Breslau (Dürrgoy Neudorfer Straße)

Bezeichnung: Schutzhaftlager (Braune Haus)

Gebiet
Breslau (Dürrgoy Neudorfer Straße)

Gebiet heute

Eröffnung
04.08.1933

Schließung
10.08.1933

Unterstellung

Häftlinge

Geschlecht

Einsatz der Häftlinge bei

Art der Arbeit

Lagerausstattung

Ausstattung der Insassen

Lageralltag

Bemerkungen
Kampf um Breslau


© 2009 tenhumbergreinhard.de (Düsseldorf)


Beschreibung des Lagers.
Achtzig Feldbettstellen standen in Doppelreihen übereinander in der Baracke, hundertzwanzig Häftlinge lagen auf dem gestampften Erdboden. Tausende von Fliegen vermittelten einen regen Verkehr. Die neu hinzugekommenen Häftlinge
wuschen sich und aßen aus denselben Konservenbüchsen, denn Geschirr war für sie nicht da. In der Nacht kamen
uniformierte Verbrecher, stießen einzelne Gefangene mit ihren Stiefeln wach und trieben sie hinaus. Man hörte diese in der Sanitätsbaracke unter Schlägen schreien und wimmern, bis sie ohnmächtig herausgeschleppt und mit dem Kopf in die Regentonne gesteckt wurden, damit sie wieder zu sich kamen.

Zur Unterbringung der Häftlinge wurde zunächst eine, später dann eine zweite Wellblechbaracke genutzt. Eine weitere
Baracke, offiziell als Sanitätsbaracke bezeichnet, diente auch als Folterstätte. Eine zweite Folterstätte war das außerhalb
des Lagers gelegene Braune Haus in der Neudorfer Straße (polnisch: ulica Komandorska), genannt Einrichtung zur
besonderen Vernehmung (z.b.V.), in der Polizeihilfskommissare die Häftlinge in allen Varianten psychisch und physisch
folterten. Nachts fanden Feueralarme statt, während denen die Häftlinge stundenlang exerzieren mussten. Das Prügeln der Häftlinge mit Gummiknüppeln und Reitpeitschen, offiziell körperliche Erziehungsmaßnahme genannt, war alltäglich.

Die Wachmannschaft, der eine eigene Baracke zur Verfügung stand, bestand überwiegend aus jungen SA-Mitgliedern und einigen Hilfspolizisten. Erster Lagerkommandant war der SA-Sturmbannführer Heinze; er wurde nach Beschwerden wegen Gefangenenmisshandlung und einem Erpressungsversuch durch den SA-Standartenführer Rohde ersetzt. Das Gelände des Konzentrationslagers war mit Stacheldraht umzäunt und mit einer Hochspannungsleitung umgeben; die zur Bewachung eingesetzten Polizisten und Hilfspolizisten waren mit Maschinenpistolen bewaffnet.

Die Häftlinge mussten neun bis zwölf Stunden täglich arbeiten. Dabei wurden Arbeitszeiten und -pausen willkürlich
gehandhabt; der Übergang von Arbeit zur Folter war fließend. Anfänglich wurden die Gefangenen zum weiteren Ausbau des Lagers eingesetzt; spätere Arbeiten auch außerhalb des Lagers waren das Entschlammen eines Teiches, der zu einem Freibad umgebaut werden sollte, sowie Bauarbeiten an Gebäuden der Polizei und SA in Breslau.

Die Zahl der Häftlinge stieg bei starker Fluktuation von anfänglich 200 auf 423 bei Auflösung des Lagers am 10. August 1933.
An diesem Tag wurden 343 Häftlinge in die Emslandlager überstellt; die anderen Häftlinge wurden ins Breslauer
Polizeipräsidium gebracht und von dort meist entlassen.