Tachau (Tachov)

Thema

1933-1945 Deutsches Reich Opfer der Gemeinde (Stadt)

Tachov (Tachau) im Westen Böhmens ist eine Stadt in Tschechien an der Mies (tschechisch Mže) in der westböhmischen Region Pilsen (Plzeňský). Sie ist Bezirksstadt des Bezirks Tachau (Okres Tachov).

Während der Zeit des Nationalsozialismus gab es auch in Tachau zahlreiche Anhänger dieser Ideologie, was sich nicht zuletzt in den Wahlergebnissen widerspiegelte. Am 12. Juni 1938 erhielt in Tachau die Sudetendeutsche Partei unter der Führerschaft des späteren Reichsstatthalters und Gauleiters Henleins 3.694 Stimmen, die deutschen Sozialdemokraten kamen noch auf 425, die Kommunisten auf 58 Stimmen. Heftige Auseinandersetzungen gipfelten in Schießereien mit zwei Toten auf dem Tachauer Marktplatz. Nach dem Münchener Abkommen marschierten am 10. Oktober 1938 deutsche Truppen in Tachau ein. Angehörige der NSDAP übernahmen danach die entscheidenden Positionen in der Stadtverwaltung, so wie im gesamten Reichsgau Sudetenland und die Stadt wurde Sitzgemeinde des deutschen Landkreises Tachau.
In der Nacht des 10. November 1938 brannte die Tachauer Synagoge und die Feuerwehr wurde gehindert, den Brand zu löschen. Am 2. Dezember 1938 erging die Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden in den sudetendeutschen Gebieten. Wenige Wochen später, am 27. Dezember 1938 wurden auch hier die Nürnberger Gesetze eingeführt. Vielen politisch Verfolgten und Juden gelang die Flucht, ins westliche Ausland flüchteten schätzungsweise 30.000 Personen aus den Sudetengebieten, aus Tachau allein 250 Juden nach Amerika und England, aber eine große Zahl von Menschen kam ums Leben. Der Platz der Synagoge in der ehemaligen Judengasse ist bis heute unbebaut geblieben. Auch der jüdische Friedhof der Stadt, sowie weitere in Dlouhý Újezd (Langendörflas) und
Nové Sedliště (Neu-Zedlisch) sind Hinweise auf die ehemaligen jüdischen Gemeinden in Tachov und seiner Umgebung.
Im Zweiten Weltkrieg waren in Tachau weit mehr als 500 Kriegstote und Vermisste zu beklagen. Die Stadt erlebte im II. Weltkrieg auch Todesmärsche von Gefangenen in das nahegelegene Konzentrationslager Flossenbürg. In der nächsten Umgebung der Stadt befindet sich heute als Gedenkstätte der Grabhügel für die 232 Opfer des Todesmarsches im Zweiten Weltkrieg