Bezeichnung: Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald

Gebiet
Deutschland, Bundesland Niedersachsen, Landkreis Göttingen

Gebiet heute
Duderstadt liegt im Untereichsfeld im südlichen Harzvorland nahe der Landesgrenze zum Freistaat Thüringen.
1973 kam Duderstadt mit fast allen anderen Gemeinden des Landkreises Duderstadt zum neu gebildeten Landkreis Göttingen.

Unterstellung
Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Es diente finanziell dem Vorteil des Polte-Werks wie der SS. Dem Polte-Werk standen billige Arbeitskräfte zur Verfügung. Vier Reichsmark mussten pro Arbeitstag eines Häftlings gezahlt werden – an die SS. Die Gefangenen selbst erhielten davon nichts. Sie waren gegen Entgelt verliehene Arbeitssklaven.

Eröffnung
Das Duderstädter Außenkommando wird erstmalig im Oktober 1944 in den Akten der Stadtverwaltung genannt. Am 24. Oktober reichte Polte Duderstadt den Bauantrag für die Errichtung eines Zaunes um das KZ-Außenlager beim Bauamt ein.
Die Firmenleitung hatte bei der SS die Zuweisung von KZ-Häftlingen für das Werk Duderstadt beantragt. Angehörige der Firma Polte suchten 750 für Duderstadt bestimmte Frauen in Bergen-Belsen persönlich aus.

28.05.1944
78 zwangsverpflichtete Jüdinen werden ins Konzentrationslager Auschwitz überstellt.

Evakuierung
am 05.04.1945 in Richtung Theresienstadt

Schließung

Beschäftigte
Zivilarbeiter, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Frauen aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen
Auf der untersten Stufe der nationalsozialistischen Rassenskala standen die jüdischen KZ-Häftlinge im Polte-Werk. Es waren junge Mädchen und Frauen aus Ungarn. 1944, nach der Besetzung Ungarns durch die Wehrmacht, waren sie als Juden zunächst entrechtet, ihrer wirtschaftlichen Lebensgrundlage beraubt, dann in Ghettos zusammengepfercht und schließlich nach Auschwitz deportiert worden. Dort entgingen sie der Ermordung in den Gaskammern, weil sie bei den Selektionen als arbeitsfähig eingestuft wurden. Von Auschwitz transportierte die SS die Frauen in das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Nach Duderstadt gelangten sie auf Veranlassung der Polte-Hauptverwaltung in Magdeburg.

Beschäftigte (gesamt)
00.01.1944
2487

07.11.1944
747 jüdische Frauen aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen

Geschlecht

Einsatz der Häftlinge bei
Polte-Werke, Duderstadt

Art der Arbeit

Lagerausstattung
Die SS hatte eine strenge Sicherung dieses Lagers verlangt. So stellte das Polte-Werk Duderstadt im Oktober 1944 einen Bauantrag für die Errichtung eines Lagerzauns und dokumentierte auch dadurch den damaligen Rassenwahn: 2,50 Meter hoch sollte der Zaun sein und auf der Innenseite bis oben hin mit Stacheldraht und elektrisch geladenen Drähten versehen werden; nach außen eine Verbretterung, zwei Meter hoch und an den Straßenseiten lückenlos als „verstärkter Zaun“ das Lager vor Blicken abschirmend; zum Lager hin, und zwar in einem Abstand von einem Meter, ein weiterer „Schutzzaun“, 1,5 m hoch, aus Holzpfosten und Stacheldraht.

Ausstattung der Insassen

Lageralltag

Wachmannschaft
Die Unterkunft der Wachmannschaften, SS-Leute und SS-Aufseherinnen, befand sich im Hauptgebäude der Möbelfabrik. Die Aufseherinnen waren aus der Belegschaft des Polte-Werks dienstverpflichtet und zwei Wochen im Konzentrationslager Ravensbrück ausgebildet worden.

Bemerkungen
Mit der noch unbestimmten Bezeichnung „Duderstadt bei Göttingen“ wurde das Frauen-Außenlager Duderstadt des KZ Buchenwald im Anhang zu Dokument F 321 im Hauptkriegsverbrecherprozess 1945/46 vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg erwähnt.

Berichte von Überlebenden

Bericht einer bei Polte Duderstadt zwangsverpflichteten Jüdin:
An 29. Mai 1944 (Pfingsten) haben sie uns waggoniert und in einen kleinen Waggon 78 Personen hineingepfercht. Wir sind nach zweitägiger Reise in Auschwitz angekommen. Nach der Trennung nach Geschlechtern kamen wir ins Bad, wo sie uns alle Sachen wegnahmen, uns kahlgeschoren und uns ein einziges schlechtes Kleidungsstück gaben. Mit Nadel und Tinte haben sie in unsere Hände die Nummern hineingestochen. Sie brachten mich im Lager C unter. Bevor sie uns auf Blocks verteilt hatten, standen wir von morgens früh bis Mitternacht in strömenden Regen. Wir schliefen zu 14 auf einer Holzpritsche und bekamen ungenießbare Kost. Gras und Kohlestückchen schwammen in der Suppe herum. Vielleicht waren auch kleine Kieselsteine drin, weil es zwischen den Zähnen knirschte, wenn wir aßen. Wir bekamen täglich 250 Gramm Brot, das schlecht und bitter war. Täglich zwei mal gab's Appell. Wir standen in der Früh von 3 bis 8 Uhr und am Nachmittag von 3 bis 6 Uhr, alle zwei Wochen wurden wir desinfiziert. Bei dieser Gelegenheit mussten wir nackt die Lagerstraße entlanggehen. Nach der Desinfizierung waren wir einen Tag lang ohne Kleider und Decken. Dann wurden uns die Kleider zugeschmissen und die einen bekamen welche, die anderen keine. Es kam auch vor, dass einer zwei Kleider bekam, aber das zweite hätte er nicht hergegeben, weil wir hier Tiere waren und keine Menschen".

Buchenwald Häftling 42628
Ich war 14 Jahre alt, und obwohl ich eine gute Schülerin war, wurde ich wegen diverser Judengesetze gar nicht mehr am Gymnasium aufgenommen. Wir wurden mit einem gelbem Stern gekennzeichnet und man verschleppte uns ins Ghetto. Hier wurden wir zu 80 Menschen, von all ihrem Hab und Gut getrennt, in einen Viehwaggon gepfercht, und in ein Lager mit dem Namen Auschwitz deportiert, wo sie 22 meiner Familienmitglieder in die Gaskammer brachten und danach verbrannten, zusammen mit meinen jüdischen Klassenkameradinnen.