Transport 10.07.1942 Bielefeld (Hamburg)

Konzentrationslager Auschwitz (Osvetim)

Transportliste

Mit diesem Transport werden 1002 "Häftlinge" aus dem Altreich ins KL
Auschwitz deportiert.
(Bielefeld, Hamburg, Berlin)

Bielefeld
Hamburg (Abfahrt 11.07.1942)
Dem Hamburger Deportationszug war zuvor der Teiltransport aus Westfalen zugeführt worden

Mecklenburg
Braunschweig
Berlin
Auschwitz

Aus dem Transport von 299 Menschen sind lediglich acht Überlebende bekannt.

Bericht einer Zeitzeugin (Ingrid Wecker)
Sie erinnert sich an die Behandlung der Menschen durch die Gestapo.
Das be deutete, dass man in der Turnhalle riesige Tische aufgebaut hatte, und die Gestapo ließ sich jeden einzelnen Koffer aufmachen. Das musste ich machen, ich war ja Helferin. Und dann haben die geguckt, und wenn jetzt, eine Nachbarin hatte dem noch ein Bonbon zugesteckt, wenn Waggons da waren, wenn auch nur Pelzähnliches darin war, Wollsachen darin waren, dann hieß es, das wissen sie nicht, dass sie das nicht mehr haben dürfen und haben die dann angeschrieen, die SS-Leute. Das waren SS-Leute. Und unter den Tischen standen schon riesige Wannen oder Waschkörbe, da hieß es ja, das fällt der NSV zu. Und ich musste die ganzen Sachen da runterlegen. Und wenn die mal nicht hinguckten, habe ich die Sachen genommen und habe sie oben wieder rein gesteckt.
Wissen Sie, wenn man achtzehn Jahre alt ist, also ich glaube, in meinem Alter würde ich das aufgrund meines Verstandes nicht mehr machen würde mir sagen:
Vielleicht machst du dich unglücklich wegen zehn Bonbons oder irgendwas. Aber denkt man nicht dran. Man denkt nur an diese Ungerechtigkeit.


Hamburg

Es war die erste Deportation nach einer Ruhephase von mehr als 7 Monaten. Der Transport, der die Stadt am 11. Juli 1942 verließ, war deutlich kleiner als seine Vorgänger im Herbst und Winter des Jahres 1941. Die Gestapo änderte ihre Vorgehensweise und bestimmte anders als in den vorangegangenen Deportationen das jüdische Gemeindezentrum in der Hartungstrasse 9/11 zum Sammellager. Vermutlich lag dies an der geringeren Zahl zu konzentrierender Deportierter.
Es kann davon ausgegangen werden, dass auch in diesem Fall die üblichen Rahmenbedingungen zum Tragen kamen und den Juden die Mitnahme von 50 kg Gepäck und 50 Reichsmark erlaubt war. Sie mußten eine detaillierte Vermögenserklärung ausfüllen und die Wohnungsschlüssel bei der nächstgelegenen Polizeiwache abgeben, bevor sie den Weg ins Sammellager antraten. Nach der Ankunft dort wurde ihnen die Vermögensaufstellung sowie alles Geld (auch die oben genannten 50 Reichsmark) abgenommen, ihr Gepäck wurde nach Wertsachen durchsucht, ihre Papiere ungültig gestempelt und sie wurden eingesperrt. Von den zur Deportation ausgewählten Juden trafen 22 die verzweifelte Entscheidung, sich dem drohenden Leiden und der Ermordung durch Suizid zu entziehen. Sie wurden durch Menschen ersetzt, die auf einer Reserveliste der Gestapo eingetragen waren.

Am 11. Juli brachte man die Deportierten zum in Hafenhähe gelegenen Hannoverschen Bahnhof, der zu dieser Zeit überwiegend für den Güterverkehr genutzt wurde und als Ausgangspunkt aller Hamburger Deportationen diente.

Ein anonymer Holocaustüberlebender wurde Zeuge des Transfers der Deportierten, zu denen auch sein Vater gehörte. Aus seinen Aussagen lässt sich schliessen, dass dabei LKWs zum Einsatz kamen:
"...plötzlich naht sich ein Lastwagen, und auf dem Lastwagen sind (...) - Menschen zusammengepfercht, alle gutaussehend, mit Hüten meist. Männer. (...) Männer hauptsächlich. Aber es waren ja vielleicht auch mehrere Lastwagen, denn die waren ja alle in der Hartungstraße 9-11 zusammengefasst. Und auf einem dieser Lastwagen stand mein Vater, und er sah mich - (...). Er sah mich vor diesem Haus stehen, und er schrie meinen Namen, und ich bin hinter diesem Lastwagen hergerannt, natürlich ohne jeden Erfolg. Und das war das letzte Mal, dass ich meinen Vater gesehen hab'."

Nach der Ankunft am Bahnhof wurden die Deportierten unter Aufsicht der Gestapo in einen bereitgestellten Zug gezwungen, der kurz darauf abfuhr.


Von den Deportierten, die Hamburg in diesem Transport verliessen, hat nach derzeitigem Kenntnisstand nicht ein einziger überlebt.


Berlin

Aus Berlin fuhr an diesem Tag ein Deportationszug mit 210 Insassen ab, zu denen auch 10 Personen aus Potsdam gehörten. Auf der Berliner Deportationsliste findet sich die Bemerkung eines Gestapomitarbeiters, nach der diese Menschen dem Transport "Hamburg-Auschwitz" angeschlossen wurden. Eine von der Berliner Gestapo an den Oberfinanzpräsidenten übermittelte Liste mit der Aufstellung des Vermögens der Deportierten erwähnt im Titel einen Transport nach Auschwitz am 11. Juli 1942, das Wort Auschwitz ist aber durchgestrichen.


Stolp

Abfahrtsdatum (Stolp): 10.07.42, Deportierte: 179

Am Morgen des 9. Juli 1942 hatten sich alle Juden unter 65 Jahre in der Turnhalle der Gemeindeschule in der Wollmarktstraße einzufinden; nachdem ihnen dort ihre Wertsachen abgenommen worden waren, wurden sie am 10.Juli 1942 in Richtung Auschwitz deportiert. In dem Zug befanden sich auch alle anderen Juden aus dem Regierungsbezirk Köslin, die tags zuvor ebenfalls nach Stolp gebracht worden. In Küstrin wurden an den Eisenbahnzug weitere Waggons mit Juden aus anderen Teilen Deutschlands angekoppelt. Der Zugtransport soll Auschwitz am 12.Juli 1942 erreicht haben. Er war der erste, der nach Fertigstellung der Gaskammern das Vernichtungslager erreichte.


Magdeburg

In einem Schreiben vom 3.8.42 an die Finanzämter meldete der Oberfinanzpräsident in Magdeburg: "Nach einer Mitteilung der Geheimen Staatspolizei -Staatspolizeileitstelle- Magdeburg sind am 11.7.1942 weitere Juden nach dem Osten abgeschoben worden."

So war auch das eigentliche Ziel im "Osten" lange Zeit ungeklärt, und Warschau bzw. Auschwitz wurden in der Literatur genannt. In einem Schreiben des OFP in Magdeburg vom 23.10.42 wird jedoch auf "die am 14. April 1942 von der Staatspolizeileitstelle Magdeburg in das Generalgouvernement (Ausland) abgeschobenen Juden" und auf "die am 11. Juli 1942 von der Staatspolizeileitstelle Magdeburg umgesiedelten Juden (im Inland verblieben)". Damit kann der Transport vom 11.7. nicht nach Warschau (Ausland) gelangt sein, sondern Auschwitz im oberschlesischen Regierungsbezirk Kattowitz (Inland) zum Ziel gehabt haben. Dies wird in einem Schreiben der Gestapo Braunschweig bestätigt, in dem Auschwitz als das Deportationsziel des Sammeltransports vom 11.7.1942 genannt wird


Orte, aus denen deportiert wurde

Burg 3
Dessau 2
Halberstadt 5
Landwerk Steckelsdorf 52
Magdeburg 36
Schönebeck 1
Bielefeld 86
Dortmund 2
Münster 3
Osnabrück 12
Köslin 168
Stettin 11
Frankfurt/Oder 9
Potsdam 11 (Die 11 Potsdamer Juden wurden mit dem Berliner Teiltransport deportiert)
Schwerin 93
Braunschweig 9
Hamburg 294
Kiel 1
Lüneburg 3
Berlin 199 + 1
Magdeburg 97
Dessau 3

Stolp 179