Abetz Otto

SS-Brigadeführer


SS-Brigadeführer Abetz Otto

1939 (NSDAP Mitgliedsnummer 7.011.453)
01.08.1935 (SS-Mitglieds-Nr. 253.314)

13.09.1936 SS-Untersturmführer
20.03.1938 SS-Obersturmführer
1939 SS-Obersturmbannführer
30.01.1942 SS-Brigadeführer

1932 Assessor
1934 HJ-Unterbannführer in Reichsjugendführung
1935 Frankreich-Referenet in der Dienststelle Ribbentrop
1938 Beim Stab SS-Hauptamt
1938 Hauptreferent West in der Dienststelle Ribbentrop
1940 - 1944 Deutscher Botschafter in Paris
09.11.1944 Beim Stab des RF SS

* 26. März 1903 in Schwetzingen † 5. Mai 1958 bei einem Autounfall auf der Autobahn Köln-Düsseldorf in Langenfeld (Rheinland)) war der Botschafter Deutschlands in Paris während des Zweiten Weltkriegs.

Zunächst studierte er in Karlsruhe, wo er anschließend Kunsterzieher und Biologielehrer an einer Mädchenschule wurde. Dabei engagierte er sich aber auch immer für die deutsch-französischen Beziehungen und war der Gründer des sogenannten Sohlberg-Kreises. Seit 1931 setzte er sich für die Ziele der NSDAP ein und unterhielt bereits Kontakte zu ehemaligen Frontkämpfern in Frankreich. Auch zu französischen Intellektuellen wie dem Herausgeber von Notre Temps Jean Luchaire knüpfte er Kontakte. Er heiratete sogar dessen Sekretärin Suzanne de Bruycker.

1934 wurde er beim Reichsjugendführer Frankreich-Referent, um schließlich im Januar 1935 in die Dienststelle Ribbentrop einzutreten. Abetz war ein persönlicher Vertrauter von Ribbentrop, der ihn 1930 für die NSDAP geworben hatte (wegen der Aufnahmesperre konnte er dieser erst 1937 beitreten). Nach dem Verbot der 1928 von Otto Grautoff gegründeten Deutsch-französischen Gesellschaft im Jahre 1934 gründete er im Herbst 1935 im Auftrag Hitlers eine neue Deutsch-französische Gesellschaft und wurde deren Geschäftsführer.

Auf zahlreichen Reisen nach Frankreich hielt er während dieser Zeit Vorträge und warb für das nationalsozialistische Deutschland. In seiner Eigenschaft als Mitarbeiter seiner Dienststelle, die dem Auswärtigen Amt und dem Außenpolitischen Amt der NSDAP unterstellt war und die die Außenpolitik des Dritten Reichs mitbestimmte, wurde er im Juli 1939 aus Frankreich ausgewiesen. Nach dem Ende des Frankreichfeldzuges kehrte er im Juni 1940 nach Paris zurück und erhielt im November desselben Jahres seine Akkreditierung als Botschafter des Deutschen Reiches bei der Regierung Pétain. Die Protektion des Außenministers Joachim von Ribbentrop hatten dem diplomatischen Quereinsteiger diesen wichtigen Posten verschafft. Abetz' Dienstsitz befand sich jedoch in Paris (Rue de Lille) und nicht in Vichy, dem Sitz der französischen Kollaborationsregierung.

Als Botschafter hatte er die Kontrolle über alle politischen Fragen im besetzten, wie auch im unbesetzten Frankreich. Abetz war damit auch Berater des deutschen Militärs und der deutschen Polizei in politischen Fragen. An der Deportation der französischen Juden nach Auschwitz war er maßgeblich beteiligt. Er drängte auf ein rechtzeitige Verteilung der gelben Judensterne und sorgte für eine Abstimmung mit den SS-Führern, wofür ihn Himmler 1941 ehrenhalber zum SS-Brigadeführer ernannte (Abetz hatte die NSDAP-Mitglieds-Nr. 7.011.453 mit Wirkung vom 1. Mai 1937. SS-Mitglieds-Nr. 253.314 vom 1. August 1935. Letzter Rang SS-Brigadeführer seit 30. Januar 1942. Er erhielt insgesamt 13 Auszeichnungen (der Nazis bzw. befreundeter Länder)).

Gleichzeitig war er schon 1940 am nationalsozialistischen Kunstraub im besetzten Frankreich beteiligt. Die Ausfuhr von 1.500 im Schloss Chambord ausgelagerten Kunstwerken wurde zwar durch Einspruch des deutschen Militärs verhindert, Abetz hielt sich aber dafür an beschlagnahmtem jüdischen Besitz (z.B. aus dem Palais Rothschild in Paris) schadlos.

Während der vier Jahre, in denen er den Posten als Botschafter innehatte, versuchte Abetz Franzosen zur Mitarbeit zu gewinnen und vom Nationalsozialismus zu überzeugen. In seinen antisemitischen Aktionen, wie z.B. der Vorschlag, staatenlose Juden zwangsweise zu enteignen und in den unbesetzten Teil Frankreichs und weiter in die Vernichtungslager im Osten abzuschieben, sah er eine Möglichkeit, den verbleibenden Rest eines Widerstandes und den Einfluss der Kirche und Armee innerhalb des Vichy-Regimes zu brechen.

Er war einer der energischsten Vertreter der Kollaboration auf deutscher Seite und setzte sich besonders für eine aktive französische Beteiligung im Krieg gegen Großbritannien ein. Der Höhepunkt seiner Karriere war dabei zweifellos das von ihm organisierte Treffen von Hitler und Pétain in Montoire-sur-le-Loir am 24. Oktober 1940, nach dessen Scheitern er zeitweise in Ungnade fiel.

Weiter setzte er sich besonders für den deutsch-französischen Kulturaustausch (im Verständnis der Nazis) ein und wollte für Frankreich einen angemessenen Platz im neuen, von Hitler gestalteten Europa erreichen. Hitler, der Frankreich nur als unterworfene Nation sah, vertraute aber weder den französischen Kollaborateuren, noch Abetz und unterstützte ihn nicht. Er sorgte dafür das der den Nationalsozialisten freundschaftlich gesinnte Schriftsteller Pierre Drieu la Rochelle Herausgeber der Nouvelle Revue Française wurde. Eine von ihm herausgegebene Liste politisch verbotener Bücher war im besetzten Frankreich als Liste Otto bekannt.

Nach der Besetzung der freien Zone verschwand Abetz für ein Jahr von der politischen Bühne; er selbst sagte, er habe eine diplomatische Krankheit gehabt. Ende November 1943 wurde er dann wieder als Botschafter eingesetzt.

Abetz floh bei Kriegsende mit Petain nach Sigmaringen und zog sich nach seiner Entlassung dann in seine mit geraubtem Kunstgut ausgestattete Villa in Baden-Baden zurück. Nach der französischen Besetzung tauchte er in einer Klinik im Schwarzwald unter. Am 25. Oktober 1945 wurde er in Todtmoos verhaftet und kam vor das Pariser Militärtribunal, wo ihn der Pariser Staranwalt René Floriot verteidigte. Wegen seiner Mitschuld an den Judendeportationen und an der Zwangsrekrutierung von Fremdarbeitern wurde er Juli 1949 zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, im April 1954 aber bereits auf freien Fuß gesetzt.

Abetz verbrannte am 5. Mai 1958 in seinem Auto in Langenfeld auf der Autobahn Köln-Ruhrgebiet, nachdem sein Wagen bei hoher Geschwindigkeit von der Fahrbahn abgekommen war. Seine Frau starb ebenfalls bei dem Unfall. Da als Ursache ein Lenkungsschaden festgestellt wurde, kam es zu Spekulationen, dass es sich um einen Racheakt gehandelt hätte. Das Auto war ihm kurz zuvor von einem Franzosen geschenkt worden. Eine Manipulation wurde jedoch nie bestätigt.

Auszeichnungen
KVK I ohne Schw.
KVK II ohne Schw.
Ehrendegen des RF SS
Totenkopfring der SS


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