Auschwitz

Mit diesem Transport Nu. 11 (D 901-6) werden insgesamt 1000 Juden aus Drancy ins KL Auschwitz deportiert. Bei ihrer Ankunft in Auschwitz am 29. Juli 1942 wurden alle Deportierten zur Sklavenarbeit selektiert. Den Männern wurden die Nummern 53829-54076 eintätowiert, den Frauen die Nummern 12340-13081. Laut dem Historiker Serge Klarsfeld gab es 1945 13 Überlebende dieses Transports.

Bericht

Die große Mehrheit der am 27. Juli nach Auschwitz-Birkenau deportierten Juden gehörte zu den kinderlosen Juden, die am 16. Juli verhaftet und nach Drancy verfrachtet worden waren. Zusätzlich wurden noch 62 Juden aus dem Lager Tourelles in Paris geholt; weitere 43 waren mit einem Transport am 24. Juli von Chalons-sur-Marne und 81 bereits am 23. Juli mit einem Transport von Nancy nach Drancy transferiert worden.

Am 20. Juli schickte Röthke an André Tulard, den Leiter der Judenkartei in der Pariser Polizeipräfektur, Direktiven hinsichtlich der nächsten Transporte, die von der Bahnstation Le Bourget-Drancy abfahren sollten, einschließlich des für den 27. Juli angesetzten Transports. Er listete die Gegenstände auf, die jeder Deportierte mit sich führen sollte, darunter für die Arbeit geeignete Stiefel und Arbeitskluft, außerdem Bettzeug sowie einen Essnapf, einen Becher und einen Löffel. Diese Maßnahme wurde ergriffen, um die Illusion eines Arbeitseinsatzes der Juden aufrechtzuerhalten und ihr wirkliches Ziel zu verschleiern. Röthke bestätigte, dass die Juden vor der Abfahrt gründlich zu untersuchen seien und ein Sonderwaggon mit Lebensmitteln für 15 Tage bereitzustellen sei. Pro Waggon sollte ein Deportierter zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zur Reinigung am Ende der Reise ernannt werden. Die französische Gendarmerie sollte für einen Begleitschutz von einem Offizier und 30 Männern sorgen, ein Offizier und neun Männer würden von der deutschen Feldgendarmerie abgestellt.

Am 27. Juli 1942 bestätigte Röthke die Abfahrt des Transports D 901-6 von der Bahnstation Bourget-Drancy nach Auschwitz am selben Tag um 10:30 Uhr mit insgesamt 1000 Juden an Bord.

Die französische Gendarmerie und ein kleines Kontingent der Feldgendarmerie bewachten den Zug bis zur Grenze in Novéant. An diesem Punkt übernahm die Ordnungspolizei die Überwachung.

Während die Waggons aus Deutschland stammten, wurde die Lokomotive des Zugs von der Staatlichen Eisenbahngesellschaft Frankreichs (SNCF) zur Verfügung gestellt; SNCF-Personal begleitete den Zug bis zur Grenze in Novéant (Neuburg). Dies ist von dem SNCF-Historiker Christian Bachelier bestätigt worden. An der französisch-deutschen Grenze wurden die französische Lokomotive und das französische Personal durch Reichsbahnmitarbeiter und deutsche Technik ersetzt.

Einer Deportierten gelang es, einen Brief zu schreiben und vor der Überquerung der französisch-deutschen Grenze aus dem Zug zu werfen. Der Brief war an den Pförtner ihres Hauses adressiert, dem sie ihre Kinder anvertraut hatte: „Ich weiß nicht, ob dieser Brief Sie erreichen wird. Wir sind in einem Viehwaggon. Sie haben alles genommen, selbst die einfachsten Toilettenartikel. Für eine dreitätige Reise haben wir kaum Brot und nur Tropfen von Wasser. Wir erleichtern uns offen auf dem Boden, Männer und Frauen. Unter uns ist eine tote Frau. Als sie qualvolle Schmerzen hatte, rief ich um Hilfe, in der Hoffnung, sie könnte vielleicht gerettet werden. Aber die Waggons waren verplombt und es gab keine Hilfe für sie. Und jetzt müssen wir den Verwesungsgeruch ertragen. Wir werden mit Schlägen und Schüssen bedroht. Meine Schwester und ich machen uns gegenseitig Mut und haben immer noch Hoffnung. Ich umarme Euch, meine Kinder, Familie und Freunde. Sarah.“

Namensliste von Opfer

Ehrenberg Ida Lina
* 25.05.1916 in Karlsruhe
ledig
Beruf: Kindergärtnerin, Verkäuferin
Wohnort: bis 1933:Karlsruhe Schützenstr. 30, 1933-1939: Adlerstr. 36
Emigration: 11.07.1939 nach Frankreich, Paris
16.07.1942 bei Razzia in Frankreich verhaftet
Deportation: 27.07.1942 von Drancy nach Auschwitz
+ 27.09.1942 in Auschwitz

Die Mutter Mathilde war 1950 ihren ältesten beiden Söhnen nach Israel gefolgt, von wo sie einen Wiedergutmachungsantrag für den Tod ihrer Tochter Ida Lina stellte. Anerkannt wurden 33 Monate und 23 Tage Haft. (16. Juli 1942 bis 8. Mai 1945). Weder konnten bei der jüdischen Gemeinde Unterlagen, noch bei der Rentenversicherungsanstalt ein Beitragskonto ermittelt werden, aus dem ihre Qualifikation als Kinderpflegerin hervorgegangen wäre. Darum erfolgte später eine Einstufung lediglich als Haushaltshilfe mit einem Wochenverdienst von zwölf Reichsmark. Als Entschädigung wegen ,,Schadens im beruflichen Fortkommen“ sollte der Mutter als Alleinerbin 2.704 ,- DM ausbezahlt werden.
Die Bewilligung des Antrages zog sich so in die Länge, dass Mathilde die Auszahlung nicht mehr selbst erhielt, das Geld bekamen später die Brüder Ida Linas. Mathilde Ehrenberg war kurz zuvor – am 12. September 1959 – verarmt in Tel Aviv gestorben.


Die Geschwister Edith Vogel (Bad Kreuznach 10.9.1922) und Günter Vogel (Bad Kreuznach 6.6.1924) hielten sich 1942 in Nancy in Frankreich auf. Sie wurden am 27. Juli 1942 mit Transport Nummer 11 aus Drancy nach Auschwitz deportiert. Vierzehn Tage nach Vollendung ihres 20. Lebensjahres starb Edith Vogel am 24. September 1942 um 18 Uhr. Ihr Tod wurde unter der laufenden Sterbenummer 32571/1942 registriert, und als Todesursache hat der Lagerarzt Dr. Meyer „Akuter Magen- und Darmkatarrh“ angegeben. Günter Vogel war im 19. Lebensjahr, als er am 12. Oktober 1942 um 19.45 Uhr starb. Dieser Todesfall steht unter der laufenden Sterbenummer 35587/1942 im „Sterbebuch“. Die vom Lagerarzt Dr. Kremer angegebene Todesursache war „Sepsis bei Pneumonie“.

Therese Schwebel
* 22.07.1902 in Wien
+ 08.09.1942
Deportation

Greta Hirsch
* 15.08.1904 in Wien
+ 17.08.1942

Berthe Klein
* 22.03.1903 in Brody