Dieburg

Übersicht

Deutschland, Bundesland Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg

Nachbargemeinden:
Münster, Ortsteil Münster-Altheim, Ortsteil Groß-Umstadt-Semd, Groß-Zimmern, Ortsteil Klein-Zimmern, Ortsteil Grube Messel der Gemeinde Messel.


06.04.1920

Als Protest gegen den Einmarsch von Reichswehrtruppen in die entmilitarisierte ostrheinische Zone werden Einheiten der französischen Armee in die Städte Frankfurt, Darmstadt, Hanau und Dieburg verlegt. Am 7. April wird auch Homburg besetzt.


07.03.1933

Am 07.03.1933, 2 Tage nach der Reichstagswahl besetzten SA und SS früh morgens alle öffentlichen Gebäude der Stadt und hissten Hakenkreuzfahnen. Die Schlüssel mussten übergeben werden. Dem 1. Stadtverordnetenbeisitzer Heinrich Knapp, durch Krankheit von Bürgermeister Wick stellvertretender Bürgermeister, wurde der Zugang zum Rathaus verwehrt.


09.03.1933

Nachdem am 09.03.1933 die SA und SS Wachen am Rathaus wieder abgezogen wurden, durfte der stellvertretende Bürgermeister Heinrich Knapp sein Amt wieder ausüben, wurde jedoch von den Nazis terrorisiert.

Am 09.03.1933 wurden die ersten Straßen Dieburgs umbenannt:
Groß-Umstädter Straße (Adolf-Hitler-Straße)
Hinter der Schießmauer (Jahnstraße)
Klosterstraße (Memelstraße)
Leuschner-Straße (Horst-Wessel-Straße)
Marienplatz (Jakob-Sprenger-Platz)
Marienstraße (Hermann-Göring-Straße)
Zuckerstraße (Straße der SA)
Minnefelder Seestraße (Hindenburgstraße)


10.03.1933

Am 10.03.1933 gegen 03:30 Uhr durchsuchte ein 25 Mann starker Sturmtrupp das Haus des stellvertretenden Bürgermeisters Heinrich Knapp. Es wurde zwar nichts verdächtiges gefunden, er wurde jedoch am nächsten Tag beurlaubt.


01.04.1933

Am 01.04.1933 fand der sogenannte Judenboykott statt. Dies war die erste antijüdische Aktion in Dieburg.


15.04.1933

Am 15. April 1933 wurde ein 22-Jähriger von der Dieburger SA zusammengeschlagen. Sein Vater erstattete Strafanzeige, die er jedoch teilweise zurücknehmen musste.


10.07.1933

Am 10. Juli wurde Bürgermeister Wick seines Amtes enthoben. Franz Burkart wurde als kommissarischer Bürgermeister ernannt.


11.11.1938

Am 11. November 1938 wurden die ersten Juden aus Dieburg und der Umgebung mit einem Omnibus in das KZ Buchenwald gebracht.


Nazi-Verfolgung in Dieburg

Bericht über die Nazi-Verfolgung in Dieburg von Pfarrer Friedrich Georg
„Stadtdekan Adam Ott und die Kapuzinerpatres Hugo und Evarist waren drei Jahr im KZ in Dachau. Rektor Wiedekind und die Stadtratsmitglieder Diehl, Schledt, Brandt, Fuchs und Lang wurden im Zusammenhang mit dem Hitler-Attentat verhaftet. Widekind saß 5 Tage im Gefängnis, die anderen Herren waren 5 Wochen in Dachau. Die Konfessionsschule wurde aufgehoben. Der Kindergarten den katholischen Schwestern genommen und der NSV übergeben. Der Protest des Pfarrers wird mit einer Handbewegung abgetan. Viele Eltern schicken ihre Kinder nicht mehr in den Kindergarten. Auf alle Eltern aber, die abhängig sind, wird Druck ausgeübt, die Kinder in den Kindergarten zu schicken. Sie werden vorgeladen, sie werden gewarnt, sie werden gezwungen. Es geschahen bewußte Dienstansetzungen zu den Zeiten des Gottesdienstes, damit die Jugend den kirchlichen Veranstaltungen fern bleiben soll. Die Eltern, die ihre Kinder trotzdem zur Kirche schickten, wurden durch Strafandrohung mürbe gemacht. Die fehlenden Kinder werden von der Polizei daheim geholt. Der Pfarrer wird aufgefordert, das Kreuz bei Beerdigungen von der Spitze des Leichenzuges zurückzunehmen, damit nicht Kriegerverein u.s.w. hinter dem Kreuz zu gehen brauchen, der Pfarrer weigert sich. Bei der nächsten Beerdigung wird der Meßdiener mit dem Kreuz zurückgejagt. Der Pfarrer nimmt auf der Kanzel dagegen Stellung und hat die Leute für sich, daß das Kreuz an der Spitze bleibt. Parteiformationen gehen nicht mehr mit den Beerdigungen. Am großen Friedhofskreuz wird während der Nacht der Corpus entfernt. Die Statuen Maria und Johannes unter dem Kreuz werden zerschlagen und vergraben. Die Vereinsfahnen werden geholt, das Pfadfinderheim wird zwangsniedergelegt, das Bischöfliche Konvikt zwangsvermietet, es wurde Gefangenenlazarett. 1937 werden Wallfahrt und Bischofsbesuch gestört. Gegen den Bischof werden gemeine Hetzreden gehalten und die Beamten werden unter Androhung von Dienstentlassung aufgefordert, ihre Kinder nicht firmen zu lassen. Der Bischof wird als Helfershelfer der Sittlichkeitsverbrecher hingestellt, der ein deutsches Kind nicht berühren dürfe. Mehrere Beamte unterliegen dem Druck und lassen ihr Kind nicht firmen. Aller kirchlicher Straßenschmuck ist verboten. Die Polizei kontrolliert die Straßen und selbst an den Blumentöpfen müssen gelbe und violette Manschetten entfernt werden. Die am Verkaufsstand des Kapellenvereins eingegangenen Gelder werden von der Gestapo beschlagnahmt und mitgenommen. Auch die eingangenen Gelder des Klingelbeutels fordern sie in der Gnadenkapelle. Durch geschicktes Zusammenspiel unserer Leute ist das Geld aber schon im Pfarrhaus in die Hände des Bischofs gelangt. Es dort herauszuholen wagt die Gestapo nicht und zieht ab. Unter der Bevölkerung große Aufregung. Der Bischof nimmt in der Nachmittagspredigt öffentlich Stellung gegen die Gemeinheiten und ausgesprochenen Androhungen. Die Teilnehmer der Prozession werden fotografiert und in ihren Stellungen und Arbeitsplätzen gedrückt. 1941 stellte ich Antrag, zu genehmigen, daß der Wallfahrtsgottesdienst nach vorausgegangenem nächtlichen Fliegeralarm doch schon in der Frühe begonnen werden könne, damit die Wallfahrer bei schlechtem Wetter nicht bis zehn Uhr auf der Straße stehen. Die Antwort lautet: »Nach Mitteilung der Staatspolizei in Darmstadt kann ihrem Ansinnen nicht entsprochen werden. Die Verfügung, daß tägliche Veranstaltungen am Tage nach nächtlichem Fliegeralarm nicht vor 10 Uhr stattfinden dürfen, muß unter allen Umständen respektiert werden. Eine Ausnahmeregelung für Dieburg kann nicht zugelassen werden. Schutzpolizei in Dieburg.« Auf eine Anfrage, ob die Wallfahrt auf den Tag gehalten werden könne oder ob die Bestimmung von Fronleichnam gelte, daß die Feier auf den folgenden Sonntag verlegt werden müsse, erhielt ich folgende Antwort: »Nach Mitteilung von Maßgebender Stelle teile ich Ihnen auf ihre Anfrage mit, daß die kirchlichen Feiern mit Rücksicht auf die Kriegsverhältnisse immer auf den darauf folgenden Sonntag zu verlegen sind. Gegen Gottesdienste an den Sonntagen ist nichts einzuwenden, doch dürfen diese nur in der Kirche stattfinden. Auch eine Prozession auf kircheneigenem Gelände im Freien ist nicht gestattet. Die Aufstellung von besonderen Verkaufsgegenständen ist nicht gestattet, ebensowenig die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel für auswärtige Besucher. Der Landrat.« Am 19. August 1943 wurde ich zur Geh. Staatspolizei nach Darmstadt geladen. Dort wurde mir eröffnet, daß die Wallfahrt in Dieburg am Sonntag, den 12. September aus kriegsbedingten Verkehrs- und Luftschutzgründen verboten ist. Darüber hinaus wurde mir die Auflage gemacht, alles zu veranlassen, daß die Gläubigen von diesem Verbot in geeigneter Form ohne großes Aufsehen unterrichtet werden. Daraufhin wurden alle Einladungen, die hinausgeschickt waren, zurückgenommen. 1944 wurden keine Einladungen mehr verschickt. Trotzdem wurde die Wallfahrt von fünf bis sechs Tausend Pilgern besucht. Zum Teil hatten sie Fahrkarten über Dieburg hinaus gelöst und waren dann in Dieburg ausgestiegen. Andere Schalterbeamten hatten trotz des Verbot Karten nach Dieburg ausgegeben. Der Gottesdienst wurde gehalten wie an Sonntagen. Einige Prozessionen, die aus der Umgegend zu Fuß kamen, wurden von der Polizei zurückgejagt. Nach der Wallfahrt wurde von Dieburger Nazi bei der Gestapo Anklage erhoben, durch die vielen Fremden sei in Dieburg eine Lebensmittelknappheit eingetreten. Da aber nachweisbar keine Einladungen verschickt ergangen waren, die Pilger auch alle ihre eigenen Lebensmittel dabei hatten, war ein Zugriff seitens der Gestapo nicht möglich. Im April 1942 wurde ich in Darmstadt zur Gestapo geladen und verhört über die Vorträge, die Schwester Soteris für den Frauendekanatskreis hielt. Nachdem ich nach allen Richtungen ausgefragt worden war, nach Zweck, Inhalt und Auftraggebern mußte ich ein Schriftstück unterzeichnen, daß ich im Auftrag des Bischofs komme und das ich damit nichts zu tun hätte. Einige Wochen später wurde ich in Dieburg vernommen wegen der Schulentlassungsvorträge, die ich durch die Kapuziner halten lasse. Die Gestapo-Leute erklärten, daß ich in Zukunft solche Sachen zu unterlassen habe. Im gleichen Jahr erschien die Gestapo im Dieburger Pfarrhaus und hielt mir vor, es sei Anzeige erstattet worden, daß ich in der Gnadenkapelle politische Veranstaltungen abhielte, wobei Laien reden. Nach langem Rätselraten, was gemeint sein könnte, stellte ich fest, dass nur unsere Kriegsandacht in Frage kommen könne, bei der zwei junge Frauen den Rosenkranz vorbeten. Es wurde nun ein langes Protokoll aufgenoommen, was im Rosenkranz gebetet wird, für welche Soldaten gebetet wird, ob für den Sieg gebetet wird u.s.w. Als ich den drei Gestapo-Leuten sagte, es sei doch schde, daß sie für so eine Sache soviel Zeit opferten, meinte der eine: »Wenn auch 99 Anklagen unter den Tisch fallen, bei der hundertsten bekommen wir sie doch.« In der nächsten Woche wurden die beiden Vorbeterinnen nochmals nach Darmstadt vorgeladen und je eine Stunde verhört, namentlich, ob sie »Laienhelfer« des Pfarrers seinen. Wiederholt interessierte sich die Gestapo für unsere Borromäusbibliothek, viele Bände wurden beschlagnahmt und weggeholt.“


25.03.1945

Nach massiven Luftangriffen, in denen viele Menschen starben, darunter auch Kinder, und viele Gebäude, auch die Dieburger Stadtkirche, große Schäden erlitten hatten, wurde Dieburg am Palmsonntag, dem 25. März 1945 von US-Truppen besetzt. Offenbar wurde mit massivem Widerstand gerechnet. In der Nacht wurde jedoch gemeldet, dass die Stadt nicht verteidigt werden sollte. Um 07:00 Uhr griffen amerikanische Bomber die Stadt mit Spreng- und Phosphorbomben, sowie den Bordwaffen an. Nur eine kleine Gruppe der Hitlerjugend unter der Führung eines Majors leistete Widerstand gegen die sich aus Südwesten nähernden amerikanischen Streitkräfte. Gegen 10:00 Uhr wurde Dieburg für 20 Minuten von Panzern und Geschützen beschoßen. Als die französischen Kriegsgefangenen, die im Konvikt als Sanitäter im dort eingerichteten Offiziers-Kriegsgefangenen-Lazarett dienten, den Amerikanern mit weißen Tüchern schwenkten und anschließend überzeugten, dass in Dieburg mit keinem starken Widerstand zu rechnen ist, stellten die Amerikaner den Artilleriebeschuß ein. An diesem Tag starben in Dieburg neben etlichen Wehrmachtssoldaten 24 Menschen. Viele Gebäude und Straßen wurden zerstört. Nachdem Dieburg eingenommen wurde, begannen die Amerikaner mit der Übernahme des Munageländes nordwestlich von Dieburg.


Lager und Haftstätten 1933-1945

Strafgefangenenlager Rodgau-Dieburg (Stammlager I). Dieses Lager gehörte zum Lagersystem Rodgau.
Bis 1931 wurde es als Arbeitshaus genutzt. Das Arbeitshaus in Dieburg wurde seit Frühjahr 1938 von Häftlingen des Darmstädter Gefängnisses sowie von regionalen Handwerkern zum Strafgefangenenlager I von Rodgau umgebaut. In diesem Lager wurden die Unterkünfte für das Strafgefangenenlager II (Rollwald) gezimmert und im späteren Außeneinsatz der Gefangenen im "Rollwald" (so wurde das abgeholzte Gebiet zwischen Ober-Roden und Nieder-Roden genannt) errichtet. Im Strafgefangenenlager I waren politische Gegner inhaftiert.
Später zogen der Reichsarbeitsdienst sowie verschiedene Firmen in das Gebäude ein.
Das Strafgefangenenlager in Dieburg bestand von 21.04.1938 bis März 1945
Es befand sich in den Räumlichkeiten der zuvor bereits als Arbeitshaus umschriebenen Justiz-Vollzugsanstalt. Es diente ausdrücklich zur Arbeitskraftverwertung von Strafgefangenen. Dort waren nur außenarbeitsfähige Gefangene untergebracht. Deren Zahl betrug Ende März 1942 2.611 Häftlinge. Das Lager wurde von der Generalstaatsanwaltschaft Darmstadt betrieben.
Neben dem Lager Rodgau-Dieburg existierten das Lager Rollwald (Stammlager II). Später wurde noch dazugehörig das Stammlager III in Eich bei Alzey speziell nur für männliche polnische Gefangene eingerichtet.


Mitbürger der Gemeinde die hier geboren oder gelebt haben und zwischen 1933 bis 1945 verfolgt, deportiert sowie zu schaden gekommen sind


Namensliste

Kahn Lotte
Wohnort:
Dieburg