SS-Unterscharführer

* 11.03.1921 in Waldenburg (Sachsen)
† 01.03.2000 in
Solingen

Spitzname Wilhelm Tell von Auschwitz

vollständiger Name: Weise Gottfried Ewald Franz

Reichsdeutscher

Vater
Bauunternehmer

1935 - 00.04.1939
Maurerlehre

Weise Gottfried ist in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen. Sein Vater wa Bauunternehmer, mußte, nicht zuletzt wegen einer im Ersten Weltkrieg erlittenen Kriegsverletzung, seinen Betrieb allerdings gegen Ende der 20er Jahre schließen. Die Mutter war Hausfrau und sorgte auf diese Weise für das Wohlergehen der Familie. Gottfried wie auch seine beiden um ein bzw. vier Jahre älteren Schwestern wurden von den Eltern im Sinne des evangelisch-lutherischen Religionsbekenntnisses, das nach Einschätzung Gottfrieds beim Vater am stärksten ausgeprägt war, erzogen. Die Familie litt keine materielle Not. Seine Kindheit und Jugend erlebte Gottfried als ausgeglichen und harmonisch.

1927 - März 1935
Gottfried besuchte seit 1927 die Volksschule, die er nach unproblematischem Verlauf der Schulzeit im März 1935 mit dem Abschlußzeugnis verließ.

bis 1933
Bis 1933 war er Mitglied im Deutschen Turnverein und der Vereinigung Christlicher Pfadfinder.

00.04.1933 - 09.11.1937
Nach der Aufnahme in das Deutsche Jungvolk im April 1933 und der geschlossenen Erfassung aller Jugendlichen zum Hitler-Jugenddienst im Jahre 1936 gehörte Gottfried bis zum 9. November 1937 der Hitler-Jugend (HJ) als Hitler-Junge an. Spätestens in dieser Zeit wurde er wie viele seiner der HJ zugehörigen Altersgenossen dem Einfluß des Elternhauses zunehmend entzogen.

Mai 1935 - April 1938
Seinem bereits früh geweckten Interesse für alles "was mit Bauen zu tun hatte", folgend, trat er im Mai 1935 die Maurerlehre an, die er nach vier Jahren im April 1939 erfolgreich abschloß

1935 - 1938
Neben der Lehre besuchte er in der Zeit von 1935 bis 1938 die Gewerbe- und Öffentliche Handelsschule und anschließend eine Bauschule. Die dort angestrebte Ausbildung zum Bautechniker konnte er wegen seiner Einberufung zum Kriegsdienst im September 1940 nicht mehr abschließen.
Parallel zur Ausbildung in Schule und Beruf verlief die Erziehung Gottfrieds zu einem "neuen Menschen" im Sinne des Nationalsozialismus

25.06.1937
Weise tritt dem "Bund Deutscher Osten" bei

10.11.1937
in Anerkennung seiner Haltung am 10. November 1937 - also mit 16 Jahren - von der HJ als Staffelbewerber in die SS übernommen (Mitglieds Nu. 350 754)

15.08.1938
In seinem handschriftlich abgefaßten, einem ausgefüllten Fragebogen des Rasse- und Siedlungshauptamtes der SS vom 15. August 1938 beigefügten Lebenslauf hob Weise seinen Werdegang in der HJ ebenso hervor wie den Beitritt zum Bund Deutscher Osten. Zugleich verwies er darauf, daß mit der Aufnahme in die SS sein sehnlichster Wunsch in Erfüllung gegangen sei, nämlich einmal "der höchsten Garde des Führers anzugehören" und er "in dieser Organisation" sein "Möglichstes ... tun" wolle, um den an ihn gestellten Anforderungen gerecht zu werden

1938
Nach einjähriger Anwartschaftszeit wurde Weise 1938 im Alter von 17 Jahren entsprechend seiner Überzeugung und auf seinen Antrag als Staffelmann in die Allgemeine SS übernommen.

1940
Zunächst vom Wehr- bzw. Kriegsdienst wegen der andauernden Berufsausbildung zurückgestellt, bewarb er sich 1940 mit Blick auf die bevorstehende Einberufung als Freiwilliger bei der Waffen-SS

15.09.1940
Am 15. September 1940 wurde er zum SS-Regiment "Westland" eingezogen. Nach der Ausbildung zum Infanterie-Pionier - was den Wünschen Weises entsprach - in München und Dresden kam er zu Beginn des Ostfeldzuges im Range eines SS-Mannes zum Kriegseinsatz.
(https://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/PanzergrenadierregimenterSS/PGRSS10.htm)

vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL
Sachsenhausen u. KL Auschwitz

15.09.1940
Beförderung zum SS-Schützen

11.09.1941
er wurde am 11. September 1941 während des Russlandfeldzuges vor Moskau schwer verwundet verlor aufgrund einer Kopfverletzung das linke Auge und erblindete. Lazarettaufenthalte in Lublin und Saarbrücken, in deren Verlauf er die Sehfähigkeit auf dem rechten Auge wiedererlangte, schlossen sich an.

28.10.1941 - 14.01.1942
Weise wird dem Pionier-Sturmbann 5 in Dresden, einer Genesungskompanie, zugeteilt.

30.01.1942
Beförderung zum SS-Sturmmann

Januar/Februar 1942
Weise bildet in Debica/Polen Rekruten aus

bis 01.04.1942
Ausbildungslehrgang auf der Unteroffiziersschule in Radolfzell
(Zu dieser Zeit trat Weise aus der Kirche aus)

01..04.1942 - 29.05.1942
Weise wird auf einem Rechnungsführerlehrgang in Dachau ausgebildet.

Versetzung zum SS-WVHA nach Berlin
(Dort wurde Weise im Hauptwirtschaftslager II der SS als Rechnungsführer eingesetzt

01.11.1942
Beförderung zum SS-Rottenführer

01.07.1943
Beförderung zum SS-Unterscharführer

28.01.1944
Am 28. Januar 1944 wurde Weise zur "Frontsammelstelle Oranienburg" beordert, nahm dort für kurze Zeit an einer Infanterieausbildung teil und versah in der Folge "reinen Verwaltungsdienst" als Rechnungsführer in der ersten Wachkompanie

Anfang Mai 1944
wurde Weise zum 1. Totenkopf - Wachbataillon Oranienburg kommandiert, wobei nicht geklärt werden konnte, welchen Dienst er dort versah. Insbesondere bleibt offen, ob er in dieser Einheit oder (nachfolgend) im SS-Totenkopf-Wachbataillon KL Sachsenhausen bereits mit der Bewachung von Häftlingen des KL Sachenhausen befaßt war.

22./23. Mai 1944 - Mitte September 1944
Weise war nach seinem Eintreffen im KL
Auschwitz am 22./23. Mai 1944 bis etwa Mitte September 1944 ausschließlich in der im Gebäude der Standortverwaltung untergebrachten Häftlingsgeldverwaltung (HGV) eingesetzt worden.

23.05.1944
Fest steht das Weise gemäß Befehl des SS-WVHA vom 23. Mai 1944, und zwar des SS-Gruppenführers und Generalleutnants der SS Glücks als Amtsgruppenchef der Abteilung "D - Konzentrationslager" mit Wirkung vom 22. Mai 1944 vom "SS-Wachbataillon K.L. Sachenshausen" zum "K.L. Auschwitz - SS. - Standortverwaltung Auschwitz" kommandiert wurde.

23.05.1944
Weise meldete sich am 22. oder 23. Mai 1944 auf der Standortkommandantur im KL Auschwitz. Hier wurde er - wie jeder SS-Angehörige - über die Richtlinien für die Behandlung der Häftlinge im Lager, insbesondere darüber belehrt, daß über Leben und Tod eines "Staatsfeindes" allein "der Führer" zu entscheiden habe und deshalb kein Nationalsozialist berechtigt sei

24.05.1944
In diesem Dokument vom 24. Mai 1944 erklärt SS-Unterscharführer Gottfried Weisse formell, dass er an die Richtlinien des Lagers Auschwitz bezüglich Diebstahl und Weitergabe geheimer Informationen erinnert wurde.
Transkription:
SS-Uscha. Weisse Gott[fr]ied Verpflichtungsschein
1.) Mir ist bekannt und ich bin heute darüber belehrt worden, dass ich mit dem Tod bestraft werde, wenn ich mich an Judeneigentum aller Art vergreife.
2.) Über alle während der Judenevakuierung durchzuführenden Maßnahmen habe ich unbedingte Verschwiegenheit zu bewahren, auch gegenüber meinen Kameraden.
3.) Ich verpflichte mich, mich mit meiner ganzen Person und Arbeitskraft für die schnelle und reibungslose Durchführung dieser Maßnahmen einzusetzen.
Auschwitz, 24.05.1944

Nach Eintritt in das KL Auschwitz wurde Weise der Gefangeneneigentumsverwaltung als Verstärkung zugeteilt. Dort fand er nach seiner unwiderlegten Einlassung für kurze Zeit in der Häftlingsgeldverwaltung (HGV) Verwendung.

Ende Mai/Anfang Juni 1944
Zu einem nicht mehr genau feststellbaren Zeitpunkt gegen Ende Mai/Anfang Juni 1944 war Weise jedenfalls schon wenige Tage nach seiner Ankunft im KL Auschwitz in der Effektenlagerverwaltung eingesetzt.

Anfang Juni 1944
Sicher ist in diesem Zusammenhang indes, daß Weise schon bald nach seinem Eintreffen im KL Auschwitz seit Anfang Juni 1944 in beiden Effektenlagern mit Bewachungsfunktionen betraut war, und zwar im Effektenlager I zumindest bis Juli 1944 und im Effektenlager II spätestens ab Juli 1944 bis zur Evakuierung des Lagers. Außer Zweifel steht des weiteren, daß Weise spätestens ab Juli 1944 seine Unterkunft im Lagerabschnitt B II. g) und hier in Block 11 - gemeinsam mit dem Zeugen I1, mit dem er in der Folge viel zusammen war - hatte. Fest steht außerdem, daß Weise seit Anfang Juni 1944 nicht nur die weiblichen wie männlichen Sortierkommandos, sondern ebenfalls von Zeit zu Zeit die sogenannten Rampenkommandos beaufsichtigte und im Rahmen dieser Tätigkeit an der Verladerampe des Effektenlagers I ebenso die Aufsicht führte, wie auf der sogenannten neuen Rampe im Lager Birkenau. Ob er neben seinen Bewachungsaufgaben noch - zumindest zeitweilig - mit der Funktion eines Blockführers für diejenige Baracke im Lagerabschnitt B II. d) in Birkenau, in der die männlichen Häftlinge der Aufräumungs- und Verladekommandos untergebracht waren, betraut war, konnte nicht zuverlässig geklärt werden. Sicher ist hierzu jedoch, daß Weise in dem vorerwähnten Lagerabschnitt vereinzelt die Unterkünfte der sogenannten Rampenkommandos auf Hinweise "unrechtmäßiger" Aneignung von Effekten durch Häftlinge durchsuchte.

Juni/Juli 1944
Im Juni/Juli 1944 tötete er einen Häftling, der nach einer kurzen Pause nicht sofort zum Dienst angetreten war, und zwei weitere Gefangene, die sich in einem mit Kleidung beladenen Eisenbahnwaggon versteckt hatten, mit Kopfschüssen. Im Spätsommer 1944 hatte er außerdem einem etwa 6- bis 10-jährigen Jungen, der gerade erst mit einem Eisenbahntransport in das Lager deportiert worden war, drei leere Konservendosen auf Kopf und Schultern gesetzt. Nachdem er die Dosen von dem Körper des Kindes geschossen hatte, tötete er den Jungen aus kurzer Entfernung mit einem Schuss in dessen Gesicht. Einem Mädchen, etwa 17 oder 18 Jahre alt, schoss er ebenfalls mehrfach Konservendosen von ihrem Kopf und tötete sie dann durch einen gezielten Kopfschuss.

Juli 1944
Weise wqr spätestens seit Juli 1944 im Effektenlager II untergebracht und dort fortan tätig

Mitte September 1944
gegen Mitte September 1944 wurde Weise zum "Effektenlager Birkenaus (B II. g)" versetzt. Dort habe er Aufsicht darüber führen müssen, daß die in das "sogenannte Lager Kanada" mit Lkw angelieferten Sachen sortiert und gelagert wurden.

17.01.1945
Nach dem letzten Appell am 17.01.1945 begannen Vorbereitungen, die verbliebenen Häftlinge ins Reichsinnere zu verlegen. Die eingleisige Bahnverbindung von und nach Auschwitz reichte für so viele Menschen nicht aus.
(https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/303537/18-januar-1945-todesmarsch-aus-auschwitz/)

22.01.1945
Weise verließ das KL Auschwitz bei Evakuierung des Lagers am 22. Januar 1945. Er fuhr mit einem Lkw-Transport nach Berlin. Vom WVHA wurde er sogleich nach Fürstenberg bei Ravensburg in Marsch gesetzt. In Ravensbrück hatte er nach seiner unwiderlegten Einlassung zusammen mit SS-Angehörigen ausschließlich die Tätigkeit von Häftlingen in einer Bekleidungs-Verfügungsbaracke der Amtsgruppe D des WVHA für weibliche SS-Angehörige zu beaufsichtigen. In der Verfügungsbaracke arbeiteten ca. 25 weibliche Häftlinge, die täglich vom KL Ravensbrück zum Arbeitseinsatz geführt wurden. Diese weiblichen Häftlinge rekrutierten sich überwiegend aus solchen Gefangenen, die zuletzt im Effektenlager II des KL Auschwitz eingesetzt und bei der Evakuierung des Lagers in das KL Ravensbrück überstellt worden waren. Spätestens seit der Räumung des KL Auschwitz wegen der herannahenden Ostfront war Weise wie auch den übrigen SS-Angehörigen klar, daß das Ende des Krieges und damit der Niedergang der NS-Gewaltherrschaft bevorstand. Dies erkennend trat bei der Mehrzahl der in den KL eingesetzten SS-Kräfte ein grundlegender Wandel in der Häftlingsbehandlung ein. Die wachsende Angst, nach dem Krieg für ihre Untaten zur Rechenschaft gezogen zu werden, ließ die meisten SS-Angehörigen nicht nur von (weiteren) willkürlichen Übergriffen Abstand nehmen. Viele begannen darüber hinaus - vor allem in der Endphase des Krieges - durch ausgesprochenes Wohlverhalten gegenüber den Häftlingen eine Grundlage zu schaffen, die es ihnen nach dem Krieg ermöglichen sollte, etwaigen konkreten Vorwürfen mit dem Hinweis auf ihr angeblich "tadelloses" Allgemeinverhalten begegnen zu können. Nahezu jeder SS-Angehöriger suchte, in dieser Phase "seinen Juden", auf dessen Zeugnis er sich bei Bedarf zu seiner Entlastung berufen konnte. Die nicht selten bis zur Anbiederung reichenden Bemühungen der SS vermittelten den Gefangenen - bisweilen das Gefühl, daß manche der SS-Angehörigen sogar glaubten, sie könnten durch gute Behandlung der überlebenden Häftlinge diese "vergessen machen", daß sie viele ihrer Leidensgenossen mißhandelt oder gar getötet hatten. Weise reihte sich in die Schar solcher SS-Kräfte ein. Er hielt zwar noch im KL Ravensbrück weitgehend Distanz zu den Gefangenen. Andererseits sah er hier von Mißhandlungen der ihm unterstellten weiblichen Häftlinge ab. Zudem versuchte er, teils mit Erfolg, in gelegentlichen Gesprächen mit den Häftlingsfrauen den (falschen) Eindruck zu erwecken, sein Vater sei "Bibelforscher" und er - der Angeklagte - müsse gegen seinen Willen im KL seinen Dienst verrichten.

22.01.1945
Am 22. Januar 1945 wurde Janusz Mlynarski von Auschwitz aus auf den Todesmarsch in Richtung Österreich geschickt. Er gehörte zu den wenigen, die auch diese Tortur überlebten. Am 6. Mai 1945 wurde er von der US-Army befreit.

22.01.1945
Es gibt ein Grab mit den Überresten von 13 Oświęcim Gefangenen in den Hanuswäldern im Dorf Mokre, in der Nähe von Mikołów, auf der Straße nach Gliwice. Auf der Gedenktafel steht: „Stelle der Hinrichtung von 13 Häftlingen aus dem Lager Oświęcim, die am 22. Januar 1945 von den Hitleriten hingerichtet wurden. Ehre in ihrem Gedächtnis."

27.04.1945/28.04.1945
(Aussage des ehemaligen Häftlings Olejniczak Genowefa)
In der Nacht vom 27. zum 28. April 1945, es begann schon zu dämmern, wurde das Lager evakuiert. Wir waren Tag und Nacht ohne Essen, ohne Trinken und ohne Schlaf unterwegs – die SS eskortierte uns mit Hunden. So wurden wir bis nach Neustrelitz getrieben. Dann ging es in Richtung Westen zu einem Sammelpunkt, weil wir auf ein Schiff nach Schweden kommen sollten. Aber das Ziel haben wir nicht mehr erreicht, inzwischen war alles bombardiert.

28.04.1945
Am 28. April 1945 verließ Weise mit der ersten Häftlings-Marschkolonne das vor der Räumung stehende KL
Ravensbrück.

03.05.1945
Auf dem mehrtätigen Marsch nach Neustadt/Kleve begegnete ihnen am 3. Mai 1945 auf einer Chaussee in der Nähe von Hagenow/Mecklenburg ein Kradfahrer, der davon berichtete, daß in der Nähe Artilleriegefechte mit amerikanischen Streitkräften seien. Weise ordnete hierauf an, daß die Kolonne abseits der Chaussee querfeldein weitermarschieren sollte. Die angesichts der herannahenden amerikanischen Truppen drohende Gefangenschaft vor Augen und in dem Bestreben, in dieser allerletzten Phase in Freiheit nach außen den Eindruck eines den Häftlingen hilfreichen SS-Mannes zu vermitteln, trug Weise einen weiblichen Häftling mit dem Vornamen Katja, die wegen eines gelähmten Beines gehbehindert war, eine kurze Strecke über ein Feld bis zu einen Bach. Bald darauf traf die Kolonne auf die amerikanischen Streitkräfte; Weise wurde gefangengenommen.

03. 05.1945 - 26.09.1947
In der Zeit von 3. Mai 1945 bis zum 26. September 1947 befand sich Weise in Kriegsgefangenschaft in verschiedenen Lagern, zuletzt im ehemaligen KL - damaligen Internierungslager - Neuengamme.

12.04.1946
Im Verlauf der Gefangenschaft wurde am 12. April 1946 von den Besatzungsmächten seine Entlassung aus der Waffen-SS festgestellt.

07.03.1947
. In einem Schreiben vom 7. März 1947 führte eine von dem Vater Gottfrieds angesprochene Frau aus, daß Gottfried und seine Angehörigen ihr "vor, während und nach" ihrer "KZ-Häftlingszeit" als achtbare Mitmenschen bekannt seien, sie Gottfriedin der Zeit von "Januar bis zur Räumung 1945 des Konzentrationslagers Ravensbrück" ebenfalls als anständigen Soldaten kennengelernt, nichts Gegenteiliges, sondern nur Gutes über ihn gehört habe und er im KL Ravensbrück gegenüber weiblichen Häftlingen u.a. geäußert habe: "Mein Vater ist selber Bibelforscher und ich muß nun hier sein."

09.03.1945
Eine Frau legte in einem Schreiben vom 9. März 1947 nieder, daß sie Häftling im KL Ravensbrück gewesen sei, es ihr leid tue, daß Weise wegen seiner Tätigkeit im "K.Z. Ravensbrück in Haft gehalten" werde und sie Weise bestätigen wolle, daß sie von den ihm dort unterstellten weiblichen Häftlingen nur Gutes über ihn gehört habe.

11.03.1947
Mit Schreiben vom 11. März 1947 wandte sich sein Vater an die englische Militär-Lagerkommandantur zu Neuengamme und bat um Nachsicht für den Sohn. In dem Schreiben heißt es u.a.:
".... Das unselige Naziverbrechertum verhinderte, entriß, entfremdete jedoch die Jugend den Eltern und verzog dieselben zu willensbeschränkten mithelfern ihres auf verbrecherischer Herrsch- und Gewaltsucht, Lüge und Betrug begründeten, arglistigen Täuschungssystems....
Diese Jugend hat den Nazi- und Satansgiftgeist eingehaucht bekommen, und zwar so fanatisch - intensiv, daß auch jedem sich dagegen wehrenden Elternteile der sichere Untergang gedroht hat, nebst Freiheits- und Vermögensverlusten....
War aber ohnmächtig, den eigenen Sohn, der mir entfremdet, verführt und den Nazihyänen zugeführt und gefügig gemacht wurde, mir zu erhalten! Er war zu jung und unerfahren...."
Dem Bittgesuch waren zwei Leumundszeugnisse beigefügt.

08.06.1947
In einem Schreiben vom 8. Juni 1947 teilte Weise seinen Eltern mit, daß Eingaben an die Kommandantur ebenso zwecklos seien wie (weitere) Leumundszeugnisse, die "Mädelsuchaktion" mehr persönliches Interesse habe, "als für Entlastung nötig" und im übrigen zu beklagen sei, daß man nur darauf lauere, daß jemand "denunziert" werde, er indes, da er niemanden "erschlagen oder erschossen" habe, zuversichtlich sei.

12.08.1947
Ein gleichlautendes Schreiben richtete eine Frau am 12. August 1947 an die "War-Crime-Investigation Group North-West Europe Bad Oeynhausen", in dem sie hervorhob, daß sie sechseinhalb Jahre - von 1939 bis 1945 - wegen ihres religiösen Bekenntnisses (Bibelforscher) im KL Ravensbrück inhaftiert gewesen sei.

26.09.1947
Nach seiner Entlassung aus dem Internierungslager am 26. September 1947 nahm die in Landshut ansässige Familie der jüngeren Schwester Gottfried auf. Er fand dort alsbald eine Arbeitsstelle bei einem Bauunternehmer (Günther Kissel – Arbeitgeber von Gottfried Weise)
https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Kissel
https://rp-online.de/nrw/staedte/solingen/bauloewe-kissel-ist-tot_aid-13579513

24.10.1954
Weise stellt einen Kriegsgefangenenentschädigungsantrag

1984
1984 sagte Gröning als Zeuge gegen Gottfried Weise aus, der in Auschwitz Kinder hingerichtet hatte und zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

00.10.1986 - 00.01.1988
Gottfried Weise hatte sich wegen Mordes vor dem Landgericht Wuppertal zu verantworten

16.01.1987
NS–Prozeß gegen Auschwitz–Aufseher
https://taz.de/NSProzess-gegen-AuschwitzAufseher/!1872179/

28.01.1988
Landgericht Wuppertal
Spruchkörper:
1. Schwurgerichtskammer
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
25 Ks 130 Js 7/83 (Z) - 29/85 V -
ECLI:
ECLI:DE:LGW:1988:0128.25KS130JS7.83Z29.00
GRÜNDE
Der Angeklagte wird unter Freisprechung im Übrigen wegen Mordes in fünf Fällen zu einer Gesamtstrafe vonlebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.
Soweit der Angeklagte freigesprochen worden ist, fallen die Kosten des Verfahrens und die ihm erwachsenen notwendigen Auslagen der Staatskasse zur Last; im übrigen sind sie von dem Angeklagten zu tragen.
- §§ 211, 53, 54 StGB n.F.; 211, 74 StGB a.F.

28.01.1988
Er wurde durch Urteil wegen fünffachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Hiergegen legte er Revision ein und kam gegen Hinterlegung einer Kaution von 300.000 DM auf freien Fuß. (Richter Wilfried Josef Klein, Norbert Koep und Wilfried Keiluweit)
Landgericht Wuppertal, 25 Ks 130 Js 7/83 (Z) - 29/85 V

1988
Gegen das Urteil legte Gottfried Weise Revision ein und kam gegen Hinterlegung einer Kaution von 300.000 DM auf freien Fuß.

00.04.1989
Nach Ablehnung seiner Revision durch das Oberlandesgericht Düsseldorf am 19. April 1989 entzog er sich seiner Verhaftung durch Flucht in die Schweiz. Hier hielt er sich als „Gerhard Sieber“ zwölf Wochen in einem Haus in Faulensee im Kanton Bern v

Nachdem das Urteil 1989 rechtskräftig wurde, flüchtete Weise zunächst in die Schweiz. Da er von der "Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte e.V." betreut wurde bekam er mindestens indirekte Unterstützung. So warnte die Gruppe in einem internen Rundbrief vor der anstehenden Fahndung nach ihm im Ausland. In der Schweiz hielt er sich als "Gerhard Sieber" zwölf Wochen in einem Haus in Faulensee im Kanton Bern versteckt, wurde dann aber nach einem Herzinfarkt in einem Schweizer Krankenhaus aufgespürt und erneut verhaftet. Nunmehr sitzt Gottfried Weise in der Pflegeabteilung der JVA Bochum ein..Von hier aus schrieb er an seine früheren SS-Kameraden der "Stillen Hilfe für Kriegsgefangene

13.07.1989
Für die Ärzte im Regionalspital Thun ist es zunächst reine Routine. Ein 68-jähriger Deutscher, der einen Schlaganfall erlitten hat, meldet sich am 13. Juli 1989 am Empfang. Er heisse Gerhard Sieber und benötige dringend Pflege. Sofort wird er behandelt, die Formalitäten können warten. Doch als sich das Personal Tage später darum kümmert, wird es stutzig: Immer mehr Ungereimtheiten tauchen auf – der Name des Patienten, der keinen Pass vorweisen kann, seine Adresse, seine Krankenkasse. Irgendetwas stimmt hier nicht.

27.07.1989
Gottfried Weise, wurde in einem Krankenhaus in der Schweizer Gemeinde Thun festgenommen, wo er sich wegen eines Schlaganfalls behandeln lassen hatte.
Der Krankenhauschef sagte, Weise habe bekannt gegeben, dass er in Westdeutschland gesucht wurde, und die Krankenhausbehörden riefen die Polizei ein. Weise wies den Krankenhausmitarbeitern darauf hin, dass er ohne Auslieferung freiwillig nach Westdeutschland zurückkehren werde, sagte Straubhaar.

Während des gesamten Verfahrens legt der Angeklagte ein zynisches Verhalten an den Tag: Er grinst scheint amüsiert und tickt wieder lässig mit dem Kuli auf die Tischplatte

31.07.1989
Der im April aus der Bundesrepublik geflüchtete NS-Kriegsverbrecher Gottfried Weise ist von der schweizerischen Hauptstadt Bern per Hubschrauber in die Justizvollzugsklinik Fröndenberg gebracht worden. Die Schweizer Behörden hatten den wegen Mordes an fünf Gefangenen im Konzentrationslager Auschwitz zu lebenslanger Haft verurteilten 68jährigen an die BRD überstellt. Weise war aus der BRD verschwunden, nachdem der Bundesgerichtshof sein Urteil bestätigt hatte.

Anfang 1992
Sein Sohn Burghard Weise fordert nun in Flugblättern die Wiederaufnahme des Verfahrens, da Weise unschuldig sei. Diese Flugblätter wurden seit Anfang 1992 u.a. über den Verteiler des Neonazis Wolfgang Juchem und bei Treffen von Neonazis aus unterschiedlichen Gruppierungen verteilt.

04.04.1997
Am 4. April 1997 erhielt er auf Betreiben des damaligen nordrhein-westfälischen Innenministers Franz-Josef Kniola (SPD) Haftverschonung aus gesundheitlichen Gründen.

Fall Nr.902
Kriminalität Kategorie: NS-Verbrechen in Haftzentren
Angeklagt:
Weise, Gottfried Ewald Franz Life Satz
Gericht:
LG Wuppertal 880128
Land, in dem das Verbrechen begangen wurde: Polen
Ort der Kriminalität: HS KL Auschwitz
Kriminalitätsdatum: 4406-4410
Opfer: Juden, Gefangene
Nationalität: Polnisch, unbekannt
Agentur: Mitarbeiter Der Haftanstalten KL Auschwitz
Gegenstand des Verfahrens: Erschießung von drei bereitgestellten Häftlingen Camp I. Schießerei (im Birkenau-Lager) eines achtjährigen Jungen und eines Siebzehn Jahre altes Mädchen nach der ersten Durchführung von Targeting-Übungen auf diesen Opfer
Veröffentlicht in Justiz und NS-Verbrechen Vol. XLVII

Bundesarchiv
B 141/104043 Gottfried Weise.- Mord im KZ Auschwitz-Birkenau; Ernst August
König, SS-Blockführer im KZ Auschwitz-Birkenau, 1989

Bundesarchiv
DP 3/2222 Bd. 115, 1983, u.a. Gottfried Weise (KZ Auschwitz)