SS-Hauptscharführer

* 28.10.1912 in Geisenheim
letzter bekannter Wohnort:
Daersdorf (Kreis Harburg)

lebte zeitweise in
Hamburg

Reichsdeutscher

Beruf: Gärtner

verheiratet

ab 1933
Mitglied der Allgemeinen SS (Mitglieds Nu. 177 193)
(Dienst im 1. Sturm der 26. SS-Standarte)
(letzter bekannter Dienstgrad: SS-Schütze)

ab 01.05.1937
Mitglied der NSDAP (Mitglieds Nu. 4 700 667)

ab 06.09.1939
Mitglied der Bewaffneten Verbände der SS
(wurde zur Totenkopf-Division eingezogen, weil er vorher in der Allgemeinen SS war)

vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL
Auschwitz, KL Sachsenhausen, NL Budy
(Wilhelmy war Schreiber, hatte eine Art Spießstellung beim Standortarzt.Doktor Popiersch wude nach Lublin versetzt)) später Doktor Dienstbach

(Schreiber im Häftlingskrankenbau vom KL Sachsenhausen)

ab Sommer 1940
Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz Abt. V: SS

01.10.1940
Beförderung zum SS-Scharführer

Aussage Wilhelmy Anton
Als ich hinkam, war ich SS-Mann und wurde dann überraschenderweise, ohne daß ich was dazu konnte, innerhalb kürzester Zeit zum Oberscharführer befördert.

Aussage Wilhelmy Anton
Wenn ein SS-Angehöriger einen Befehl, der ihm erteilt wird, nicht befolgt, dann muß er damit rechnen, daß er unter Umständen in ein Verfahren verwickelt wird, das der Gerichtsoffizier betreiben muß

Versetzungsgesuch
Mein erster Standortarzt, der wohnte mit mir draußen, außerhalb des Lagers. Und wir saßen oft abends zusammen, und wir kamen uns auch menschlich näher. Und der sagte mir oft:
»Wilhelmy, wir zwei passen nicht hier rein.« Und als dann seine Versetzung kam, sagte er mir:
»Das ist eine Strafversetzung. Wilhelmy, nimm dich in acht.« Und von da an versuchte ich herauszukommen.

Februar 1942
Urlaub zur Ablegung zweiten Examens (bis Ende März 1942)

als ich dann von meinem Examensurlaub zurückkam, da traf ich zufällig mit einem damaligen Gruppenführer, Doktor Caesar, zusammen. Und der wollte verschiedenes von uns haben für seine Kreuzungsversuche. Und da sagte ich:
»Na, Sie brauchen noch das und brauchen das und brauchen das.« Dann sagt er:
»Was sind Sie von Beruf?« und so weiter. Dann sage ich, so und so, ich bin das und das, und dann sagte er:
»Sowas suche ich schon in ganz Europa, und ausgerechnet läuft es hier im Lager rum.« Und dann haben wir uns etwas unterhalten. Da sagt er:
»Ich will sehen, daß ich Sie rüberziehe. Sind Sie damit einverstanden?« Da sagte ich:
»Jawohl.«
Und nun ging das hin, versucht habe ich es von Ende 41 bis dann – da war aber weiter keine Möglichkeit, das konnte ich sehen – bis der Doktor Caesar kam. Und dann hat wohl Herr Doktor Caesar mit Doktor Uhlenbroock gesprochen. Das war kein schriftliches Gesuch, das wurde so von den Herrn besprochen. Und erst im Herbst bekam ich das Gesuch dann genehmigt. Wer das nun schriftlich gemacht hat – von mir aus ist es nicht gegangen. Wer es schriftlich gemacht hat, ob überhaupt was Schriftliches gemacht worden ist, weiß ich auch nicht

Herbst 1942 - 1945
Standortarzt Wirths sagte: Sie werden nicht freigegeben,.Und nach etwa 14 Tagen, drei Wochen sagt er:
»Wilhelmy, es hat keinen Zweck so. Ich lasse Sie gehen, wenn ich mich reingefunden habe. Helfen Sie mir bitte dafür noch, daß ich mich reinfinde.« Und dann hat er gleichzeitig mit diesem Gespräch damals Ontl angefordert, und der kam dann auch nach einer gewissen Zeit. Und dann – ich weiß jetzt nicht, wie lange, 14 Tage, drei Wochen [+ später] – wurde ich versetzt.
versetzt nach der landwirtschaftlichen Abteilung von NL Budy
( Unterbringung etwas entlang an der Hauptstraße, an der Straße nach Przecieszyn im Einzelhaus)

nach 1945
Aussage Wilhelmy Anton
Und da zog ich mir auf dem Truppenübungsplatz Münsingen eine chronische Hüftgelenksentzündung zu. Und da die nicht behandelt wurde und ich beziehungsweise damals der Arzt nicht wußte, was das Truppenübungslagerlazarett in Münsingen feststellte, daß ich die pathesische Krankheit hatte, und da wurde ich nicht behandelt und mußte als Innendienstler zum Beispiel Munitionskisten in den vierten Stock tragen. Und der zweite Bataillonsarzt, der schickte mich dann in Abwesenheit des Truppenarztes nach Tübingen zur Universitätsklinik. Und der dortige Arzt, der stellte fest, daß es eine chronische Hüftgelenksentzündung wäre und ich unbedingt in Behandlung müßte. Und er sagte unter anderem auch noch, daß die Ärzte und die Truppenführer vor das Kriegsgericht müßten, weil sie so was vernachlässigen würden.
Er sagte mir, er gibt mir nichts mit, er gibt das an die Truppe schriftlich, durch einen Brief. Und als das ankam, wurde ich schleunigst nach Oranienburg verfrachtet zur E-Einheit. Und dort wurde ich auch nicht behandelt, weil es hieß, die Papiere müssen erst nachkommen. Und da traf mich da ein Arzt mal, als ich da rumknappte, und fragte mich, was mir fehlen würde und so weiter. Dann sage ich, so und so, und war froh, daß mich mal einer anhörte. Sage ich, ich werde überall als Drückeberger rumgeschoben und bezeichnet. Und dann sagt er: Komm dann morgen mal früh zu mir.« Und da stellte er fast dasselbe fest – er war Gelenkchirurg, hatte eine eigene Privatklinik in Freiburg – und sagte mir dann: »Ihnen kann nur die Charité helfen.«

nach 1945
Aussage Wilhelmy Anton
Also soviel ich mich entsinne, lag damals folgendes vor:
Es war eine Weihnachtsfeier angesetzt und war zu diesem Zweck einiges beschafft worden an Getränken und so weiter. Und die Getränke standen an den Fenstern, damit sie kühl bleiben. Und als das losgehen sollte, hatten diese beiden schon einen Teil dieser Getränke getrunken und waren in einem mehr als angeheiterten Zustand..

WER REDET, GEHT DURCH DEN KAMIN
17.03.1964, 13.00 Uhr • aus DER SPIEGEL 12/1964
https://www.spiegel.de/politik/wer-redet-geht-durch-den-kamin-a-a34183ac-0002-0001-0000-000046163489