Zamosc

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Polen, Woiwodschaft Lublin, Kreisfreie Stadt Zamosc

Zamość ist eine Stadt in der Woiwodschaft Lublin im südöstlichen Teil Polens rund 240 km südöstlich der Hauptstadt Warschau und 110 km nordwestlich der ukrainischen Stadt Lemberg in der Landschaft Roztocze gelegen.

Die Stadt wurde ab 1578 nach den Vorstellungen des venezianischen Baumeisters Bernardo Morando im Stil der italienischen Renaissance erbaut, was ihr den Namen Padua des Nordens einbrachte. Die Altstadt gehört seit 1992 zum Weltkulturerbe der UNESCO.


Nationalsozialismus

Im Zweiten Weltkrieg gehörte die Region als Protektorat zum deutschen Generalgouvernement, das im besetzten Polen errichtet wurde. Kreishauptmann war in dieser Zeit ein Helmut Weihenmaier. Fast die gesamte jüdische Bevölkerung kam in der Nazizeit in Ghettos, Vernichtungslagern oder durch Erschießungen um, viele starben auch durch Hunger oder Krankheiten, denn die Zustände in den Ghettos und im Generalgouvernement in Allgemeinen waren unmenschlich. Durch deutsche Siedler sollte die polnische Mehrheit germanisiert werden, wobei die Stadt in den Planungen den Namen Himmlerstadt, später auch Pflugstadt trug (Aktion Zamosc). 1944 wurde die Stadt schließlich von der Roten Armee erobert und die Region war seit 1945 Grenzgebiet zur Sowjetunion, heute zur Ukraine.


Ghetto

Eröffnung
01.03.1942

Liquidierung
01.10.1942

Deportationen
Ab dem 11.04.1942 nach Izbica und Belzec; Am 5. Februar 1943 kam ein Transport mit 417 Juden aus Zamosc in Auschwitz an.

Einsatz der Häftlinge bei

Art der Arbeit

Namensliste der Opfer


01.05.1942

Am 01.05.1942 erreicht ein Sonderzug mit 1000 Personen überwiegend jüdischen Glaubens Zamosc bei Lublin. Der Zug hat Dortmund am 27.04.1942 verlassen. Die Opfer hatte man zunächst in die Turnhalle des Sportvereins Eintracht am Dortmunder Rheinlanddamm verbracht. In diesem Sammellager wurde zentral für den Regierungsbezirk Arnsberg ein etwa 1.000 Personen umfassender Transport zusammengestellt
Einer der Täter der an der Vorbereitung und Organisation dieses Transportes beteiligt war, war der Kriminal-Assistent und SS-Hauptscharführer Walter Claussen. Als Beamter des Außenpostens Hohenlimburg der Kriminalpolizei Dortmund war er auch als örtlicher Sachbearbeiter für die Gestapo tätig. Im April 1945 erhängte sich Claussen in einer Zelle des Polizeigefängnisses in Hohenlimburg. Er war von den US-amerikanischen Truppen inhaftiert worden.


15.11.1942

Die letzte Deportation fand am 15. November 1942 statt. Ihr fielen die restlichen Juden von Zamosc zum Opfer. Von diesen Geschehnissen berichtet der einzige Überlebende aus Belzec, Rudolf Reder: Nach der Ankunft mussten sich alle Teilnehmer - Männer, Frauen sowie Kinder - trotz Kälte, Schnee und Schlamm nackt ausziehen, worauf sie alle mit Ausnahme des Vizevorsitzenden der Jüdischen Gemeinde von Zamosc, Szeps, sofort getötet wurden. Szeps hingegen wurde sieben Stunden lang mit Stahlruten ins Gesicht geschlagen, wobei er tanzen und springen musste. Obwohl er blutüberströmt war, gab er keinen Laut von sich. Erst am Abend jagte ihn ein SS-Mann namens Schmidt auf ein Grab, schoss ihn in den Kopf und stieß ihn auf einen Haufen vergaster Leichen. Die herumstehenden SS-Männer begleiteten das grausame Ritual mit wilden Rufen wie: Das ist eine höhere Person, dieser Präsident des Judenrates. Leo Seidemann stirbt im Alter von 59 Jahren, seine Frau wäre am 29.01.1943 58 Jahre alt geworden. Die Ehe ist kinderlos geblieben.


Aktion Zamosc

In der Nacht vom 27. auf 28. November 1942 begannen Polizeikommandos mit der Evakuierung der Dörfer. Die Bevölkerung wurde zusammengetrieben und mit Handgepäck und 20 Zloty pro Person in das Sammellager Zamość abtransportiert. An diesen Aussiedlungen beteiligten sich unter Führung der Umwandererzentralstelle neben der Ordnungspolizei die SS sowie die örtlichen Garnisonen der Luftwaffe und der Wehrmacht. Bereits bei der Evakuierung und dem Transport ins Lager wurden viele Menschen, die Widerstand leisteten oder flüchteten, erschlagen oder erschossen.

Unmittelbar nach dem Abtransport wurden volksdeutsche Umsiedler, Bessarabien- und Bukowinadeutsche, die in Lagern gewartet hatten, in die Höfe eingewiesen. Dies betraf etwa 300 Dörfer.

Die evakuierte Bevölkerung wurde von der Umwandererzentrale nach vier rassischen Wertungsgruppen selektiert:

Zwei arbeitsfähige Gruppen waren zur Wiedereindeutschung bestimmt,

die dritte Gruppe für die Zwangsarbeit in Deutschland, soweit die Menschen nicht über 60 oder unter 14 Jahre alt waren. Diese Personen wurden in so genannte Rentendörfer verschickt. Rentendörfer wurden die jüdischen Siedlungen genannt, deren Bewohner in die Vernichtungslager transportiert worden waren. Dort erfroren und verhungerten Tausende von ausgesiedelten Kindern und alten Menschen.

Die vierte Gruppe, als kriminell oder asoziale eingestufte Personen - weil sie Widerstand leisteten - kamen direkt nach Auschwitz.

110.000 Polen wurden bis August 1943 aus 300 Dörfern von SS-, Polizei- und Wehrmachtseinheiten vertrieben. Die Mehrheit konnte fliehen, 51.000 wurden deportiert. Die Bevölkerung wehrte sich massiv und ging zu den Partisanen über. Die bewaffneten Gruppen der Widerstandsbewegung lieferten den Polizeikommandos Gefechte und überfielen die Ansiedler. Eine Abteilung der polnischen Heimatarmee und die 3. Kompanie Grzmot der Bauernbataillone, zusammen etwa 400 Mann, kämpften gegen die etwa 1.900 Mann starken deutschen Sicherungstruppen. Bei den deutschen Vergeltungsmaßnahmen für den Widerstand kamen 7.000 Menschen ums Leben. Am 30. Juni 1943 erklärte Himmler das gesamte Generalgouvernement zum Bandenkampfgebiet.

Im Februar 1943 wurde versucht, die mit Volksdeutschen besiedelten Gebiete durch einen Gürtel von Dörfern zu schützen, die mit Ukrainern besiedelt wurden. 14.739 der dort ansässigen polnischen Bauern wurden vertrieben. Die Hoffnung war, mit dieser Ukraineraktion nationale Gegensätze ausnutzen zu können.

Die Vertreibung der polnischen Bevölkerung und die Neuansiedlung führte nicht nur zum Anwachsen der Widerstandsbewegung, sondern auch zu geringerer Produktion von Lebensmitteln und damit zu geringeren Ablieferungen an die Besatzungsbehörden. Das Ostheer der Wehrmacht wurde aus dem Generalgouvernement versorgt. Frank und der Gouverneur von Lublin, Ernst Emil Zörner, kritisierten die Ansiedlungen, konnten sich jedoch nicht gegen Himmler und Globocnik durchsetzen.

Am 15. August 1943 brach Globocnik die begonnene Ansiedlungsaktion und die in den militärischen Antipartisanenaktionen Aktion Werwolf I/II erfolgende Bekämpfung des Widerstandes mangels geeigneter weiterer Kräfte ab.

Die 9.000 volksdeutschen Neusiedler konnten bis zum Vorrücken der Roten Armee und der sowjetischen Einnahme von Zamość im Juli 1944 ein kurzes Auskommen finden. Gegen alle Realität erklärte Himmler noch am 3. August 1944 vor den Gauleitern in Posen, dass das Programm unverrückbar sei, nämlich Generation für Generation unsere Bauerntrecks auszurüsten und von dem Gebiet, das wir zunächst hinter der militärischen Grenze haben, immer einige hundert Kilometer zunächst mit Stützpunkten zu versehen und dann allmählich flächenmäßig zu besiedeln und die anderen herauszudrängen. Denn unsere politischen, wirtschaftlichen, menschlichen, militärischen Aufgaben haben wir in dem herrlichen Osten.