Transport 19.10.1944 Theresienstadt

Auschwitz

Transportliste

Dieser Transport bestand aus
1499 Personen, hiervon sind 1421 gestorben, 72 haben überlebt, 6 gelten als verschollen.

Dieser Transport bestand aus Nummer:
Es-23,
Es-98, Es-99, Es-106, Es-272, ES-346, Es-429, Es-580, Es-713

Die Betroffenen erhielten eine Transportnummer, die gleichsam zu einem Bestandteil ihres Namens wurde und im amtlichen Verkehr angegeben werden mußte. Man hatte etwa die Transportnummer W 982 oder AA 475 oder Cv 13, was besagte, daß die Person mit dem Transport W oder AA oder Cv nach (Ort, Lager) gekommen war und in der entsprechenden Transportliste unter der Position 982, 475 oder 13 geführt wurde. Die Transportlisten wurden mehrfach ausgefertigt und dem Kommandanten der deutschen Begleitmannschaft mitgegeben, wo je ein Durchschlag an das Zentralsekretariat und an die Zentralevidenz, also an jüdische Stellen gelangte.

Auch die Transporte aus anderen Ländern brachten in der Regel Verzeichnisse mit, aber ohne Bezeichnungen, die im Lager übernommen worden wären. Endgültige Listen (mit der Häftlingsnummer) aber wurden erst im Lager oder in der Zentralevidenz angelegt, sofern sie überhaupt aufgenommen wurden, und nicht vorher ermordet wurden.
Als Grundlage wählte man römische Ziffern von I bis XXVI, jede einem oder mehreren Ankunftsorten vorbehalten, die meist den einzelnen Gestapobereichen entsprachen. So besagte I Berlin, IV Wien und XXIV Holland. Den einzelnen Transporten wurde eine arabische Nummer zugesetzt, so war I/90 der neunzigste Transport aus Berlin. Die Transportnummern wurden diesen Deportierten in fortlaufender Reihenfolge zugewiesen, so daß sich die individuellen Nummern, z.B. unter römisch I, nicht wiederholten und die Personalziffern bei Berlin, Wien usw. in die Tausende gingen.

Manes Philipp, der später selbst ermordet wurde, schrieb in seinem Tagebuch unter dem 18. Oktober 1944 über die Vorbereitungen für diesen Transport nach Auschwitz: Viele Freunde sind eingereiht. Dr. Dreyer mit seiner famosen Frau. Er leitete die Kriegsbeschädigten-Abteilung vorbildlich.

Aus einer Mitteilung des Tschechischen Roten Kreuzes vom 25.05.1951 geht hervor, dass der Transport Es als Todestransport anzusehen ist, von dem weniger als 10 Prozent nach dem Krieg zurückkehrten.


Namensliste

Adelsheimer Paula
* 03.09.1914 in Göppingen
Wohn- und Aufenthaltsorte:
Göppingen; Frankfurt am Main
Kinderhaus der Weiblichen Fürsorge (1939); Heilbronn
Beruf: Säuglingskrankenschwester
Deportationsdaten: 22.08.1942 ab Stuttgart nach Ghetto Theresienstadt (XIII/1-843);
19.10.1944 nach Auschwitz/Vernichtungslager
Sterbedatum und -ort: 19.10.1944 Auschwitz/Vernichtungslager


Margarete Adelsheimer
Die jüdische Krankenschwester Margarete Adelsheimer, genannt Gretchen, wurde am 31.5.1886 in Wandsbek bei Hamburg geboren. Sie war die Schwester von Sarah Adelsheimer. Im I. Weltkrieg arbeitete sie in der deutschen Sanitätsmission in Bulgarien, versorgte Verwundete an der Front, begleitete Lazarettzüge. Für ihren Einsatz wurde sie mit Orden und Ehrenabzeichen ausgezeichnet. Da sie in der Zeit ihres Einsatzes an Malaria erkrankte, bekam sie später eine Rente zuerkannt. Nach Kriegsende arbeitete sie im Jüdischen Krankenhaus Frankfurt.
1925 heiratete sie den Stuttgarter Religionsoberlehrer Alexander Adelsheimer. Das Ehepaar bekam zwei Töchter. Ihr Ehemann starb 1933. Ihre Töchter konnten wie ihre Schwester offenbar nach Palästina auswandern, denn 1941 schrieb sie ihnen nach Tel-Aviv, dass sie nach Theresienstadt käme. Am 23.8.1942 traf sie im Ghetto Theresienstadt mit dem Transport XIII/I ein. In Theresienstadt arbeitete sie wieder als Krankenschwester und leitete eine Krankenstation. Am 19.10.1944 wurde sie nach Auschwitz verschleppt. Seit diesem Tage fehlt jedes Lebenszeichen von Margarete Adelsheimer.