Familie Eschelbacher

Im Rheinland, wo die Bestattungsfeier von Ernst vom Rath stattfinden soll, entfesselte sich der Pogrom. Der Düsseldorfer Rabbiner Dr. Max Eschelbacher, der gerade mit seiner Frau Bertha geb. Kahn von einem Besuch bei Freunden zurückgekehrt ist, erhält gegen Mitternacht einen Anruf von Frau Blumenthal Henriette geb. Vasen, die in der Nähe der Gemeindegebäude wohnt. Eine Stimme, die vor Entsetzen bebt, schreit: „Herr Doktor, sie zertrümmern das Gemeindehaus und schlagen alles kurz und klein, sie schlagen die Menschen, wir hören ihr Schreien bis hierher.“

Ich dachte, in das Gemeindehaus zu gehen, obgleich ich dort nicht helfen konnte. Aber fast im gleichen Augenblick läutete es heftig an der Haustür. Ich löschte die Lichter aus und sah hinaus. Der Platz vor dem Haus war schwarz von SA-Leuten.
Im Augenblick waren sie oben und hatten die Flurtür eingedrückt. Sie drangen in die Wohnung unter dem Chorus >Rache für Paris! Nieder mit den Juden!< Sie zogen aus Beuteln Holzhämmer heraus, und im nächsten Augenblick krachten die zerschlagenen Möbel und klirrten die Scheiben der Schränke und der Fenster. Auf mich drangen die Kerle mit geballten
Fäusten ein, einer packte mich und schrie mich an, ich solle herunterkommen. Ich war überzeugt, daß ich totgeschlagen werde, ging ins Schlafzimmer, legte Uhr, Portemonnaie und Schlüssel ab und nahm Abschied von Berta. Sie sagte nur: „Chasak!“ (sei stark)
Wie ich die Treppe heruntergekommen bin, weiß ich selber nicht. Unten war die Straße voll von SA-Leuten. Es mögen im ganzen, mit denen im Hause, 50-60 Mann gewesen sein. Ich wurde mit dem Ruf empfangen: >Jetzt predige mal!< Ich fing an, vom Tod des Herrn vom Rath zu sprechen, daß seine Ermordung ein Unglück mehr für uns als für das deutsche Volk sei, daß wir keine Schuld an seinem Tode tragen. Es entspann sich ein regelrechter Disput: >Denkst du noch, wie du in der Tonhalle gehetzt hast, wie du über Religion und Judenhaß geredet hast? < Unser Hausmeister Sinn sagte mir, ein Mann sei hinter mir gestanden und habe mir mit einem Stuhlbein den Schädel einschlagen wollen, aber Walter habe ihn daran gehindert. Ich weiß das nicht, ich höre nur Walter sagen: >Wenn Sie unter der GPU wären, hätten Sie schon lange die Kugel, die Ihnen gebührt.<
Um die Ecke, in der Stromstraße, sah ich die Straße bedeckt mit Büchern, die aus meinem Fenster geworfen worden waren, mit Papieren, Akten, Briefen. Zertrümmert lag auf der Straße meine Schreibmaschine. Während sich das alles abspielte, waren die SA-Leute bei Wertheimers in der Etage unter uns eingedrungen, hatten dort sehr viel zerstört, Herr Wertheimer und seine Frau aus dem Bett geholt und heruntergebracht. Ich selber wurde von einem SA-Mann gepackt und in einem großen Bogen über die Straße an das Haus geschleudert. Ich wurde dann in den Hausgang geworfen und zwischen der Wand und dem Lift eingesperrt. Dann kam der Kreisleiter und sagte: „Ich nehme Sie in Schutzhaft.“
Nun begann der Marsch zum Polizeipräsidium. Ein Trupp SA-Leute zog voraus. Dann kam ich, eskortiert von zweien. Dann wieder ein Trupp SA-Leute, sodann Herr Wertheimer, in gleicher Weise geleitet, dann durch einen weiteren Trupp SA-Leute, von uns getrennt, Frau Wertheimer im Pyjama und dann zum Schluß wieder eine Gruppe SA-Leute. Auf dem ganzen Weg sangen sie im Sprechchor: >Rache für Paris! Nieder mit den Juden! < Einer sagte nur: >Jetzt könnt ihr Laubhüttenfest feiern. < Passanten, die uns begegneten, stimmten auch ein. Etwa um 12.20 Uhr kamen wir im Polizeipräsidium an.

Rabbiner Dr. Max Eschelbacher ist noch leidlich davongekommen. Paul Marcus, der Inhaber des Cafe-Restaurants Karena, flüchtet, als sein Lokal völlig zerstört ist, und wird in der Nacht erschossen. Am Morgen wird er am Martin-Luther Platz tot aufgefunden. In dem benachbarten Hilden werden Frau Willner und ihr Sohn Ernst sowie Carl Herz und Nathan Mayer erstochen oder erschossen. Nachdem sein Haus geplündert und er selbst schwer mißhandelt worden ist, geht – ebenfalls in Hilden – der 68jährige Dr., ein assimilierter Jude, der mit einer Nichtjüdin verheiratet ist, mit seiner Frau und dem alten >arischen< Dienstmädchen in den Garten, wo sich alle drei vergiften.
Die Leichen der fünf ersten Opfer wurden von der Gestapo beschlagnahmt. Erst am 15. November wurden sie von der Polizei in geschlossenen Särgen zur Beerdigung freigegeben, an der kein Jude, außer dem Kantor, teilnehmen durfte. Statt der Juden waren mehrere Beamte der Gestapo anwesend. Wegen dieser Morde sowie wegen derjenigen an dem siebzigjährigen Stefan Goldschmidt und an Lewkowitz wurde keine gerichtliche Untersuchung eingeleitet.

Viele Juden wurden schwer verwundet. So lag die Frau des ermordeten Paul Marcus mit Bauchschüssen lange im Städtischen Krankenhaus in Düsseldorf. Besuch war nicht gestattet. Bevor sie Ende Januar 1939 in das Jüdische Krankenhaus von Köln überführt wurde, erpresste die Gestapo eine Erklärung, daß ihr Mann Selbstmord begangen habe.
Im Düsseldorfer Krankenhaus lagen auch Oskar Koch und Simon Eimer. Koch hatte sieben Schuß- und Stichwunden. Seine Hände eiterten. Eimer war in der Nacht aus dem Fenster gesprungen, hatte zwei Beinbrüche und einen schweren Beckenbruch erlitten. Im katholischen Krankenhaus befand sich die Frau von Dr. Oppenheimer mit einer schweren Schädelverletzung. Im gleichen Zimmer lag die siebzigjährige Frau Gabriel, die auch aus dem Fenster gesprungen war, um den Angreifern zu entkommen. In der Nacht des Pogroms war das katholische Krankenhaus überfüllt mit verwundeten Juden, die hier die erste Pflege erhielten. Den Chemiker Dr. Schneider hatte man infolge der erlittenen Mißhandlungen bewusstlos auf der Straße gefunden. Dr. Lehmann litt an einer schweren Gehirnerschütterung. Rabbiner Klein und Frau waren blau und grün, weil man sie geschlagen und anschließend von Stufe zu Stufe die Treppe hinuntergestoßen hatte. Rudolf Weil, der auch auf den Kopf geschlagen wurde, starb einige Wochen später. Der alte Gustav Oppenheim und seine Frau wurden derart geschlagen, daß man sie für tot hielt und vor der Haustür liegen ließ. Beide wurden einige Tage später in eine Nervenheilanstalt nach Berlin gebracht. Doch die SA-Männer begnügten sich nicht mit dieser Beute.
Sie drangen in das nächste Schlafzimmer, um die Schwiegertochter Oppenheims, Frau Martha Cohn, zu suchen, und schrien: >Wo ist die Hure des Alten?<
Als sie ins Schlafzimmer gelangten, zerrten sie Martha Cohn heraus, rissen ihr das Nachthemd hinten auf und schlugen sie blutig. Ein SS-Mann kam hinzu, zerrte sie die Treppe hinunter und flüsterte ihr zu: >Kommen Sie mit, ich kann das nicht mehr mitansehen.< Er schleifte sie hinunter und versetzte ihr an der Haustür einen Stoß, so daß sie über ihre am Boden ausgestreckt liegende Schwiegermutter auf die Straße flog. Von dort wurde sie barfuss und lediglich mit dem zerrissenen blutigen Nachthemd bekleidet ins Polizeipräsidium geführt. Dort gab man ihr eine Schürze, um sich zu bedecken. Lange noch waren die Spuren der Misshandlung an ihrem Körper zu sehen, und sie trug eine chronische Bronchitis als Schaden davon.
Nicht besser erging es Oberlandsgerichtsrat Ephraim, dem der Kiefer eingeschlagen worden war, so daß er wochenlang nur mit Flüssigkeit wie ein Säugling gefüttert werden mußte. Die Straßen der Stadt boten ein klägliches Bild. Beim Schneider Albert Wolf, einem armen Mann, der in der Dorotheenstraße wohnte, hatten die SA-Männer Salzsäure in die Betten geschüttet, Möbel und Nähmaschinen zerschlagen. Bei Dr. Zandy, in der Bismarckstraße, wie bei vielen anderen, waren Möbel und Wertgegenstände aus dem Fenster hinausgeworfen worden. Bei armen Leuten in der Hüttenstraße war der ganze Hausrat auf die Straße geschleudert worden. Bei jüdischen Ärzten hatte man die kostbaren Instrumente zerstört. Die vollständige Röntgeneinrichtung von Dr. Max Löwenberg wurde mit einer solchen Sachkenntnis zerstört, daß nur ein Experte die Anweisungen dazu gegeben haben konnte.

Im Gegensatz zu dem, was sich an anderen Orten ereignet hatte, hatten alle führenden Männer von Düsseldorf an diesen Zerstörungen teilgenommen. Man behauptete, daß der Bürgermeister, Dr. Otto, persönlich die Leitung der Demolierung des Modegeschäfts Steinberg in der Königsallee übernommen habe. Allerdings nahm auch der Rektor der Würzburger Universität persönlich an den Ausschreitungen in seiner Stadt teil.

Die Düsseldorfer Synagoge mit den zerschlagenen Fenstern, der ausgebrannten Kuppel und den zum Himmel emporragenden Sparren war durch einen hohen Bretterzaun umgeben. In der Pogromnacht sollen unter den Zerstörern auch Ärzte des Städtischen Krankenhauses und einige Landgerichtsräte gewesen sein. Das Benzin, um den Brand anzufachen, war aus der Flora-Apotheke am Schadowplatz, der Teer von anderen Orten herbeigeschafft worden. Die Thorarollen, die man aus dem Schrein geholt hatte, waren im Hof verbrannt worden, wobei die Brandstifter zum Teil in den Ornaten der Rabbiner und Kantoren um sie herumtanzten.
Dem Rabbiner dieser einst blühenden Gemeinde Deutschlands hatte man unterdessen mit anderen Leidensgenossen im Aufnahmeraum der Polizei alles abgenommen. Dr. Eschelbacher bat, daß man ihm wenigstens die Hosenträger lasse: >Ich werde mich nicht erhängen. < >Schade<, erwiderte einer der Wachhabenden. >Sie leben lieber, < meinte ein zweiter. >Ihr Juden<, bemerkte ein SA-Mann, der in der Nähe stand, >habt ja nichts, wofür es sich lohnt, zu leben oder zu sterben.< Darauf Dr. Eschelbacher: >Sie wissen nicht, was ein Jude ist.< In diesem Augenblick kam seine Frau, die ihm Wäsche, Kamm und Bürste brachte und sagte ihm nochmals „Chasak“ (sei stark!)
>Die Nacht in der Zelle war furchtbar<, erinnert sich Dr. Eschelbacher. Ständig, hörte man Wagen anfahren. Ich ahnte, daß nicht nur Wertheimer und ich verhaftet waren, sondern auch ein großer Teil der Gemeinde. Um 2 Uhr wurde plötzlich das Licht angedreht, ein Polizeimajor kam mit einem Schutzmann herein und fragte mich, ob außer der Synagoge in der Kasernenstraße es noch eine andere Synagoge in Düsseldorf gäbe. Ich sagte nein. Am anderen Morgen um 6 Uhr sah ich beim

Waschen flüchtig eine ganze Reihe von Gemeindemitgliedern – konnte aber nicht mit ihnen sprechen.
Die drei folgenden Tage wird der Rabbiner mit drei nicht praktizierenden Juden in eine Zelle gesperrt. Doch wenn er betet,stehen sie auf und setzen, wie es der jüdische Brauch erfordert, ihren Hut auf. Soweit sie es noch können, beten sie sogar mit. Anschließend erklärt ihnen Dr. Eschelbacher die Psalmen und lehrt sie die Hymne von Jehuda Halevi, >Jaawer olai rezonokh<, die sie zutiefst bewegt. Damit keiner der Apathie der Gefangenschaft erliege, macht er mit ihnen Leibesübungen, soweit es der Platz in der Zelle erlaubt. Aber die Gespräche der vier Häftlinge drehen sich immer wieder um ihr ungewisses Schicksal, Neben den gemeinsamen Sorgen haben Berger und Lesser noch eine besondere Angst. Beide haben eine Mischehe geschlossen, d.h. sie leben mit nichtjüdischen Frauen und fragen sich, ob ihre Ehe diesen Schicksalsschlag überstehen wird, zumal Frau Lesser darauf bestanden hat, daß ihr Sohn katholisch erzogen werde und während der Haft ihres Mannes bereits die Scheidung eingereicht hat. Der furchtbaren Probe dieser und späterer Tage ist eine Ehe zwischen Juden und Nichtjuden nicht immer gewachsen.
Durch das Zusammenleben auf engstem Raum – wenn man so eng gepfercht liegt, daß keiner sich herumdrehen kann, wenn einer schnarcht, wenn man friert, weil es zu wenig Matratzen und Decken gibt – entstehen weitere Probleme. Um halb sechs muß man aufstehen und sich dann beeilen, sich zu waschen, da nur drei Minuten zur Verfügung stehen. Gelegentlich gelingt es, verstohlen ein paar Worte mit Bekannten zu wechseln. Der Aufseher, einem solchen Massenbetrieb nicht gewachsen, sind kurz und angebunden, oft grob, aber nicht bösartig, im Gegensatz zur SA und SS quälen sie die Gefangenen nicht unnötig. Das Essen ist meistens vollkommen wässerig: Ersatzkaffee, Kartoffelsuppe, Erbsensuppe und dergleichen. Es besteht kein Mangel an Brot und Wasser, das Wasser wird aber zur Vorsicht, daß sich keiner mit Glasscherben die Pulsadern aufschneide, in Zinnkrügen aufbewahrt, so daß es unangenehm warm und ekelhaft im Geschmack ist.
Am dritten Tag tritt eine große Wendung im Leben des Düsseldorfer Rabbiners ein. Um zehn Uhr öffnete sich die Tür, eine große Frau mit einem Schlüsselbund stand davor und winkte mir, ohne ein Wort zu sagen. Sie führte mich in eine kleine Einzelzelle, Nr. 105, und in dieser habe ich dann die folgenden 9 ½ Tage verbracht. Die Frau fragte mich, ob ich etwas lesen wollte, meinte allerdings, sie würden wohl schwerlich etwas für mich haben. Nach einer halben Stunde brachte sie mir aber doch den ersten Band der gesammelten Werke von Jean Paul. Ich begann, den großen Roman vom Armenadvokaten Siebenkäs zu lesen. Er brachte mir eine unerwartete Stärkung. Ein merkwürdiger Zufall will, daß eine Stelle mit der Erzählung (Midrasch) von der ersten Nacht nach der Vertreibung Adams und Evas aus dem Garten Eden übereinstimmt, über die Dr. Eschelbacher am Versöhnungstag (Jom Kippur) gepredigt hat: >Als die Sonne unterging, klagte er, Wehe mir, weil ich gesündigt habe, verfinstert sich die Welt und kehrt zum Tohuwabohu zurück, und das ist der Tod, der vom Himmel über mich verhängt ist.< Er saß die ganze Nacht über und weinte, und neben ihm saß Eva und weinte. Als aber die Sonne aufging, sagte er: >Es ist der Lauf der Welt, und er brachte ein Opfer dar. < Als dem Helden in Jean Pauls Roman klar wird, daß sein Lebensbund sich auflöst, heißt es: >Es ging ihm wie Adam in den Epopäen, der die erste Nacht seines Lebens für den Untergang der Welt hält und der am Morgen, da die Sonne aufgeht, merkt, daß das der Lauf der Welt ist!<
So spendet inmitten der Verfolgung der Einklang von Talmud und deutscher Literatur dem Düsseldorfer Rabbiner Trost. Ein anderer Trost wird ihm zuteil, als ein Wärter ihm das Gebetbuch überreicht, das nach seiner Verhaftung im Aufnahmezimmer der Polizei geblieben war. So verbringt er die darauffolgenden Tage in ernster Auseinandersetzung mit Gott, der Menschheit, dem Judentum und sich selbst. In der Nachbarzelle sitzt seit zwei Jahren Dr. Franke in Schutzhaft, der früher Privatdozent für neuere Geschichte an der Berliner Hochschule für Politik und Generalsekretär der katholischen Studentenverbindungen Deutschlands war. Durch ihn, der Zeitungen beziehen darf, kann er die Frankfurter Zeitung lesen und erfahren, was sich im Reich abgespielt hat.
Trotz dieser Erleichterungen fällt Dr. Eschelbacher die Haft schwer wegen der furchtbaren Ungewissheit und des Bewusstseins der vollkommenen Verlassenheit. Nur ein einziges Erlebnis in den zwölf Tagen seiner Haft heitert ihn auf. Am Samstag, 19. November, erschien in der Zellentür ein Wachtmeister, zog ein langes Ding, eingehüllt in weißes Papier, aus seiner Tasche und überreichte es mir mit den Worten: >Ihre Leidensgefährten unten schicken Ihnen das und lassen Sie grüßen.< Die 52 im Keller untergebrachten Gefangenen der Novembernacht hatten ihm als Gruß eine große Mettwurst überreichen lassen. Ich dankte dem Aufseher, sagte ihm aber, ich könne das nicht essen, und er möge es mit meinem besten Dank wieder zurückbringen. Er meinte, die anderen essen das doch auch, worauf ich ihm sagte, wir hätten unsere Speisegesetze und jeder müsse das mit seinem Gewissen abmachen. Aus dieser Geschichte entwickelte sich eine Legende, die im Gefängnis anscheinend nicht wenig Eindruck gemacht hat. Es wurde von den Aufsehern erzählt, mein Kerkermeister habe gesagt: >Das sieht ja niemand,< worauf ich gesagt hätte: >Gott sieht es!<
Am 22. November wird Dr. Eschelbacher mit einigen Gemeindemitgliedern aus der Haft entlassen, die meisten sind mittlerweile nach Dachau gekommen. Von seiner Wohnung ist wenig übriggeblieben. Viele Scheiben sind zertrümmert, Bilder aufgeschnitten oder zerrissen, die Möbel restlos beschädigt. Die Bücher, Akten, die Privatkorrespondenz aus annähernd vierzig Jahren sind auf die Straße geworfen und am nächsten Tag entweder von Fremden mitgenommen oder verbrannt worden. Doch können Dr. Eschelbacher und seine Frau dank der Hilfe von Londoner Verwandten am 26. Januar 1939, bis aufs letzte ausgeraubt, mit dem Gefühl einer unsagbaren Erleichterung noch auswandern, gleichzeitig aber auch mit der Gewissheit, >daß wir die Heimat und alles, was wir geliebt hatten, verloren hatten, daß es keinen Rückweg mehr gab, und daß nichts vor uns lag als eine dunkle Zukunft.<

Dr. Max Eschelbacher
Rabbiner zu Düsseldorf