Transport 02.11.1943 Riga

Auschwitz

Transportliste

Zur
Auflösung des Ghettos und dem Verblieb der Insassen

Am 2. November 1943 kam es zu einer letzten großen Selektion, mit der das Ghetto Riga faktisch aufgelöst wurde. Die letzten Arbeitskommandos hatten an diesem Morgen wie immer das Ghetto verlassen. Als sie zurückkehrten, war das Ghetto leer.
Alle älteren Menschen, die tagsüber im Ghetto blieben, um die Häuser zu putzen, alle noch lebenden Kinder und ihre Lehrer, alle Kranken waren weg. Diesmal ging der Transport nicht wie so oft vorher zu den Massengräbern im Wald von Bikernieki, sondern nach Auschwitz. Dort wurden nur wenige ins Lager geschickt, die allermeisten wurden von der Verladerampe aus gleich nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt.
Nach Angabe von Dr. Wolken, der im Quarantäne-Lager die Listen führte, kam der Transport aus Riga am 4. November in Auschwitz-Birkenau an, brachte aber nur 596 Menschen mit, von denen 476 vergast wurden.

Bericht eines Überlebenden
Die letzten 4000 Juden verließen das Ghetto am 2. und 3. November. Die arbeitsfähigen Überlebenden, meist Frauen, kamen in ein Arbeitslager, 2000 Kinder aber und einige Kranke und Gebrechliche wurden mit sehr wenig Nahrungsmitteln auf offene Güterwagen verladen. Die Kinder unter 12 Jahren sollten angeblich in ein Heim nach Deutschland gebracht werden, die Rigaer Juden glaubten aber, man beabsichtige nur, den Zug so lange hin und her zu rangieren, bis die Insassen erfroren und verhungert waren.

Ein Überlebender berichtet, dass der Zug nach Auschwitz gegangen ist und dass von den 2216 Insassen 600 auf der zehntägigen Reise gestorben sind. Dass man Juden aus Riga bis nach Auschwitz transportierte, erscheint mehr als seltsam, aber es gab im Generalgouvernement keine Todeslager mehr, und die Russen waren schon zu nah, als dass man es deutscherseits hätte wagen können, noch Massengräber auf freiem Feld anzulegen.