Thälmann Ernst

* 16.04.1886

geb.Ort
Hamburg-Altona

Wohnort
Berlin, Lützower Straße 9

1924 bis 1933
Mitglied des Reichstages der Weimarer Republik

1925 bis 1933
Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD)

1925 und 1932
Kandidat für die Reichspräsidentenwahlen

verhaftet
03.03.1933
Berlin, Lützower Straße 9

inhaftiert
Zuchthaus Bautzen I (Flügel I zweiter Stock Zelle 11)

deportiert
17.08.1944 Zuchthaus Bautzen - Konzentrationslager Buchenwald

+ 18.08.1944 Konzentrationslager Buchenwald

Bericht
Am Abend des 17.08.1944 wird der am 16.04.1886 in
Hamburg-Altona geborene Kommunistenführer und zuletzt in Berlin, Lützower Straße 9 (hier war er am 03.03.1933 verhaftet worden) wohnende Thälmann Ernst (Fritz Johannes) in Begleitung von drei Männern in Ledermänteln und ein vierter mit Glatze mit einem PKW vom Zuchthaus Bautzen I (Flügel I zweiter Stock Zelle 11) ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Die Kontrolle am Lagertor ging schnell vonstatten, die späten Besucher waren erwartet worden. Nach kurzer Fahrt am Stacheldraht entlang kurvte das Fahrzeug auf einen von Scheinwerfern ausgestrahlten Hof und hielt vor einem ziegelgedeckten Haus mit viereckig gemauertem Schornstein: dem Lagerkrematorium. Neun SS-Männer standen empfangsbereit. Sie sahen zu, wie der Wagenschlag geöffnet wurde, wie die Leute mit den Ledermänteln den Glatzkopf in die Mitte nahmen und die Treppe zum Krematorium-Keller hinunterführten. Die SS-Leute drängten nach. In diesem Augenblick fielen zwei oder drei Schüsse, nach wenigen Minuten knallte es ein weiteres Mal.

Keine halbe Stunde später erloschen im Krematorium die Lichter, und die SS-Männer verließen den Hof.


Die Nachrichtenagentur DNB (Deutsches Nachrichtenbüro) verbreitete am 14. September 1944 eine Meldung folgenden Wortlauts: „Bei einem Terrorangriff auf die Umgebung Weimars am 28. August wurde auch das Konzentrationslager Buchenwald von zahlreichen Sprengbomben getroffen. Unter dem ums Leben gekommenen Häftlingen befinden sich unter anderen die ehemaligen Reichstagsabgeordneten Breitscheid und Thälmann.“

Diese Nazimeldung war am Tag darauf als Lüge entlarvt worden. Der Londoner Rundfunk berichtete über eine Erklärung des britischen Luftfahrtministeriums welches richtiggestellt hatte:
„An dem fraglichen Tag (28. August 1944) war kein Flugzeug in der Nähe des Konzentrationslagers Buchenwald. In diesem Raum wurde keine -Bombe geworfen.“ Ein Bombenangriff im Raum Weimar war nicht - wie die Nazis gemeldet hatten - am 28.. sondern am 24. August erfolgt. Dieser richtete sich nicht gegen das Konzentrationslager Buchenwald, sondern gegen die Produktionsanlagen der Gustloffwerke, einen Rüstungsbetrieb im Umfeld des KZ Buchenwald. Dabei war der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete, Rudolf Breitscheid ums Leben gekommen. Er war außerhalb der Stacheldrahtumzäunung des KZ Buchenwald - ohne Möglichkeit, sich in Sicherheit zu bringen - mit seiner Frau von der SS in einer Baracke gefangen gehalten.)

Ernst Thälmann war niemals Häftling im KZ Buchenwald. Bis er dort von der SS ermordet wurde war er seit dem 3. März 1933 insgesamt 11 1/2 Jahre in verschiedenen Haftanstalten zuletzt in Bautzen eingesperrt. Am 14. August 1944 beriet der Reichsführer der SS Heinrich Himmler mit Adolf Hitler unter anderem auch über das Schicksal Ernst Thälmanns. Ein Notizzettel von dieser Beratung zeigt neben dem Namen Ernst Thälmann den Vermerk: „ist zu exekutieren“ (Den vollständigen Notizzettel, den sie beim Einmarsch in Deutschland gefunden hatten, übergaben die USA im Jahre 1967 dem Archiv der Bundesrepublik Deutschland in Koblenz.) Drei Tage darauf, in der Nacht vom 17. zum 18.August 1944 ist Ernst Thälmann im KZ Buchenwald von einem SS - Kommando ermordet worden. Dafür gibt es gerichtsbekannte Zeugen:
“Im April 1947 gab im Internierungslager Dachau, wo das US-Militärgericht tagte, der ehemalige polnische Häftling Marian Zgoda, der im Krematorium des KZ beschäftigt war, zu Protokoll: Am 17. August 1944 war dem SS-Oberscharführer Warnstedt telefonisch die Anweisung übermittelt worden, die Verbrennungsöfen anheizen zu lassen. Trotz Verbots versteckte sich Zgoda hinter einem Schlackehaufen, um zu erfahren, was die ungewöhnlichen Vorbereitungen der SS bedeuteten. Gegen Mitternacht kamen acht SS-Leute ins Krematorium, die Zgoda alle namentlich nennt, darunter Stabsscharführer Wolfgang Otto, Angehöriger des „Kommando 99“ genannten ständigen Exekutionskommandos, und Oberscharführer Werner Berger. Etwa zehn Minuten später wurde ein breitschultriger Zivilist in einem Auto in den Vorhof des Krematoriums gefahren; Zgoda fiel besonders auf, daß dieser Mann keine Haare hatte. Im selben Augenblick, da der Gefangene die Türe passiert hatte, wurde er durch drei Schüsse von hinten niedergestreckt, anschließend wurde er durch einen vierten Schuß endgültig getötet.

Als die Mörder das Krematorium verließen, hörte Zgoda den Rapportführer Hofschulte zu Otto sagen: „Weißt du, wer das war?“ Darauf Otto: „Das war der Kommunistenführer Thälmann.“ Dieses Aussageprotokoll Zgodas wurde u.a. in der „Rhein- Neckar-Zeitung“ am 26. April 1947 veröffentlicht. Auf die Aussage Zgodas hin erfolgte - nichts.”)

“Dann gab es noch den Zeugen Zbigniew -Fuchs, der aus Polen anreiste und In höchst eindrucksvoller Weise über seine Erlebnisse In der Mordnacht berichtete. Er hatte, ebenso wie Zgoda, zu dem Leichenträgerkommando gehört, das am Abend des 17. August 1944 In der Unterkunft neben dem Krematorium eingeschlossen worden war, damit es für die „Sonderaktion“, die Ermordung Thälmanns, keine Zeugen gab.
Er schilderte die Vorbereitungen der SS für die Sonderaktion und die akustischen Wahrnehmungen während der Nacht, aus denen zu entnehmen war, daß ein Mensch aus einem Auto gebracht und im Eingang des Krematoriums erschossen und anschließend verbrannt wurde. Er berichtete weiter von den Ereignissen am folgenden Morgen, als die Mitglieder des Leichenträgerkommandos die Asche der verbrannten Leiche aus dem Ofen holen mußten und von dem Kapo Müller erfuhren, daß es sich um Thälmann gehandelt hatte. Fuchs zeigte dem Gericht bei einem Ortstermin In Buchenwald auch die Stellen an der Wand, wo die Kugeln eingeschlagen waren, die Thälmann getötet hatten.
Wir alle, die wir an dem Ortstermin In Buchenwald teilgenommen haben, sind tief beeindruckt zurückgekommen. Vielleicht waren wir die letzten, die von einem Augenzeugen der grauenvollen SS-Verbrechen einen Bericht an Ort und Stelle erhielten, der so konkrete Einzelheiten enthielt.")

In der Moskauer Zeitung „Prawda“ erschien am 17. September 1944 ein von führenden deutschen Kommunisten unterzeichneter Artikel. Darin heißt es u.a.: "Den faschistischen Gangstern werden wir die Ermordung des Führers der Kommunistischen Partei Deutschlands nicht vergessen! Uns, alle, die deutschen Antifaschisten, ruft der Tod Ernst Thälmanns nochmals nachdrücklichst zum Kampf, zum schonungslosen Kampf für die schnellste Vernichtung des Feindes der ganzen Menschheit und des deutschen Volkes des Hitlerfaschismus.“)