Aktenzahl des Gerichts (Geschäftszahl): LG Wien Vg 1i Vr 1356/49

Prozess wegen Misshandlung/Beleidigung/Kränkung, Arisierungsprozess

Opfer
Juden/Jüdinnen

Tatland (Tatort)
Wien, Niederösterreich

Volksgerichtsverfahren gegen:
Raimund Kopietz
Rudolf Stix

wegen
Verletzung der Menschenwürde und Misshandlung von Juden/Jüdinnen in Wien im Jahre 1938, missbräuchlicher Bereicherung in Wien und St. Veit an der Gölsen (Niederösterreich) im Jahre 1938

Verlauf der Vorerhebungen/Voruntersuchung bzw. des Gerichtsverfahrens

Am 15.09.1948 wurden Raimund Kopietz und STIX zu je 10 Jahren schweren Kerkers verurteilt.

Nach Überprüfungsantrag von Rudolf Stix am 29.01.1949 wurde das Urteil am 09.04.1949 vom Obersten Gerichtshof im Ausspruch, dass die Tat der beiden Angeklagten einen wichtigen Nachteil der Helene Karpeles an ihrer Gesundheit zur Folge hatte, und bezüglich des Strafausmaßes aufgehoben, die Sache zur neuerlichen Verhandlung und Entscheidung an das gleiche Volksgericht verwiesen.

Am 27.12.1950 wurden Rudolf Stix und Raimund Kopietz zu je 2 1/2 Jahren schweren Kerkers verurteilt (im Wiederaufnahmeverf. wurde der niedrigere Strafsatz des § 3 KVG angewendet).

Einbezogene Akten
21b Vr 591/45 (Raimund Kopietz, §§ 171ff u.a. StG)
Vg 11g Vr 6885/46 (Rudolf Stix, §§ 3, 4 KVG)

Beitrag ist kein Bestandteil der Gerichtsakte

Karpeles-Schenker (geb. Stiassny), Helene * 27 Juli, 1879
+ 04. Dezember 1974 London
Ihre Urne wurde am 17. Januar 1975 auf dem Zentralfriedhof Wien 6-1-5 beigesetzt

Im Mai 1938 flüchtet Helene Karpeles-Schenker nach England

Adresse vor ihrer Flucht
Wien XIX., Kreindlgasse 6; Schindelsthal bei St. Veit an der Glan, Kärnten

Helene Karpeles-Schenker heiratete Emil Karpeles-Schenker am 25. März 1900 in Brno (Mähren)
Emil war Seniorchef der Firma Schenker & Co. und Erbe des Firmeninhabers, Gottfried Schenker,
* 14. Februar 1842 in Däniken, Kanton Solothurn, Schweiz, + 26. November 1901 in Wien

Firmen:
„Schenker & Co.“, Wien I., Hoher Markt 12 mit Filialen in Linz und Salzburg und Niederlassungen u.a. in Deutschland, Ungarn, Polen, Dänemark und Belgien

Besitztümer:
U.a. Villa Karpeles-Schenker in Wien XIX., Kreindlgasse 6; Jagdvilla in Schindelsthal bei St. Veit an der Glan, Kärnten

Sammlung:
Die Sammlung umfasste Gemälde u.a. aus dem 15.- 17. Jahrhundert, Kunsthandwerk.

Enteignung:
1938 Einzug der Villa Karpeles-Schenker sowie der Jagdvilla in Schindelsthal; im Juli 1938 Verwahrung einiger Stücke der Sammlung Karpeles-Schenker durch das Kunsthistorische Museum; 1941 Veräußerung des beschlagnahmten Übersiedlungsgutes durch die VUGESTA.

Restitution:
Nach Kriegsende wurden die 1938 beschlagnahmten Gegenstände mehrheitlich an die Familie Karpeles-Schenker restituiert.

Nach 1945
Schenker-Rhenus AG
Schenker-Rhenus AG ist eine internationale Spedition und Transport Organisation im Jahr 1991 durch den Zusammenschluss von Schenker & Co. GmbH und Rhenus-Weichelt AG gebildet. Die Gruppe ist eine Tochtergesellschaft der Stinnes AG (80 Prozent, die Deutsche Bundesbahn hat eine 20 Prozent Beteiligung), die sich in der VEBA-Konzern integriert ist. Mit mehr als 20.000 Mitarbeitern weltweit ist 600 Büros in mehr als 120 Ländern und einem Jahresumsatz von 11 Mrd. DM, Schenker-Rhenus einer der weltweit größten Transportunternehmen.
Die Gruppe in ihrer heutigen Struktur hat vier operative Gesellschaften: Schenker Eurocargo AG, Rhenus-Weichelt AG, Schenker International AG und Schenker Waggon-und Beteiligungs AG. Schenker Eurocargo AG und Rhenus-Weichelt AG bilden zusammen den größten Geschäftsbereich des Unternehmens, einschließlich aller europäischen Verkehr. Diese Aufteilung entfallen 13.000 Mitarbeiter und hat einen Jahresumsatz von DM6.5 Milliarden Euro. Es verfügt über 255 Niederlassungen in Europa, davon 120 in Deutschland. Schenker International AG besteht aus der Gruppe der weltweiten Luft-und Seefracht Transportgeschäft. Diese Aufteilung hat 345 Niederlassungen, 6.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 4 Milliarden Euro. Die kleinste Sparte Schenker Waggon-und Beteiligungs AG, verantwortlich für die Vermarktung von Waggons in ganz Europa und für den Fährverkehr zwischen Deutschland und Finnland. Schenker Waggon-und Beteiligungs AG hat 1.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 500 Millionen pro Jahr.

Quellen:
Lillie, Sophie, „Was einmal war – Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens“, Wien 2003
Geschichte der Schenker-Rhenus AG
eigene Forschung