossen hat, wie von Hans-J. Fehst auf Seite 951 „Festung Breslau 1945 –Apokalypse“ von Horst Gleiß, berichtet wird. Offensichtlich in der Nacht vom 19./20.02. 1945 wurde unsere Dreiergruppe durch lautes Rufen in den Gängen des weitläufigen Verwaltungsgebäudes darauf aufmerksam gemacht, dass sich russische Truppen anschicken Herrnprotsch ohne Widerstand zu besetzen. Alle Vorbereitungen für einen überstürzten Rückmarsch waren bereits getroffen, sodass wir nur Minuten benötigten, um die Beobachtungsstelle Hals über Kopf in der kalten Februarnacht Richtung Breslau-Pilsnitz zu verlassen. Es war frostig-kalt, festgefahrener Schnee, sodass wir mit unseren Fahrrädern und dem Gerät im Fußmarsch noch in der morgendlichen Dunkelheit die Flakstellung in Breslau-Pilsnitz erreichten. Dabei wurde uns bewusst, dass wir Niemandsland passierten. Folglich war damit zu rechnen, dass bereits am Morgen Feindberührung erfolgen könnte, sofern die russische Infanterie nachsickerte. Diese Vermutung trat prompt ein. Kaum, dass der milchig-neblig-verschleierte Februarmorgen dämmerte, wurde die Flakstellung mit schwerem MG-Feuer vom Rande der Reichsstraße 5, unmittelbar hinter der Bahnüberführung, die von der Reichsstraße gekreuzt wurde, beschossen. Mehr oder weniger ein Streufeuer auf die Stellung, um die Reaktion zu testen. Das MG-Nest am Rande der Reichsstraße 5 wurde unter direkten Beschuss genommen und durch einen Volltreffer vernichtet. Weitere Attacken blieben vorerst aus. Die Flakstellung wurde in der zweiten Januarhälfte in eine Art Rundum-Verteidigung, mit einem Laufgrabensystem, Unterständen und Feuerstellungen für MG’s ausgebaut. Die Flakstellung lag immer wieder unter russischem Artilleriebeschuss, mit Störfeuer auch in der Nacht. Tagsüber erfolgen auch vereinzelte Bombenangriffe von Mitchel-Bombern. Russische Infanterie und Pak gingen auf einer Entfernung von ca. 1,5 km diesseits der Bahnlinie, die nach Stettin führte, nahe einem Wäldchen, etwa bei Höhenpunkt 113,5 in Stellung. Ebenso in Klein-Masselwitz, wo sich nach Tagen herausstellte, dass man versuchte Pak-Geschütze in der 1. Etage von landwirtschaftlichen Gebäuden (durch teilweises Öffnen der Giebelwand), gut getarnt in Stellung zu bringen, um somit in eine günstige Schussposition zu gelangen. Um den 20. 2. 1945 herum erfolgte für zwei oder drei Tage Grabenverstärkung durch Einheiten der Waffen-SS, offensichtlich dem Regiment Besslein zugehörig. Da aber die russischen Truppen angesichts der massiven Feuerkraft der Großkampbatterie passiv blieben, zog man die Waffen-SS wieder ab.

2. Die Beschießung von Breslau-Neukirch durch die Großkampfbatterie

Meiner Erinnerung nach erfolgte am 23.02.1945 ein geballter Feuerüberfall der Schweren Heimatflakbatterie 270/VIII und der Nachbarbatterie, der H.-J. Fehst angehörte, auf Breslau-Neukirch im direkten Beschuss. Die Entfernung betrug ca. 2,5 km, bei freier Schussbahn, über flaches Ackerland , entlang der Stettiner-Straße, die von Breslau-Neukirch damals frei übers Feld am evangelischen Friedhof vorbei, zur Reichsstraße 5 in Nähe der Bahnüberführung führte. Mir ist in Erinnerung, dass uns als Grund für die Beschießung bekannt gegeben wurde, dass sich russische Artillerie in Breslau-Neukirch entlang und hinter der Bahnlinie, die von Breslau nach Breslau-Lissa und weiter nach Berlin führte, in Stellung gegangen ist. Diese Information deckt sich auch mit der Morgenmeldung der Heeresgruppe Mitte vom 22.02.1945, in der es heißt: „An der Westfront im Raum Breslau-Neukirch –Schöngarten – Artillerieaufmarsch des Feindes“.

Entgegen der erst richtigen und dann nachträglich korrigierten Darstellung Hans-J. Fehst, Band 7, Seite 1542 des Buches „Festung Breslau 1945 – Apokalypse“ von Horst Gleiß, wurde nicht die Randsiedlung Floßgraben (im Volksmund Negersiedlung genannt) beschossen, sondern tatsächlich der Kern von Breslau-Neukirch, weil besagter Artillerieaufmarsch nicht hinter der Floßgraben-Siedlung, die nur 1,5 bis 2 km von der Stellung entfernt lag, sondern gedeckt hinter dem flachen Bahndamm von Breslau-Neukirch, am nördlichen Rande des Ortskerns, erfolgte. Die Wirkung des Feuerüberfalls muss verheerend gewesen sein. Ein gewaltiger von Rauch , Ziegelstaubund Feuer gefärbter Pilz konnte man mit bloßem Auge von der Geschützstellung aus erkennen. Breslau-Neukirch hatte bereits bei den Infanterie-Kämpfen stark gelitten. Der Beschuss durch die Großkampbatterie gab in gewisser Weise meinem Geburtsort den Todesstoß. Ende der 70-ziger Jahre, als ich nach dem Kriege erstmalig wieder Breslau-Neukirch besuchte, konnte ich mich im Nachhinein von den verheerenden Zerstörungen überzeugen. Es sind nur noch vereinzelt Häuser stehen geblieben, wie der Bahnhof, das katholische Pfarrhaus, Bäckerei Heidenreich, Haus des Kaufmanns Roßdeutscher unter anderem.. Die beiden Volksschulen (evangelische und katholische), hinter der Bahnlinie gelegen, waren vom Erdboden verschwunden. Glück im Unglück hatten die Randsiedlungen „Floßgraben“, von der eben schon die Rede war und die sogenannte „Weiße Siedlung“, die südlich des Zentrums von Breslau-Neukirch zum Flughafen Schöngarten hin gelegen war. Beide Siedlungen blieben so gut wie unversehrt. Die „Gärtner-Siedlung“, die sich in Distanz zur Lohe am Rande der „Weißen-Siedlung“ in Richtung Lohbrück hinzog, ist durch die Kämpfe auf dem Damm der Ringbahn offensichtlich schwer in Mitleidenschaft gezogen und mehr oder weniger zerstört worden. Der Grad der Zerstörungen in Breslau-Neukirch machte mich tief betroffen, wobei die besonderer Tragik darin bestand, dass ich mit Hand anlegen musste, meinen Geburts- und Schulort zusammenzuschießen. Das Geburtshaus meines Vaters an der Neukircher-Str. 266, Ecke Gartenstraße ist an diesem Tage der Kriegsfurie zum Opfer gefallen. Mein Wohnort, die Kolonie Kaltasche, ist mehr oder weniger unversehrt geblieben, außer, dass die Scheune des Bauernhofes Engel abgebrannt ist. So blieb auch das Haus meiner Eltern in Kaltasche erhalten.


3. Der Rückzug der Schweren Heimatflakbatterie 270/VIII aus der Stellung in Breslau-Pilsnitz

Nach der Darstellung von Horst Malitius, Band 7, Seiten 1575 bis 1578 des Buches „Festung Breslau 1945 . Apokalypse“ von Horst Gleiß, wurde die HKL (Hauptkampflinie) am 22./23. 02. 1945 auf die Linie der Lohe zurückgenommen. Ich meine aber in Erinnerung zu haben, daß die Flakbatterie 270/VIII trotz dieser Rücknahme in der alten Stellung vor der Lohe vorerst als Riegel verblieb, bis sichergestellt war, dass die Geschütze aus der Stellung herausgezogen werden konnten. Der Rückzug war nur nachts und unter Berücksichtigung besonderer Vorsichtsmaßnahmen möglich. Zwei Geschütze waren durch Bomben- bzw. Artillerievolltreffer zerstört worden. Die restlichen Geschütze wurden in einer zwei oder dreitägigen nächtlichen Aktion mittels 12 t MTW Kettenfahrzeugen aus der Geschützstellung gezogen. Meinen Erinnerungen zu Folge müsste das zwischen dem 25. und 27.02.1945 erfolgt sein. Nach Beendigung dieser Rückzugsoperation wurde die Lohebrücke unverzüglich gesprengt. Um uns von den mehrwöchigen Kämpfen und Strapazen zu erholen wurde ein Teil der Mannschaft in den bereits von der Bevölkerung geräumten Häusern an der Pilsnitzer Straße, gegenüber der Endstation der Straßenbahn und am Anfang des nordwestlich gelegenen Teils des Flughafens Breslau-Gandau für zwei oder drei Tage einquartiert.

Nachzutragen wäre noch folgender Gedanke: Eigenartiger Weise gab es während dieser zwei bzw. dreitägigen nächtlichen Rückzugsaktion weder am Tage noch in der Nacht gezielte Angriffe auf die Geschützstellung , abgesehen von dem üblichen Störfeuer von Artillerie , Pak und Maschinengewehrfeuer. Einer Darstellung Ryszard Malewski zufolge heißt es im Band 7, Seite 1485 in der Dokumentation „Festung Breslau 1945 Apokalypse“ von Horst Gleiß, dass die 181. russische Schützen-Division am 22.02.1945 Breslau-Pilsnitz angegriffen hat. Im Hinblick auf den Beschuss von Breslau-Neukirch am 23.02.1945 durch die beiden schweren Flakbatterien und danach folgenden nächtlichen Rückzugsaktionen aus der Geschützstellung vor der Lohe, kollidieren in gewisser Weise die Daten des Angriffs auf Breslau-Pilsnitz. Diese Fakten aufzuklären, fehlen mir entsprechende Archivunterlagen.

Zum Einsatz der Schweren Heimatflakbatterie 270/VIII während der Kämpfe in der Festung Breslau – Januar bis Mai 1945.

Verlegung der Schweren Heimatflakbatterie 270/VIII ins Gleisdreieck Viehweide/Zankholzwiese

Nachdem die Geschütze der Batterie in nächtlichen Einsätzen aus Breslau-Pilsnitz herausgezogen wurden, erfolgte die Verlegung Ende Februar in den Bereich des Schrebergarten-Geländes Viehweide/Zankholzwiese/Gleisdreieck, ganz in der Nähe des Eichenparks , wo früher die Batterie schon einmal stationiert war (Spätherbst 1944). Das Schrebergarten-Gelände war bereits im weiten Umfeld mehr oder weniger eingeebnet, um freies Schussfeld für die Geschütze zu bekommen. Die Eisenbahnunterführung Dammstraße, die zum Eichenpark führte, war schon soweit verbarrikatiert, als gerade noch eine Fahrspur frei war. Der Gefechtsstand der Flakbatterie befand sich im Keller eines einzeln stehenden mehrstöckigen Mietshauses an der Dammstraße. Die Flakbatterie wurde von Bombenflugzeugen angegriffen, ohne getroffen zu werden. Umso gründlicher wurde das hinter dem Mietshaus gelegene Fabrikgelände getroffen. Wie ein Wunder blieb das Mietshaus, in dem sich der Gefechtsstand befand, bei dem Reihenabwurf der Bomben verschont. Zusammen mit einem weiteren Luftwaffenhelfer versuchten wir Schutz im Hauseingang zu suchen, wurden aber an der Haustür durch detonierende Bomben, die in das etwas tiefer gelegene Gelände der Schrebergärten einschlugen, überrascht. Der Luftdruck drückte mich an die Hauswand. Tagelang lief ich wie taubstumm herum. Riss im Trommelfell und gerade noch einmal davon gekommen. Ein nachhaltiges, von Todesangst geprägtes Erlebnis.

In dieser Stellung verbrachten wir ungefähr vierzehn Tage, ohne, dass die Flakbatterie aktiv wurde. Wir empfanden die Zeit wie in einer Ruhestellung. Die Märzsonne meinte es gut mit uns. Man spürte förmlich den jahreszeitlichen Wechsel. Frühlingsleichte Luft sorgte für eine Art Aufbruchstimmung, bis diese vermeintliche Idylle durch schweren Granatwerferbeschuss von russischer Seite empfindlich gestört wurde. Mehrere Verletzte waren die Folge. Bei Streifzügen im weitläufigen Gelände der Viehweide, stieß ich auf Bombentrichter, die einen durch das Gelände führenden Hauptabwasserkanal getroffen und freigelegt haben. Man konnte frei einsteigen und das exakt im Rundbogenstil gemauerte Abwassersystem begehen. Während dieser Zeit gingen auch Versorgungsbomben, die über der Stadt von der Ju 52 abgeworfen wurden, im Gelände der Viehweide nieder, die von uns geborgen wurden.

Ich selbst war zu dieser Zeit im Nachrichtenwesen der Flakbatterie tätig. In der letzten Woche im März 1945 wurde die Flakbatterie aus dieser extrem gefährlichen Stellung zwischen den Eisenbahndämmen heraus gezogen. Die Geschütze wurden auf dem Oderdamm, ganz in der Nähe der Ölser-Eisenbahnbrücke (Koseler Deich, nahe Strandbad Westend) in Stellung gebracht. Der Gefechtsstand befand sich in einem mehrstöckigen Mietshaus in der Gnesener-Straße. Am 30. 3. 1945 bezog ich mit einem Wachtmeister (Feldwebel) und einem Funker VB-Position (vorgeschobener Beobachter) auf dem Turm der katholischen St. Hedwigs-Kirche (Stadtteil Breslau-Pöpelwitz) an der Klodnitz-, Ecke Polsnitz-Straße Beobachtungsposition. Wir beobachteten regen Transportverkehr der russischen Truppen auf der Landstraße aus Richtung Lohbrück (früher Groß-Mochbern). Auf dem Kirchturm waren Beobachtungsposten verschiedener Artillerie-Batterien stationiert. Als Unterkunft wurde uns eine Behelfsbaracke in einem Zwischengeschoss der unteren Turmhälfte zugewiesen. Am 31.03.1945 waren wir auf Beobachtungsposition auf dem Turm. Da die Bombenangriffe der russischen Fliegerverbände sich am Ostersamstag verstärkten, verließen wir vorsichtshalber die Turmspitze. Kaum, dass wir im untersten Zwischengeschoss ankamen, wurde der Turm getroffen und förmlich wegrasiert. Mehrere Artillerie-Beobachter kamen dabei zu Tode. Da die Zwischengeschoßdecken in Eisenbeton gegossen waren, kamen wir mit dem Schrecken davon. Danach kehrten wir in den Abendstunden, nach dem die heftigen Bombenangriffe nachgelassen hatten, in die Stellung der Flakbatterie zurück. Unmittelbar nach dem verheerenden Osterbombardement wurde die Flakbatterie erneut verlegt und bezog in der Nähe des Mittelfeldweges, am Großschifffahrts-Kanal , ganz in der Nähe der Flutschleuse, wo die alte Oder in den Großschifffahrts- und Flutkanal mündet, Stellung. Vorherrschend war unbebautes Gelände mit Gärten und verstreut liegenden Häusern. In einem der Häuser befand sich der Gefechtsstand der Flakbatterie. Ganz in der Nähe, lag gut getarnt, das einzigste großkalibrige Mörsergeschütz (21 cm Durchmesser )der Festung in Stellung. Die Geschützbedienung ließ durchblicken , dass sie gerade mal über 50 Geschosse verfügte. In diesem weitläufigen Gelände lag in einem gewissen Abstand eine weitere Schwere Heimatflakbatterie in Stellung. Zusammen mit einem Feldwebel und einem Funker bezog ich erneut Position als VB in der Westend-Kaserne an der Lange- Gasse, Ecke Elsasser-Straße, um in die Abwehkämpfe jenseits des Eichenparks in Breslau-Pöpelwitz mit einzugreifen. Nach dem 11. April 1945, als die Kämpfe im Bereich der Viehweide durch mit Panzern der Roten Armee vorgetragenen Angriffen auch den Bereich der Westend-Kaserne erfassten, verließen wir fluchtartig den Beobachtungsposten, nach dem auf der gegenüberliegenden Straßenseite russische Infanterie in die Häuser vereinzelt eindrang. Wir zogen uns unter starkem Granatwerferbeschuss über das Gelände der angrenzenden Kipke-Brauerei und einer daneben liegenden Seifenfabrik über die Einundfünfziger-Straße in Richtung Nicolai-Platz zurück. Wiederholt stießen wir auf Tote in der Straße, die beim Beschuss ums Leben gekommen sind. Nach diesem Zwischenspiel bezogen wir mit unserer Dreiergruppe als letzte VB-Stelle während der Festungszeit, etwa Mitte April 1945, die mächtigen Ecktürme des im neugotischen Stil erbauten Amts- und Landgerichts an der Neuen Graupenstraße, Ecke Schweidnitzer- Stadtgraben. Verpflegt und untergebracht wurden wir von der Panzerjäger-Abteilung Breslau, die ihre Reperatur- und Trosseinheit u. a. im Innenhof des Gerichts stationiert hatte und von dieser Stelle aus ihren „Feuerwehreinsatz“ an den Brennpunkten des Festungskampfes leitete. In der Kantine des Landgerichts, die sich im Kellergeschoss befand, wurden wir Zeuge manch’ feucht-fröhlichem Gelage , das mich als junger Luftwaffenhelfer in gewisser Weise abstieß. Beobachtet wurde der Raum entlang der Bahnlinie nach Freiburg mit dem Stadtteil Gräbschen bis nach Lohbrück und der Raum um den Hochbunker am Striegauer-Platz .Die bis zu eineinhalb Meter dicken Mauern des Eckturmes verliehen uns ein gewisses Maß an Sicherheit, was sich bei den wiederholten Artillerie- und Werfergeschützüberfällen (BM 12 –Stalin-Orgel) zeigte. Als sich die Infanteriekämpfe schließlich bis zum Freiburger Bahnhof hinzogen, verließen wir die Beobachtungsstelle und kehrten in die Flakbatterie zurück. Bei einem meiner Meldegänge durch die Stadt, wurde ich von einem Auffangkommando aufgefordert, mich bei der Meldestelle der Kampfgruppe Hitler-Jugend zur Verfügung zu stellen, die offensichtlich nach den verlustreichen Kämpfen besonders am Süd-Park der Stadt ihre Reihen auffüllen wollten. Da ich mich mit einem Marschbefehl unterwegs befand, konnte ich dieser Aufforderung ausweichen. Die Kapitulation der Festung Breslau stand vor der Tür. Entsprechend den Kapitulations-Bedingungen durften die Geschütze der Flakbatterie nicht gesprengt werden. Am 7. Mai 1945 marschierte die Einheit zum Benderplatz. Dort wurden wir von der Roten Armee entwaffnet. Teilweise wurden Pistolen, Handgranaten etc. vor dem Abmarsch aus der Geschützstellung in den naheliegenden Schifffahrtskanal geworfen. Nach der Entwaffnung wurden wir zusammen mit Tausenden Gefangenen über die Friedrich-Wilhelm-Straße, Flughafen-Straße Reichsstraße 5 in Richtung Breslau-Lissa, Schreibersdorf , Auras (über die Oder), Henningsdorf, Striese, Hochkirch nach Breslau-Hundsfeld ins ehemalige Zwangsarbeitslager der Borsig-Werke geführt. Anfangs durfte die Flakbatterie ein Verpflegungsfahrzeug auf den Marsch in die Gefangenschaft mitführen, das nach drei Tagen an die Bewachungsmannschaft übergeben werden musste. Nach etwa fünf Wochen Aufenthalt im „Borsig-Lager“ erfolgte der Abtransport in Eisen-Bahnwagons Richtung Öls in die Sowjetunion. Nach etwa sechswöchiger Fahrt wurden die Kriegsgefangenen in Begowat (Sowjetrepublik Uzbekistan) ausgeladen. Anfangs erfolgte der Arbeitseinsatz der Kriegsgefangenen beim Bau des Fachad-Wasserkraftwerkes am Fluß Syr-Darja gelegen. Später Verlegung nach Taschkent. In Taschkent in verschiedenen Werken im Maschinenbau (Ringspinnmaschinen, Baumwollernte-Maschienen, Baumwollreinigungs-Maschinen) gearbeitet. Während dieser Zeit sechs Wochen Aufenthalt im Kriegsgefangen Erholungslager Tschuama, jenem Ort, von dem aus Sven Hedin seine Forschungsreise durch die Wüste Gobi begonnen haben soll. Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft am 22.09.1948 über Frankfurt/Oder, Erfurt, Friedland, Münster. Dort erfolgte die offizielle Entlassung nach Verhören durch die englische Besatzungsmacht.

Niedergeschrieben am 30.04.1994, korrigiert am 25.03.2008
Alfons Clemens, Höher Heide 7, 42699 Solingen

Alfons Clemens
Abriss der Kämpfe in Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki
17./23. Februar 1945

Im Vorfeld der Kämpfe um Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki
Die Schlacht um Breslau bezeichnet den Versuch der deutschen Wehrmacht, eine Verteidigungslinie an der Oder aufzubauen, die Einschließung des wichtigen Verkehrsknotenpunktes Breslau zu verhindern und die „Festung Breslau“ zu verteidigen.

Die Gegner
Die Schlacht um Breslau wurde zwischen der deutschen Heeresgruppe Mitte unter Ferdinand Schörner und der 1. Ukrainischen Front von Iwan Konew ausgetragen. Dabei standen sich die deutsche 17. Armee (unter der Führung von Friedrich Schulz und später Wilhelm Haase) und die russische 3. Garde-Panzerarmee (Pawel Semjonowitsch Rybalko) sowie der russischen 6. Armee (Wladimir Alexejewitsch Glusdowskis) gegenüber. In der Stadt Breslau wurde nur ein Teil der 269. Infanterie-Division eingeschlossen, die nicht mehr Divisions-, sondern nur noch Kampfgruppenstärke hatte.
Quelle: Wikipedia, Schlacht um Breslau

Das Einkreisungsmanöver
Die „Festung Breslau“ wurde endgültig in der Nacht vom 15. zum 16. 02. 1945 eingeschlossen. An dem Manöver war unter anderem auch die 359. russische Schützendivision unter dem Kommando von Oberst Pjotr Kosolapew beteiligt, die später Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki eingenommen hat.

Die Angriffshandlungen der 6. russischen Armee
Die Angriffshandlungen der 6. russischen Armee entwickelte sich am Brückenkopf in Maltsch/Malczyce, nördlich von Breslau an der Oder. Die 359. russische Schützendivision im Verband der 1. Ukrainischen Front ging nach massiven Artillerie-Vorbereitungen als erste Angriffswelle der Armee zum Angriff Richtung Breslau-Lissa/Wroclaw- Lesnica vor.
Die Division Sachsenheimer mit den Kampfgruppen Deutsch, Brunschlicht, Regimer, Belger wurde im Raum Neumarkt/Sroda-Slaska in schwere Kämpfe verwickelt und nach Süden abgedrängt. In der Folge näherten sich Teile der 359. russischen Schützendivision von Neumarkt/Sroda-Slaska kommend auf Breslau-Lissa/Wroclaw-Lesnica zu. Der Versuch den Vorstoß am 11. 02. 1945 aufzuhalten, gelang dem SS-Regiment Besslein nicht. Die 359. russische Schützendivision stieß nach Kämpfen in Leuthen/Lutynia und Frobelwitz/Wroblowice weiter auf die Weistritz/Bystrzyca zu. Breslau-Lissa/Wroclaw-Lesnica wurde am 16. 02. 1945 kampflos von der 181. russischen Schützendivision, die am linken Flügel der 359. Schützendivision operierte, eingenommen. Die Weistritz/Bystrzyca bildete nun die HKL (Hauptkampflinie) Nach Überschreiten der Weistritz/Bystrzyca wurde am 15. 02. 1945 Hermannsdorf/Jerzmanowo von der 359. russischen Schützendivision erobert.. Zuvor wurde in der Nacht vom 13./14. 02. 1945 aus taktischen Gründen die südwestliche deutsche HKL auf die Linie Hermannsdorf/Klettendorf/Jerzmanowo/Klecina zurückgenommen. Das Dorf wurde vom Regiment Oberst Göllnitz verteidigt, das am 09. 02. 1945 im Alten Generalkommando in Breslau aufgestellt wurde.
Quelle:Majewski, R., Sozanska, R., Die Schlacht um Breslau, Januar-Mai 1945, Union-Verlag, Berlin-Ost, 1979, 1. Auflage

Militärtaktische Überlegungen bei der Verteidigung von Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki „Die Kräfte zwischen Weistritz und Lohe hatten zum Behaupten des Flugplatzes den Kampf möglichst lange westlich der Lohe zu führen und auch nach Zurückgehen an und hinter die Lohe durch offensiv geführte Verteidigung Angriffsabsichten zu verzögern“ Mit dem erwähnten Flugplatz ist Breslau-Gandau/Wroclaw-Gadow gemeint.
Quelle: Ahlfen/Niehoff, So kämpfte Breslau, 1959, S. 32/33

Diese Einschätzung der Festungskommandantur verdeutlicht die Bedeutung des Verteidigungsabschnittes, ergo die Hartnäckigkeit der späteren Kämpfe um Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki mit Zugang zum Flughafen Breslau-Gandau/Wroclaw-Gadow nach dem der Militärflughafen Schöngarten/Strachwitz/Strachowice am 16. 02. 1945 von der 359. russischen Schützendivision eingenommen wurde. Danach operierte die 359. russische Schützendivison, nach Überwindung des deutschen Widerstandes, auf der Linie Hermannsdorf/Jerzmanowo/Schöngarten/Strachwitz/Strachowice/ Groß-Mochbern/Muchobor-Wielki.

Der unmittelbare Angriff auf Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki
Am Samstag, dem 17. 02. 1945, erfolgte von Hermannsdorf/Jerzmanowo und Schöngarten/Strachowice aus ein koordinierter Angriff des 1.198. russischen Schützenregiments der 359. sowjetischen Schützendivision auf Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki. Bereits am 14. 02. 1945 erfolgte ein Luftangriff auf Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki, „wobei sehr viele Häuser arg beschädigt wurden. Die Schwestern hielten sich jetzt im Luftschutzkeller auf. Daselbst war ein Abteil für die Verwundeten eingeräumt, weil da der Verbandsplatz war. Von da aus wurden die Verwundeten nach Breslau geschafft.“
Quelle: Joseph Schweter 1981 in „Breslauer Apokalypse 1945“ Horst Gleiss, Bd., 7, S. 1150

Der Angriff von Hermannsdorf /Jerzmanowo über Kaltasche/Osiniec auf Breslau-Neukirch zielend, wurde mit heftigem Artillerie-Beschuss eingeleitet. „Am nächsten Vormittag griffen russische Einheiten, von Westen kommend, unsere Wohnsiedlung an. Eine Scheune brannte schon durch Granattreffer. Es musste etwas geschehen, damit unsere mühsam erbauten Häuser nicht zusammengeschossen werden. Im Ort befanden sich keine deutschen Truppen. Ich tat es und ging den russischen Schützenlinien mit einem weißen Handtuch winkend entgegen. Mir wurde zurückgewinkt ...nach einigen Minuten war Gefechtsstille“.
Quelle: Alfons Clemens, sen., Bericht vom 03.04.1965, „Die russische Armee besetzt Kaltasche“.

Diese mutige Handlungsweise, die nicht von ungefähr mit einem hohen Risiko verbunden war, bewahrte Kaltasche/Osiniec vor kriegerischen Zerstörungen.
Nach der Besetzung von Kaltasche/Osiniec wurde Alfons Clemens, sen., von einem russischen Offizier über Wald und Wiese und dem Schlosspark Schöngarten/Strachowice zum Regimentsgefechtsstand der 359. Schützendivision nach Schöngarten/Strachwitz/Strachowice zum Verhör abgeführt. Der vollständige Bericht von Alfons Clemens, sen., ist im Hinblick auf den zugleich im Gange befindlichen Angriff von Schöngarten/Strachowice auf Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki im höchsten Maße authentisch und bestätigt die Härte des Kampfes. Wörtlich heißt es: „Wir wurden an feuernden Stalinorgeln, Granatwerfern, Geschützen aller Art vorbeigeführt. Ich bemerkte hier besonders, dass diese Stellung aus Richtung Neukirch heftig beschossen wurde.“
Quelle: Schriftlicher Bericht Alfons Clemens, sen., vom 03. 04. 1965

Drei russische Gefechtsmeldungen aus dem Staatlichen Russischen Militärarchiv in Podolsk bei Moskau über die Kämpfe in Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki

Nachdem Kaltasche/Osiniec kampflos eingenommen wurde, erfolgte aus der Bewegung heraus der Angriff am Samstag, 17. 02. 1945 auf Breslau-Neukirch/ Wroclaw-Zerniki.

Es ist dem Verfasser des Berichtes mit Hilfe seines Moskauer Freundes Juri Nasarov gelungen, drei Gefechtsmeldungen vom Regimentsstab des 1.198. Schützenregiments an den Divisionsstab der 359. Schützendivision vom 17. 02., 21.02. und 23.02. 1945 aus dem Staatlichen Russischen Militärarchiv, Podolsk, bei Moskau über die Kämpfe in Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zernikii zu erhalten.

Auszug aus der Gefechsmeldung des 1.198. Schützenregiments vom 17. 02. 1945
„Der Gegner nimmt die Verteidigungsstellung am westlichen Rand von Neukirch ein und an den Häusern 600 bis 700 Meter am südlichen Rand von Neukirch. Das 1. Schützenbataillon hat den südlichen Rand von Neukirch besetzt“ und weiter: „Verluste: Getötete Offiziere 1, verletzt 6, getötete Sergeanten und Soldaten 11, verletzt 38. Verluste des Gegners: Getötet und verletzt 130 Soldaten“.
Quelle: Gefechtsmeldung des 1.198. Schützenregiments an den Divisionsstab aus dem Staatlichen Russischen Militärarchiv Podolsk, bei Moskau.

Auszug aus der Gefechtsmeldung des 1.198. Schützenregiments vom 21. 02.1945
„Mit den Bataillons-Kommandeuren wurde eine Orts-Erkundung durchgeführt. Das Regiment ist zur Erfüllung der Kampfaufgaben bereit. Ich habe ein Sturmbataillon zusammengestellt (Kommandeur des Sturmbataillons Kapitän Sonov). Ich beschloss verstärkte Vorbereitung zur Erfüllung der gestellten Aufgabe. Beobachtung, Bewachung, Aufklärung und Bau der Mittel zum Übersetzen des Flusses.“
Quelle: Wie oben angegeben
Mit dem Fluss ist die Lohe/Sleza gemeint.

Auszug aus der Gefechtsmeldung des 1.198. Schützenregiments vom 22. 02. 1945
„Die Verbindung mit den Einheiten über Feldfernsprechverbindung, Funkverkehr und Melder funktioniert ununterbrochen. Auf dem Beobachtungsstand ist die Beobachtung durch Offiziere rund um die Uhr gesichert. Die Aufklärung wird laufend durchgeführt. Ich beschloss, die besetzte Verteidigungslinie zu halten. Die Bereitschaft der Einheiten zur Erfüllung der gestellten Aufgabe ist zu überprüfen. Das Kampfziel ist bis zum Tagesende zu erreichen.“
Quelle: Wie oben angegeben.

Die hohen Verluste bei den deutschen Verteidigern des Regiments Hanf in Breslau-Neukirch
/Wroclaw-Zerniki werden von deutscher Seite durch die Meldung bestätigt und wo es heißt: „Sehr schwere Verluste erlitt dieses neue Regiment in den Kämpfen um Breslau-Neukirch“.
Quelle: Br.Ap. Horst Gleiss, Bd. 7, S. 984

Das vormalige Regiment Oberst Göllnitz wurde nachweislich am 17. 02. 1945 von Rittmeister Hanf übernommen und als Regiment Hanf weitergeführt.

Die Einnahme von Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki in der Nacht vom 17.02 zum 18.02. 1945
Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki wurde in dieser Nacht nach schweren Infanterie-Kämpfen eingenommen. Laut vorliegendem Bericht von Bernhard Roßdeutscher heißt es auf Seite 3 des schriftlichen Berichtes: „Am Sonntagmorgen (18.2.1945) waren die Russen da......im Keller des Pfarrhauses fragten sie zuerst nach dem Chef. Mein Vater begleitete den Pfarrer, der mit den Russen mitgehen sollte, die Kellertreppe hinauf. Oben angekommen schoss der Russe dem Pfarrer mit dem Revolver zwei Kugeln ins Genick“ und weiter: Am Montag, dem 19. 02. 1945 ging mein Vater mit einem russischen Soldaten zur provisorischen Kommandantur im Freigut. Dort bekam er einen Passierschein und den Auftrag, die Zivilbevölkerung in den Kellern aufzufordern, Neukirch in Richtung Schöngarten zu verlassen. Wir liefen weiter über Hermannsdorf und Arnoldsmühle bis nach Schillermühle“.

Quelle: Schriftlicher Bericht Bernhard Roßdeutscher, schriftlicher Bericht ohne Datum.

In einer weiteren Information heißt es:
„Ehrenerzpriester Paul Schumann, Pfarrer an der St. Laurentiuskirche in Breslau-Neukirch, Neukircher-Str. 247, geb. am 25. 07. 1872, geweiht am 23. 06. 1902, von einem sowjetischen Kommissar durch zwei Genickschüsse ermordet am 18. 02. 1945 vor dem Kellereingang seines Pfarrhauses, weil er angeblich der SS erlaubt haben soll, auf dem Kirchturm eine Sendestation einzurichten“.
Quelle: Kaps 1950, S. 79-80 und 1989, S. 89 (2. Auflage von Emil Brzoska) und Br/Ap. Horst Gleiss, Fig.VI/139

Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Kirchturm als Beobachtungsstelle vom Regiment Hanf benutzt wurde, zumal man von diesem Punkt aus eine weite Sicht ins gegnerische Hinterland über die Felder bis Kaltasche/Osiniec und Hermannsdorf/Jersmanowo hatte.

Im Kapitel: “Flucht aus dem Keller unter der brennenden Scheune“ berichtet Bernhard Roßdeutscher wie folgt:
„Es lagen Trümmer vom Treffer auf dem Funkgerät und andere Gegenstände im Hausflur. Vor der Kellertür stiegen wir, ohne etwas zu ahnen, über den dort liegenden Leichnam vom Pfarrer Paul Schumann. Im Keller angekommen, erfuhren wir erst was geschehen war. Die SS hatte einige Tage zuvor im Pfarrhaus in der Küche eine Funkanlage installiert. Nach Angaben meines Vaters kam schon nach dem 2. oder 3. Funkspruch ein Volltreffer auf das Funkgerät. Sie ließen alles stehen und liegen und verschwanden“
Quelle: Vorliegender schriftlicher Bericht von Bernhard Roßdeutscher, ohne Datumsangabe.

Auf dem Hintergrund der schweren Infanterie-Kämpfe und der damit verbunden Verluste auf russischer Seite, ergibt sich womöglich im Hinblick auf den tragischen Tod von Pfarrer Schumann eine Erklärung.

Die Einnahme von Breslau-/NeukirchWroclaw-Zerniki wurde in der Tagesmeldung der deutschen Heeresgruppe Mitte vom 18. 02. 1945 bestätigt und wo es heißt: “In schweren verlustreichen Kämpfen ging vor der SW-Front der Festung Breslau Breslau-Neukirch verloren“. SW-Front, Abkürzung für Südwest-Front.
Quelle: Br./Ap. Horst Gleiss, Bd. 7, S. 1.339



In einer weiteren Darstellung über die Eroberung von Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki heißt es:

„Die Eroberung Neukirchs im Bericht von Major Michael Orlow, Reserveoffizier der 359. Schützendivision der 6. Armee. Nach einigen Tagen erbitterter Kämpfe, die die 359. Schützendivision im Nordwesten Breslaus geführt hatte, erreichten unsere Soldaten die Stadt selbst. Die erste damit verbundene Kampfhandlung war am 18. Februar die Eroberung von Neukirch am Westrand der Stadt. Der Ort wurde von einem Bataillon des 1.198. Schützenregiments, unter dem Befehl von Hauptmann Pietrow erobert. Neukirch war von den Deutschen auf die Verteidigung vorbereitet und hatte eine relativ starke Besatzung, ausgerüstet mit einer beträchtlichen Menge an Maschinengewehren. Trotzdem wurde der Ort schnell und ohne große Verluste erobert. Über diesen Erfolg entschied ein mutiges Manöver einer Kampfgruppe, angeführt von Unterleutnant Asmanow. Die Soldaten krochen im Panzergraben um die deutschen Stellungen herum, um sie dann von hinten anzugreifen. Bei dieser Kampfhandlung wurden 40 Gefangene gemacht. Für die im Kampf erwiesene Initiative und ihren Mut haben Unterleutnant Asmanow, Oberfeldwebel Jasicz und die Soldaten Bielicke, Krawcyk, Tursynow und Kolomecyk eine Kampfauszeichnung erhalten.“
Quelle: Majewski, R., Wroclaw –godzina zero, Wroclaw 2000, 2. Aufl., S. 80, Übersetzung aus dem Polnischen

Die russische Zeitung „Prawda“ veröffentlichte am 25. März 1945 ein Foto mit einem in Feuerstellung liegendem leichten Infanterie-Geschützes des russischen Feldwebels Pawl Dudarjew vor der Bäckerei Max Heidenreich in Breslau-Neukirch, Neukircher-Str. 244.
Das Foto wurde von dem bekannten russischen Kriegsberichterstatter Alexander Ustinow aufgenommen.
Quelle Prawda, 25. 3. 1945, Nr. 72(9843) und Fig. II/54, Br./Ap., Horst Gleiss

Es existiert eine weitere Aufnahme von den Kämpfen, die vor dem Haus des Kolonialwarengeschäftes Bruno Gusinde, Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki, Neukircher-Str. 255/ulica Zernicka 255, offensichtlich auch von Alexander Ustinow aufgenommen
wurde, da er sich während der Kampfhandlungen im Ort aufgehalten hat. Das Photo zeigt eine in Kampfstellung liegende russische Schützeneinheit des 1.198. Schützenregiments, das Breslau-Neukirch/Wroclaw/Zerniki erobert hat.

Die schweren Kämpfe entlang der Lohe-Linie in Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki vom 20. bis 23.02.1945
„Vor dem kleinen Fluss der Lohe, wo die erste Versorgungsbombe lag, liefen sofort einige von unserer Einheit hin, um den Inhalt zu bergen. Die Russen hatten den Vorfall gut im Auge und schossen mit der Artillerie dazuwischen.......Als ich den halben Weg hinter mir hatte, begann der Russe mit der Stalinorgel, Artillerie, Granatwerfern und Pak das Trommelfeuer auf die von uns rechts liegende Kompanie. Nun hatte ich noch die Möglichkeit auszuweichen. Solange das Trommelfeuer längere Zeit anhält, muss ich den hinter mir liegenden Entwässerungsgraben erreichen, sonst habe ich keine Chance zu entkommen. Ich hörte das Grollen und Anrollen der Panzer und dahinter die Infanterie in Sturmbereitschaft zum Angriff. Ich hatte Glück, den Entwässerungsgraben noch rechtzeitig zu erreichen, um zu meiner Truppe zu kommen ........ Das Dröhnen der Panzermotoren wurde immer lauter, begleitet von den Kettengeräuschen der Panzer mit der dahinter im Sturmangriff laufenden Infanterie, setzten die Russen nach dem Trommelfeuer auf die 2. Kompanie an. Um im Trommelfeuer hohe Verluste zu vermeiden, zog sie sich weiter in die Siedlung zurück. Dort kam es noch längere Zeit zu Häuserkämpfen, von wo sie sich langsam bis zur Auffanglinie zurückzog. Nach circa einer Stunde bekam unser Frontabschnitt das Trommelfeuer
Die Panzer fuhren abseits der Häuser und kesselten uns ein. Vor dem Fluss der Lohe hielten sie an und wurden vom Bahndamm, jenseits der Lohe, von der Auffanglinie aus unter Beschuss genommen.....So hatte die russische Pak-Bedienung freies Spiel und wir mussten schwere Opfer hinnehmen........Wir gingen am Ufer der Lohe entlang. Oft mussten wir laut rufen: Kameraden, nicht schießen. Wir sind die Reste vom Pz.Pi.Btl. 28 Kosel“.
Quelle:
Siegfried Kasper, Delmenhorst, Auszüge aus dem vorliegenden, schriftlich verfassten Bericht vom 03.03.2011, mit einer beiliegenden „Gedächtnisskizze über die Kämpfe vom 20. zum 21.02.1945 in Neukirch bei Breslau“, handschriftlich und farbig.



Anmerkungen: Die Auszüge aus dem mehrseitigen schriftlichen Bericht von Siegfried Kasper, der dem Panzer-Pionier-Batallion 28, Breslau-Kosel angehörte, verdeutlichen die harten und auf deutscher Seite verlustreichen Kämpfe vom 20. bis 23. Februar 1945 entlang der Lohe-Linie. Bei der erwähnten stark umkämpften Siedlung handelt es sich um die „Gärtner-Siedlung“, Paul-Gerhardt-Straße, die sich entlang der Lohe, Richtung Lohbrück/Groß-Mochbern/Muchobor-Wielki hinzog und im Verlauf der Kämpfe im wesentlichen zerstört wurde. Nach diesen heftigen Kämpfen zogen sich die restlichen deutschen Soldaten in Höhe der Lohe-Brücke im Dunkeln der Nacht auf die östliche Lohe-Seite, Richtung Schmiedefeld/Kuzniki zurück und kamen nach Breslau-Zimpel/Wroclaw-Sepolno in Ruhestellung.

Lagekarte Nr. 4 im Anhang des Buches: Ahlfen/Niehoff, So kämpfte Breslau
Dass sich die Kämpfe, wie eben erwähnt, am östlichen Ortsrand von Breslau-Neukirch-Wroclaw-Zerniki zur Lohe/Sleza hingezogen haben, zeigt die Lagekarte 4 als Beilage zum Buch von Ahlfen/Niehoff, „So kämpfte Breslau“ und vermittelt den zusätzlichen Hinweis, dass Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki am 18. 02. 1945 nicht vollständig bis zur Lohe-Linie eingenommen wurde. Nach der Lage-Karte 4 zu urteilen, war Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki bis zur Stettiner/Szccecinska-Einmündung Seidel/Rumanikowa-Straße besetzt. Auf dem Hintergrund dieser Gefechtslage wurde vermutlich noch einmal versucht, von dieser Ausgangslage aus das Zentrum von Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki (Katholische Kirche, Bäckerei Max Heidenreich), wo russische Pak-Geschütze auszumachen waren, mit einem Stoßtrupp des Regiments Hanf anzugreifen. Grundlage dieser Vermutung ist der Kriegsbericht von Hans-Joachim Herzog vom 22. 02. 1945 in der „Frontzeitung der Festung Breslau – Schlesische Tageszeitung“ mit der Titelüberschrift: „Der Oberst macht’s seinen Männern vor“, der eindeutig den Kampfhandlungen in Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki zuzuordnen ist. Unabhängig vom Bericht ist im höchsten Maße in Zweifel zu ziehen, dass ein hoher Führungsoffizier im Range eines Regimentskommandeurs unmittelbar in die Nahkämpfe eingreift bzw. einen Stoßtrupp führt. Ganz davon abgesehen, dass Oberst Göllnitz nachweislich bereits am 17.02.1945 das Regiment an Rittmeister Hanf übergeben hat. Vielmehr sollte der Bericht im Sinne der damaligen Propaganda die Kampfmoral der Truppe beeinflussen und stärken.
Quelle: Ahlfen/Niehoff, So kämpfte Breslau, Lage-Karte 4 im Anhang des Buches.

Frontzeitung der Festung Breslau – Schlesische Tageszeitung, 16. Jahrgang, Nr. 49, Donnerstag, 22. 02. 1945 und BrAp., Horst Gleiss, Bd. 2, S. 605/606.

Zur Frage der „Rückeroberung“ von Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki
Im Hinblick auf die wiederholt gestellte Frage der angeblichen „Rückeroberung“ von Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki seitens ehemaliger Bewohner von Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki, heißt es im Kriegsbericht von H.-J. Herzog: „ Es half nichts. Die Übermacht des Feindes war zu groß. Das Dorf konnte nicht gehalten werden. Nur unter Aufbietung aller Kräfte war das Regiment der drohenden Einkesselung entgangen. In der Nacht hatte der Feind die Ortschaft im Vorfeld der Festung Breslau besetzt. Vom Ostrand sollte am nächsten Tag nach Heranführung der angeforderten Verstärkung der Versuch unternommen werden, das Dorf vom Feind zu befreien“.

In einem Brief von Karl Langner an Traugott Wolf (Firma Wolf & Klante) vom 26. 05. 1946 heißt es: „Jetzt also zu Neukirch. Wie Du ja wissen wirst, hat Neukirch durch die Kämpfe schwer gelitten. Ein Drittel von Neukirch ist verbrannt. Neukirch hat mehrmals den Besitzer gewechselt“.

Quelle: Brief von Karl Langner an Traugott Wolf vom 26. 05. 1946, im Besitz von Brigitte Stoll, geb. Woff

Die von Karl Langner vermutete Rückeroberung hat auf Grund der bisherigen Ergebnisse der Kämpfe um Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki nicht stattgefunden. Womöglich, dass diese Vermutung mit den sich zwei/drei Tage hinziehenden Kampfhandlungen entlang der Lohe/Sleza in Zusammenhang zu bringen ist.

Hugo Hartung vermerkt in seinem Tagebucheintrag vom 21. Februar 1945: „Im Radio gibt es gute Meldungen. Neukirch ist zurückgewonnen worden und im Südpark wurde die Lage bereinigt“. Diese Radiomeldung ist eine eindeutig Falschmeldung.

Resümee
Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki wurde in der Nacht vom 17/18.02. zum 18.02.1945 vom 1.198. Schützenregiment der 359. Schützendivision angegriffen und auf der Linie Einmündung Stettiner/Szccezinska Seidelstraße/Rumiankowa nach schweren Infanterie-Kämpfen besetzt. Bis zum 22./23.02.1945 ergab sich vom östlichen Rand von Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki bis zur Lohe/Sleza hin eine Art Pufferzone mit nachfolgenden heftigen Kämpfen unter Einbeziehung der „Gärtner-Siedlung“, wie von Siegfried Kasper geschildert.
Vermutlich erfolgte am 21.02.1945 auf Basis der Gefechslage ein Stoßtrupp-Unternehmen des Regiments Hanf ins Ortszentrum von Neulirch/Zerniki. Demnach wurden zwei russische Pak-Geschütze vernichtet, wenn man dem Kriegsbericht glauben darf. Danach zog man sich wieder in die Ausgangslage an der Lohe/Sleza zurück. In den Gefechtsmeldungen des russischen Schützenregiments 1.198 vom 21./22.02.1945 fehlen Hinweise auf diese Kampfhandlungen.
Eine endgültige Bewertung des vermuteten Stoßtruppunternehmens ins Zentrum von Breslau-Neukirch/Wroclaw/Zerniki ist erst dann möglich, sobald eindeutige Quellen vorliegen. Ein
mit subjektiven Eindrücken gespickter Frontbericht der „Frontzeitung der Festung Breslau –Schlesische Tageszeitung“ kann die Eindeutigkeit einer Gefechtsmeldung der in die Kämpfe verwickelten Einheiten in keiner Weise ersetzen. Mehr und mehr ist zu bezweifeln, dass das vermutete Stoßtruppunternehmen überhaupt stattgefunden hat. Mehrere Indizien sprechen dagegen. In dem vorliegenden ausführlichen Bericht von Siegfried Kasper, Delmenhorst, gibt es keinerlei Hinweise darüber, dass ein derartiges Unternehmen stattgefunden hat. Da er zu dieser Zeit zu einer versprengten Pioniereinheit gehörte, die in schwere Kämpfe an der Lohe/Sleza verwickelt waren. Ein derartiges Unternehmen hätte sich unter den Wehrmachts-Soldaten herumgesprochen, wenn nicht gar die Resteinheit des Pionier-Bataillions in das Unternehmen einbezogen wurde. Wie bereits erwähnt sind in den drei vorliegenden Gefechtsmeldungen des 1198. russischen Schützenregiments keinerlei Hinweise auf die Aktion zu finden. In dem Buch von Ahlfen/Niehoff, So kämpfte Breslau, liegen keine Hinweise vor, dass Oberst Göllnitz dieses Unternehmen mit Bravour geführt hat. Auf Seite 46 des Buches wird die Version des Kriegsberichtes von Hans-Joachim Herzog vom 22.02. 1945 in der Frontzeitung der Festung Breslau unkritisch übernommen. Hingegen wird Leutnant Kohne für sein Husarenstück namentlich erwähnt. Leutnant Kohne hat die Weistritz-Brücke in Breslau-Lissa/Wroclaw-Lesnica mit Goliaths (mit Sprengstoff beladenes Kettenfahrzeug, funkgesteuert), vor den Augen der russischen Einheiten in die Luft gesprengt. Es muss in diesem Zusammenhang nachdenklich machen, dass ein untergeordneter Offizier im Range eines Leutnants von Ahlfen/Niehoff erwähnt wird, hingegen eine höhere Charge im Range eines Oberst keine namentliche Würdigung in dem Buch erfährt.

Die Rücknahme der Frontlinie am 23. 02. 1945 auf die Lohe-Linie
Die Frontlinie wurde am 23. 02. 1945 auf die „Lohe-Linie“ offiziell von der Festungskommandantur zurückgeklappt. Diese Linie wurde mehr oder weniger bis zum 31. 03. 1945 gehalten. Am 01. 04. 1945 erfolgte der russische Großangriff an der gesamten Westfront der Festung Breslau, in deren Verlauf am gleichen Tage der Flugplatz Breslau-Gandau/Wroclaw-Gadow eingenommen wurde.
Quelle: Br/Ap., Horst Gleiss, Bd. 7, S. 1573

Die Beschießung von Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki nach der Besetzung von Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki durch deutsche Flak 8,8 cm Geschütze
Eine Großkampfbatterie deutscher 8,8 Flak-Geschütze der Batterien 270/VIII und 285/VIII beschießt am 23. 02. 1945 aus der Position Höhenpunkt 113,5, Meßtischblatt, bei Breslau-Pilsnitz/Wroclaw-Pilczyce, auf freiem Gelände, Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki. Es blieb also nicht nur allein bei den schweren Infanterie-Kämpfen. Als Grund für die Beschießung wurde in der Morgenmeldung der Heeresgruppe Mitte vom 22. 02. 1945 angegeben: „An der Westfront im Raum Breslau-Neukirch, Schöngarten Artillerieaufmarsch des Feindes“.
Der Beschuss hat weitere schwere Schäden angerichtet. Der Verfasser des Abrisses war als Luftwaffenhelfer in der Flakbatterie 270/VIII eingesetzt.
Quelle: Br/Ap., Bd. VII, S. 1.458, Horst Gleis und Bericht Alfons Clemens , Deutsche Flak beschießt Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki, in Br/Ap., Horst Gleiss, Bd. 8 S. 200/201

Der Beschuss von Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki, wird von Hans-Jürgen Fehst, Leutnant in der Flakbatterie 285/VIII, bestätigt. „Die Batterie schoss bis zuletzt auf feindliche Truppenansammlungen in und vor Neukirch. Es war das letzte mal, dass es zu einem Großeinsatz und dem entsprechenden Munitionseinsatz kam.“
Der Beschuss erfolgte am 23. Feburar 1945
Quelle: Br./Ap. Horst Gleiss, Band 7, S. 1541

Tod und Zerstörung in Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki
Es gibt bisher keine gesicherten Erkenntnisse, wie viele Mitbürger während der Kämpfe und in der Folge ums Leben gekommen sind. Auch die materiellen Verluste an der Gebäudesubstanz bei den gewerblichen Betrieben, Bauernhöfen und öffentlichen Bauten konnten bisher in keinem Kataster erfasst werden. Die Quellenlage ist im höchsten Maße unbefriedigend. Nachfolgend wird der Versuch unternommen, bisher erschlossene Quellen aufzulisten, um sich ein vorläufiges Bild über Tod und Zerstörung zu verschaffen. In diesem Teil des Berichts wird an die Mitarbeit der noch lebenden Zeitzeugen appelliert, noch vorhandenes Wissen dem Verfasser des Berichts möglichst schriftlich mitzuteilen bzw. Dokumente leihweise zur Verfügung zu stellen.
Verluste der Zivilbevölkerung
Bisher vorliegenden Erkenntnissen zu Folge sind folgende Einwohner von Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki infolge kriegerischer Ereignisse und durch Gewalteinwirkung seitens russischer Soldaten zu Tode gekommen:

Paul Schumann, Pfarrer, Neukircher-Str. 247 erschossen im Pfarrhauskeller.

Alfons Laugwitz, Gastwirt Neukircher-Str. 223, erschossen.

Frau Sacher, zusammen mit Alfons Laugwitz erschossen.

Frl. G. Steiner Lehrerin, Czepkostr.11, tot aufgefunden, vermutlich durch Artilleriebeschuss

B. Gusinde, Neukircher-Str. 255, Kaufmann, bei einer Fahrt in die Innenstadt von Breslau nach Beendigung der Kämpfe um die Festung Breslau mit einem Pferdefuhrwerk, das von einem russischen Soldaten kutschiert wurde und auf eine Mine gefahren ist.

G. Pilz, Neukircher-Str. 178/180, Kaufmann, erschossen, als er auf ins Haus eindringende russische Soldaten zuging, um sie zu begrüßen, da er Nazigegner war.

Frau Reitzig, Bederkeweg 68 hat sich im Keller des Pfarrhauses das Leben genommen.

Herr Karl Reitzig, Bederkeweg 68 wurde im Keller des Pfarrhauses mit 91 Jahren von einem russischen Soldaten aus unerklärlichen Gründen erschossen.

Josef Jagusch, Neukircher-Str. 248, versuchte sich mit Kupferkalk im Keller des Pfarrhauses zu vergiften.

Richard Schüttler, Landwirt, Neukircher-Str. 190

Familie Schüttler ist bei den Kämpfen um Neukirch/Zerniki ums Leben gekommen. Die Umstände des Todes der Familie sind unbekannt. Die Familie hielt sich am 18.2.45 im Steinhaus, neben der Trafo-Station, in der Seidelstraße auf. Es handelt sich um folgende Familienmitglieder:

Richard Schüttler, Ella Schüttler, geb. Knuth, Friedel Schüttler, geboren 1923, Helmut Schüttler,, 10 Jahre alt, Norbert Schüttler, 6 Jahre alt

Bei der Suche nach den Toten auf dem Anwesen der Familie Schüttler, Neukircher-Str. 190, fand man bei späteren Grabungen eine Frauenleiche ohne Kopf. Man vermutet, dass es sich bei der Toten um Friedel Schüttler handelte, da man die Leiche an einer markanten Bluse zu erkennen glaubte, die sie zu dieser Zeit getragen hatte. Die Familie ist im Zeitraum 18./19. Februar 1945 ums Leben gekommen, was im Hinblick auf die Einnahme von Neukirch/Zerniki stimmig ist. Es ist zu vermuten, dass die Familie im Affekt von russischen Kampftruppen erschossen wurde.

Gustav Biegler und Ida Biegler, Neukircher-Str. 199

Zweifelsfrei hat das Ehepaar Biegler im Zusammenhang mit den Kämpfen um Neukirch/Zerniki ihr Leben verloren. Im Vertrauen darauf, dass ihr Alter sie vor Übergriffen schützen würde, wollten sie weder dem Rat der Mutter von Gerhard Biegler, noch dem ihrer Nichte Ursula Brucksch folgen und ihr Anwesen auch nur vorübergehend zu verlassen. Es ist zu vermuten, dass sie Übergriffen der Kampftruppen zum Opfer fielen. Das Haus der Familie Biegler ist bei einem Fliegerangriff durch Bomben bereits am 14. Februar 1945 vollständig zerstört worden.

Eidesstattliche Erklärung von Alfons Clemens, sen., vom 10. Sept. 1956
In einer eidestattlichen Erklärung vor dem Amtsgericht in Kirchhundem/Sauerland hat Alfons Clemens, sen., den Tod von August Münster, Reichsbahn-Pensionär, Breslau-Neukirch, Neukircher-Str. 248/250 erklärt, der bei einem Brand auf dem Heuboden eines Bauernhofes in Rathau, bei Kloster Leubus/Lubiaz, Kreis Wohlau/Wolow, am 22.02. 1945 ums Leben gekommen ist.

Wilhelm Fiegert, Friseurmeister, Neukircher-Str. 246, ist ebenfalls bei diesem Brand auf dem Heuboden in Rathau ums Leben gekommen, was in der eidesstattlichen Erklärung erwähnt wird.

Quelle: Eidesstattliche Erklärung von Alfons Clemens, sen., vom 10.09.1956
beim Amtsgericht Kirchundem/Sauerland, Kopie im Besitz von Alfons Clemens,

jun., und Ap./Br. Horst Gleiss, Bd. 8, S. 189-192

Hinweis zum Ort der Todesursache: Nach Beendigung der Kämpfe um Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki wurden aufgegriffene männliche zivile verdächtige Einwohner der Umgebung in einem Fußmarsch außerhalb des Kampfgebietes über die Oder-Brücke bei Auras/Uraz in Richtung Kloster Leubus/Lubiaz geführt. Danach wurden die Zivilgefangenen ins Lager Gleiwitz-Laband/Gliwice-Labedy transportiert. Zeitpunkt des Transportes nach Gleiwitz-Laband/Gliwice-Labedy unbekannt.



Gebäudeverluste, Wohnhäuser, landwirtschaftliche Anwesen, Gewerbebetriebe, Geschäfte, öffentliche Bauten

Der Kirchturm brennt
„An unserer Bahnlinienstellung kommen auf der Landstraße Flüchtlingszüge vorüber. Es sind die Bewohner der geräumten Vororte Schmiedefeld und Neukirch. Der Kirchturm von Neukirch brennt wie eine Fackel und die Brände im Südwesten der Stadt dehnen sich aus. Auch die Gärtnerhäuser, in denen wir noch gestern Quartier bezogen hatten, stehen jetzt in hellen Flammen“.
Quelle: Hugo Hartung 1956, S. 77. Tagebuchaufzeichnung vom 17. 2. 1945 und Br./Ap., Bd. 7, S. 1319, Horst Gleiss, mit den „Gärtnerhäusern“ ist die „Gärtner-Siedlung“ gemeint.

Katholische Pfarrkirche St. Laurentius und St. Margaretha
„1945 wurde die Kirche zu 75 % zerstört. In den Jahren 1947-1950 wiederaufgebaut, jedoch ohne die Anbauten aus dem 19. Jahrhundert“.
Quelle: Atlas Architektury Wroclawia, tom 1, Wroclaw 1997

„Die Bausubstanz der Kirche hat durch die Kämpfe sehr gelitten. Die Kirche, die der heiligen St. Margaretha und dem heiligen St. Laurentius gewidmet ist, war mehr oder weniger eine Ruine. Der Zerstörungsgrad der Kirche wurde auf 80 % geschätzt.
Quelle: Antkowiak, Z., Koscioly Wroclawia, Wroclaw 1991, S. 107, in poln. Sprache
Übersetzung aus dem Polnischen.

Die katholische Schule durch Luftmine schwer beschädigt, Schulstraße/Przedina 93
„Etwa vier Wochen nach Kriegsende durften wir wieder nach Neukirch. ....Das Dach der Schule, die ja noch neu, aber durch eine Luftmine so stark zerstört war, dass sie nicht mehr reparierbar war, haben wir abgedeckt und die Latten und Balken zur Reparatur anderer Dächer benutzt. In der Pfarrscheune hatte die Organisation Todt (militärischer Bautrupp) ein Materiallager mit Tonrohren, Dachpappe, Ornament- und Drahtglas eingerichtet. Das war für uns gerade das Notwendigste, was wir brauchten. Im Marienstift wurde im Hochparterre
(früher Kindergarten) die Kapelle eingerichtet. Die Kirche selbst war zu sehr zerstört, als dass die hätte genutzt werden können“.
Quelle: Bericht von Bernhard Roßdeutscher, Bericht ohne Datum

Evangelische Schule in der Schulstrasse/Przednia 75 durch Brand zerstört.
Es gibt noch keine absolut gesicherten Erkenntnisse über die Zerstörung der Evangelischen Schule. Aufgrund einer mündlichen Mitteilung ist die Evangelische Schule im Juni 1945 durch Brandstiftung zum Opfer gefallen. Inwieweit vorher bereits Beschädigungen durch die
Kampfhandlungen und Beschießungen vorlagen ist unbekannt. Als Ursache der Brandstiftung wird vermutet, dass herumstreunende Jugendliche, die die Schule durchsuchten
und dabei die SA-Uniform des Hauptlehrers R. Klose fanden, der eine Dienstwohnung im Schulgebäude bewohnte. Die Uniform wurde demonstrativ an der Außenfassade der Schule zur Schau gestellt. Der mündlichen Aussage zu Folge wurde daraufhin von russischen Soldaten aus Wut darüber die Schule in Brand gesteckt.
Quelle: Mündliche Aussage von Marianne Ristau, geb. Hertrampf vom 26. 08. 2012 auf der Busfahrt nach Breslau und neuerlichem Anruf von Heinze Hantke, der bestätigte, dass ein Freund von ihm aus der „Negersiedlung“ die Schule mit anderen Jugendlichen „durchstöberte“.

Gut der Marien-Schwestern zerstört
„Das Gut der Marien-Schwestern in Neukirch, ein Mustergut, ist vollständig vernichtet. In der Scheune hatte jemand Munition verborgen, was von einem übergelaufenen Volkssturmmann verraten wurde“.
Quelle: Stefania Bauchwowitz, Bericht vom 13. 3. 1945, Br/Ap., S. 545, Bd. 8, Horst Gleiss

Die Marien-Schwestern flüchten aus Neukirch/Zerniki
„Die Zahl der Schwestern vermehrte sich; denn am 6. März kamen die Schwester Oberin Bonaventura, Schwester Aurelia und Schwester Joela vom Gut Breslau-Neukirch und Schwester Oberin Irene, Ursula, Liguoria, Ernestine usw. aus dem Stift Breslau-Neukirch ins Mutterhaus; sie mussten vor den Russen flüchten; Scheune und Stallungen brannten schon. In
der Nacht trafen sie im Mutterhaus ein mit dem, was sie auf dem Leibe hatten“.
Quelle: Josef Schweter, 1981, S. 700-701, Br,/Ap., S. 364, Bd. 8, Horst Gleiss
Bemerkung des Verfassers: Bei der Erwähnung des Fluchtdatums vom 6. März muss es sich um ein Irrtum von J. Schweter handeln, zumal zu diesem Zeitpunkt die Schwestern die Frontlinie hätten überschreiten müssen, die sich zu diesem Zeitpunkt entlang der Lohe/Sleza befand. Dem Ablauf der Kämpfe folgend, müsste die Flucht bereits am 17./18. Februar l945 erfolgt sein.

Brief von Karl Langer an Traugott Wolf vom 26.05.1946
„Das Gelände von Deiner Fabrik war die erste Widerstandslinie von Westen her. Die Hallen haben dadurch gelitten. Der Giebel, wo die Mastenformen stehen – ist stark beschädigt – aber das ließe sich leicht ausbessern. Der Giebel, wo das Büro untergebracht ist, ist fast ganz eingestürzt. Dein Wohnhaus ist an der Süd- und Westseite stark zerschossen. Die Flachwerke (Dachziegeln) sind durch den Luftdruck zum großen Teil heruntergefallen, sodass das Wetter den Schaden dauernd vergrößert. Das Dachgebälk ist bis auf geringe Schäden noch ganz gut. Von Möbeln ist so gut wie nichts mehr vorhanden. Diese sind schon von den Soldaten in die Stellungen geschleppt worden. Sämtliche Betten von Neukirch liegen verfault in den Unterständen und Schützengräben“.
Quelle: Brief von Karl Langer an Traugott Wolf vom 26.05.1946, im Besitz von Brigitte
Stoll, geb. Wolf, 26725 Emden. Das Betonwerk Wolf & Klante befand sich in der Banater-Str. 47, das Wohnhaus der Familie Wolf, Banater-Str. 45

Volltreffer in den Schüttboden Schwesterngut Neukirch/Zerniki
„Am 16. Februar schlug ein Volltreffer in den Schüttboden, wobei ein Soldat getötet wurde. Bei einem weiteren Angriff ging ein Volltreffer vor dem Hause nieder. Dabei verlor die ganze Häuserfront die Fensterscheiben und mußten 2 Soldaten ihr Leben lassen“.
Quelle: Joseph Schweter, 1981, S. 709, Br./Ap., Bd. 7, S. 1281, Horst Gleiss

Die Scheune des Gutes Neukirch/Zerniki brennt ab
„Tags darauf, am 17. 2., schlug wieder ein Volltreffer in die Scheune ein und zwar über dem Luftschutzkeller, so dass die Eisenträger sich bogen und der Putz von der Betondecke löste. Nur wie durch ein Wunder blieben die Schwestern unversehrt. Bei einem weiteren schweren Beschuss fing die Scheune Feuer und brannte in kurzer Zeit nieder. Die Leute und die Schwestern flüchteten aus dem Luftschutzkeller und gingen ins St. Marienstift daselbst, aber auch hier konnten sie nicht bleiben, weil das Haus durch eine Luftmine sehr stark beschädigt war; alle Fenster und Türen waren herausgerissen. Sie machten sich nun auf und gingen unter schwerem Beschuss zu Fuß nach Breslau ins Mutterhaus, wo sie abends ½ 10 Uhr ankamen“
Quelle: Joseph Schweter, 1981, S. 709, Br./Ap., Bd. 7,S. 1321, Horst Gleiss

Freigut mit schweren Gebäudeschäden
Das Freigut (Dominium) in Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki ist stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Guts-Haus ist nicht mehr vorhanden

Großbauernhof E. Seidel
Der Grossbauernhof Seidel, Gnadenberger-Str/Objazdowa 54/56 wurde durch die Kämpfe zerstört. Das Wohnhaus ist ausgebrannt. Die Stallgebäude wurden zerstört.

Molkerei Brückner
Das Wohnhaus der Molkerei Brückner, Gnadenbergerstr./Objazdowa 30 erhielt einen Artillerietreffer in den Dachstuhl, der beschädigt wurde.
Quelle: Mündliche Aussage von Günther Brückner, vom 26. 8. 2012 auf der Busfahrt nach Breslau

Wohnhaus von Gustav und Ida Biegler zerstört
Das Wohnhaus der Familie Biegler wurde offensichtlich bereits beim Luftangriff am 14. Februar 1945 auf Neukirch/Zerniki total zerstört.
Quelle: Aussage Gerhard Biegler

Wohnhaus der Familie Emma, geb. Clemens und Karl Kler, Neukircher-Str. 266, Ecke Gnadenbergerstraße offensichtlich während der Kämpfe zerstört. Ebenso das Nachbarhaus der Familie Roßdeutscher, Neukircher-Str. 268.
Quelle: Aussage von Alfons Clemens

Das Gutshaus des Freiguts, Neukircher-Str.280/290 war nach Aussage von Brigitte Kloppe, geborene Köhler durch die Kämpfe beschädigt worden. In der Nacht vom 17.02./ 18.02.1945 suchten Einwohner Schutz im Keller des Gutshauses. Wann das beschädigte Gutshaus abgerissen wurde, ist unbekannt.
Quelle: Mündliche Aussage von Brigitte Kloppe nach Telefonat mit Helga Kellner vom 12.03. 2013.



Sonstige Begebenheiten im Vorfeld der Kämpfe um Breslau-Neukirch

27.01.1945 in Breslau-Neukirch
„Am 27. Januar bekamen die meisten Marien-Schwestern den Befehl, auf dem schnellsten Wege zu räumen. Nur einige Schwestern durften bleiben für Militärverpflegung. Die anderen fuhren in unsere Niederlassungen auf dem Lande. Die Waisenkinder wurden aus dem Stift mit 2 Schwestern bei der Evakuierung zunächst nach Heinrichau zu unseren Schwestern geschickt, und als auch Heinrichau in Gefahr war, siedelten sie nach Gabersdorf, Krs. Glatz (über Wartha) zu unseren Schwestern über, wo sie bis heute (15. 8. 1945) noch sind. Sobald die Bahnverbindung nach Breslau hergestellt war, kehrten die Kinder aus Gabersdorf wieder nach Breslau-Neukirch zurück.“
Quelle: Joseph Schweter, 1981, S. 709, Br./Ap., Bd. 7, S. 587, Horst Gleiss

08.02.1945 Breslau-Neukirch Gut – Letzte Messe der Marien-Schwestern
„Am 8. Feburar war die letzte hl. Messe auf dem Gut Neukirch; dann wurde das Allerheiligste in das St. Marienstift hinübergetragen. Binnen einer Woche wurden sämtlich Mastschweine und Kälber von unserem Militär weggeschlachtet. Die Kühe mußte das Personal zum Schlachthof nach Breslau bringen. Fuhrwerke mit Gespann mußten die Schwestern fürs Zufahren von Munition und Verwundeten-Transporte stellen“,

Quelle: Joseph Schweter, 1981, S. 709, Br./Ap.,Bd. 7, S. 961, Horst Gleiss

19.02.1945 Russische Feldbäckerei in der Schillermühle
„Nach der Einnahme von Breslau-Neukirch durch Truppen der Roten Armee wurde Agnes Roßdeutscher aus Breslau-Neukirch von den Eroberern aus der Kampfzone in die Schillermühle verbracht. Hier musste sie von März bis Juli 1945 als Hilfskraft in einer russischen Feldbäckerei arbeiten“.
Quelle: Agnes Roßdeutscher 1983, mündl. Mitt. an den Verfasser Horst Gleiss auf dem Schlesiertag in Hannover, Br./Ap., Bd. 7, S. 1371, Horst Gleiss
Bemerkung des Verfassers: Richtig ist, dass Agnes Roßdeutscher zusammen mit anderen Neukircher und Kaltascher Einwohnern nach Schillermühle verbracht wurden. Dort befand sich aber keine Soldatenbäckerei. Vielmehr wurde sie zusammen mit ihrem Vater und Bruder
Bernhard am 28.02.1945 von Arnoldsmühle zur Soldatenbäckerei nach Breslau-Lissa verbracht.
Telefonische Aussage vom 06.11.2012 von Bernhard Roßdeutscher.

30.05.1945 Die Marienschwester kehren nach Breslau-Neukirch zurück
„Am 30. Mai 1945 gingen einige Schwestern aus dem Gut Neukirch wieder zurück, um die Felder nachzusehen. Sie konnten nur etwas Kartoffeln stecken, weil sie kein Pferd und keine Ackergeräte hatten. Im Gute waren noch die Russen und so blieben sie im Marienstift und
gingen von hier aus zur Arbeit aufs Feld. Im Gute war kein einziges Pferd, keine Kuh, kein einziges Schwein, keine Henne, also rein nichts. Man borgte den Schwestern ein Pferd, damit sie etwas bebauen konnten“.
Quelle: Joseph Schweter, 1981, S. 710, Br./Ap., Bd. 5, S. 1033, Horst Gleiss

Nachwort des Verfassers
Der Verfasser des Abrisses der Kämpfe um Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki hat den Versuch unternommen, auf der Grundlage bisher vorliegender Quellen und mündlicher Hinweise, eine Darstellung der Kämpfe um Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki zu vermitteln. Ich bin mir bewusst, dass nur ein Teil an Informationen erschlossen werden konnte. Insofern wäre es von allgemeinen Interesse, weitere Hinweise und Dokumente von
Zeitzeugen oder deren Nachkommen zu erhalten, um ein möglichst umfassendes Bild über die
Kämpfe und sonstigen im Zusammenhang mit den Kämpfen stehenden Ereignissen in
Breslau-Neukirch/Wroclaw-Zerniki zu bekommen. Für jeden Hinweis bin ich dankbar. Schließlich habe ich mich entschlossen, den deutschen Ortsbezeichnungen zur besseren
Orientierung für die polnischen Leser des Abrisses auch die heutigen polnischen
Ortsbezeichnungen hinzugefügt.

Endfassung des Abrisses vom 22. 03. 2013, berichtigt und ergänzt

© Alfons Clemens, Höher Heide 7, 42699 Solingen

Die Arbeit wurde mir von der Familie zur Veröffentlichung überlassen. Dafür mein Dank


Verfahren nach 1945

NS-Archiv des MfS, Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt
Obj. 14 ZA 56/2796
Ermittlungsverfahren (nach SMAD-Befehl 201; Kontrollrats-Gesetz Nr. 10; Kontrollrats-Direktiven Nr. 24 und Nr. 38) gegen den kaufmännischen Angestellten und ehemaligen Stadtinspektor in Breslau Reinhold Bassitta, geb. 12.01.1900, wegen Beteiligung an Verhaftungen von politischen Gegnern und wegen politischer Tätigkeiten


Namensliste

Pick Else
* 09.10.1910 Breslau (Wrocław)
Dresden
Sachsen, Direktionsbezirk Dresden, Kreisfreie Stadt Dresden
.
Deportiert 02.03.1943 ab Paderborn - Hannover - Erfurt – Dresden- Vernichtungslager Auschwitz Birkenau
zugestiegen 02. März 1943 abends Güterbahnhof Dresden-Neustadt