SS-Oberscharführer

* 18.02.1913 in Neubrück (Hennigsdorf)
+ 28.01.1948 im
Montelupich Gefängnis

Beruf: Bäcker

verheiratet (ein Sohn)
(seine Frau wurde bei einem Luftangriff getötet, und sein Sohn an die russische Front geschickt)

1933
Eintritt in die NSDAP

1933 - 1937
Angehöriger der SA

ab 1937
Angehöriger der SS

15.07.1940 - 00.11.1941 Angehöriger der Lagermannschaft im KL
Auschwitz
(zeitweise Blockführer)

15.11.1941 - 00.05.1944 Angehöriger der Lagermannschaft im KL
Lublin-Majdanek
(Führer eines Leichenverbrennungskom¬mandos, anfangs in Gruben, seit Juni 1942 im Krematorium. Ab Februar 1943 Ausgrabung und Verbrennung Tausender Leichen. Beteiligt an Rampenselektionen und zahlreichen Morden.)
Laut Urteil in Krakau »einer der grausamsten Schinder des Majdanek-Lagers, der unter anderen Mitteln der Tötung die Häftlinge auch in der Kloake zu ertränken pflegte«.

01.06.1943
Beförderung zum SS-Oberscharführer

00.05.1944 - 00.01.1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz
(Ab diesem Zeitpunkt arbeitete er unter Otto Moll, dem Bevollmächtigten für die Vernichtung der ungarischen Juden, als Leiter der Sonderkommandos in den Birkenauer Krematorien II und III. Nach Beendigung der Ungarn-Aktion war Mußfeldt von September 1944 bis zur Evakuierung des Lagers im Januar 1945 Leiter aller Krematorien.)

01.01.1945
Am 1. Januar 1945 erschoss Erich Muhsfeldt, Kommandoführer der Krematorien in Auschwitz, 200 polnische Gefangene im Lager Auschwitz II

00.03.1945
Ab März 1945 war er im KZ
Flossenbürg als Rapportführer tätig und begleitete im April 1945 im Zuge der Lagerevakuierung eine Häftlingskolonne. Während dieses Todesmarsches war er für die Leichenbeseitigung zuständig und soll zudem selber marschunfähige Häftlinge erschossen haben.
14.02.1946
»Meilech Buki, Oberösterreich.
Ich, Meilech Buki, geboren am 1. November 1909 zu Drobin, Kreis Płock in Polen, war vom Dezember 1942 bis Januar 1945 als politischer Häftling im Lager Auschwitz II. Ich war bei einem ›Sonderkommando‹ beschäftigt, das hauptsächlich bei Arbeiten im Krematorium verwendet wurde. Wie ich erfahren habe, ist SS-Oberscharführer Muhsfeldt als ›Henker von Majdanek‹ verhaftet worden. Muhsfeldt war später Chef der Krematorien I und II in Birkenau bei Auschwitz und auch mein Vorgesetzter.
Ich erinnere mich ganz genau, wie Muhsfeldt alleine 300 Häftlinge erschossen hat. Diese 300 Menschen brachte man eines Tages vom zweiten Arbeitslager zum Krematorium. Muhsfeldt wählte einen Mann aus und befahl ihm, einen Walzer zu singen, und versprach ihm, ihn dafür am Leben zu lassen. Nachdem die 300 Leute erschossen waren, hat er auch den Sänger getötet. Obwohl die Schüsse nicht gleich tödlich waren und viele Opfer noch lebten, gab er trotzdem den Befehl, sie in die Leichenhalle zwecks Verbrennung zu schaffen. Nach jedem umfallenden Opfer lachte er zynisch auf.« »Von seinem besonderen Sadismus zeugt die Tatsache, daß er sich eine Spezialrute hat anfertigen lassen, bestehend aus einem Draht, überzogen mit Leder. Mit diesem Instrument schlug er unbarmherzig alle diejenigen Opfer, die zum Vergasen bestimmt waren, und gleichfalls unser Arbeitskommando. Eines Tages hat er auch unseren Kapo namens Kaminski, einen polnischen Juden, grundlos erschossen. Beim Appell gab er uns dieses bekannt und fügte gleichzeitig hinzu: ›So mache ich es auch mit euch.‹
Nach seiner Ankunft in Auschwitz hat er die einzelnen Arbeitskommandos umgruppiert. Er verringerte die einzelnen Kommandos, verlangte aber trotzdem die gleiche Arbeitsleistung wie früher. Naturgemäß konnte das gleiche Arbeitspensum nicht erfüllt werden. Daraufhin schlug er uns ständig und erklärte, wir würden Sabotage treiben. Außerdem hat er uns nach der schweren Arbeit immer noch abends Strafsport machen lassen.
Ein Arbeitskamerad hat einmal heimlich einem im Krankenbau befindlichen Kranken ein Stück Brot gebracht. Muhsfeldt hat dies erfahren und daraufhin den Arbeitskameraden so geschlagen, daß er kurze Zeit später an den Verletzungen starb.
Ich erkläre, vorstehende Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht zu haben. Linz- Bindermichl, den 14. Februar 1946«,
Meilech Buki,
Häftlingsnummer 80.312 des Lagers Auschwitz«.

22.01.1947
am 22. Januar 1947 von einem US-Militärgericht zu lebenslanger Haft verurteilt.
(Anschließend wurde Mußfeldt an Polen ausgeliefert)

19.08.1947
Muhsfeldt am 19.08.1947 in Krakau über die Vorbereitung einer Vergasung (MV, Bd. 41): »Hinter jedem Transport von Menschen, die in die Gaskammern getrieben wurden, fuhr ein Sanitätsauto mit dem Zeichen des Roten Kreuzes, in dem der diensthabende SS-Arzt zur Gaskammer gebracht wurde. Auch das für die Menschenvernichtung verwendete Zyklon wurde mit einem Fahrzeug des Roten Kreuzes befördert. Nachdem die Gaskammern mit Menschen gefüllt waren, schütteten eigens für diesen Zweck ausgebildete Sanitäter Zyklon in die Gaskammern. Diese Arbeit verrichteten sie in Gasmasken.«

Muhsfeldt zu den Krematorien:
»Ich bemerke, daß der Keller der Gaskammer im Krematorium I durch eine Trennwand in zwei kleinere Kammern aufgeteilt war. Das geschah deswegen, weil es vorgekommen war, daß nachts kleinere Transporte eingetroffen waren, für die es nicht lohnte, die großen Gaskammern mit Gift zu füllen. Es ging also um Einsparung des Zyklongiftes. In diesen Krematorien wurde in jede Verbrennungskammer drei Leichen von Erwachsenen gelegt. Kinderleichen galten als Zugabe. Das Verbrennen einer solchen Ladung dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Öfen dieser Krematorien waren leistungsfähiger als die Öfen in Majdanek.«

24.11. - 22.12.1947 Krakauer Auschwitzprozess
am 22. Dezember 1947 zum Tode verurteilt

28.01.1948
Das Urteil wurde am 28. Januar 1948 im Krakauer Montelupich-Gefängnis durch den Strang vollstreckt. Sein Körper wurde anschließend Medizinstudenten der Universität Krakau als Anschauungsmaterial zur Verfügung gestellt.

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main
97. Verhandlungstag, 05.10.1964 und 98. Verhandlungstag, 08.10.1964
Vernehmung des Zeugen Filip Müller
Zeuge Filip Müller:
Und damals – wir wußten überhaupt nichts – kommt der Hauptscharführer Moll, und er läßt uns alle antreten, und er sagt: »Grade diese Nacht wurde Kapo Kaminski erschossen, weil er ein Attentat auf den Oberscharführer Muhsfeldt machen wollte.« Damals in Krematorium II war der Kommandoführer Oberscharführer Muhsfeldt. Und man braucht nicht zu betonen, daß der Kapo Kaminski eine Person war, die viel Autorität unter den Häftlingen gehabt hat. Er war so ein Häftling: Wenn der SS-Mann kommt, da schreit er, aber sonst war er eher gut.

Auszeichnungen
Kriegsverdienstkreuz 2.Klasse mit Schwertern
NSDAP Dienstauszeichnung
Westwall Medaille

Pathologe Dr. Miklós Nyiszli
Nyiszli beschreibt in seinen bereits 1946 erschienenen Erinnerungen zwei Erlebnisse mit Mußfeldt, die für ihn sehr einprägsam waren. Mußfeldt ließ sich einmal wegen Kopfschmerzen und Herzbeschwerden von Nyiszli untersuchen. Diese Beschwerden führte Nyiszli auf die unmittelbar zuvor von Mußfeldt eigenhändig durchgeführte Exekution von achtzig Männern zurück. Mußfeldt stritt dies mit der Bemerkung ab, es mache ihm nichts aus 5 oder 100 Menschen zu erschießen, und begründete die Beschwerden mit seinem Alkoholkonsum. Des Weiteren berichtet Nyiszli von einem etwa sechzehnjährigen Mädchen, das nach einem Vergasungsvorgang von den Häftlingen des Sonderkommandos noch atmend aufgefunden worden war. Der herbeigerufene Nyiszli konnte das Mädchen wieder zu Bewusstsein bringen. Mußfeldt, der diese Situation mitbekam, wurde durch Nyiszli gebeten, das Mädchen am Leben zu lassen und in einem Frauenkommando außerhalb der Krematorien unterzubringen. Mußfeldt wog diesen Vorschlag ab. Er kam aber zu dem Ergebnis, dass diese Lösung zu risikobehaftet sei, und ließ das Mädchen durch einen untergebenen SS-Mann erschießen.