Liebehenschel Artur

SS-Obersturmbannführer

* 25.11.1901 in Posen
† 24.01.1948 in
Krakau (gehängt)

acht Jahre Volksschule

drei Jahre Handelsschule

Eisenbahndirektion Posen
(Januar 1919 setzte sich Liebehenschel aus Posen ab, um einer drohenden polnischen Internierung zu entgehen)

01.04.1919 - 00.08.1919
Grenzschutz Ost (Freikorps Graf Dohna)
(Nikolaus Graf zu Dohna-Schlodien bildete nach dem Ersten Weltkrieg das Freikorps Dohna), und kämpfte in Oberschlesien gegen polnische Freischärler. 1919 nahm er als Korvettenkapitän seinen Abschied und ergriff in Hamburg den Kaufmannsberuf; seit Mitte der 1930er Jahre lebte er in Baierbach (heute Stephanskirchen) am Simssee in Oberbayern. 1956 starb er dort im Alter von 77 Jahren an einem Herzanfall. Er wurde noch zum Kapitän zur See befördert.)

10.04.1919 - 00.10.1931
Freiwilliger der Reichswehr
Infanterie-Regiment 8 (Entlassung als Oberfeldwebel)

02.01.1932
Eintritt in die NSDAP (NSDAP Mitglieds Nu. 932 766)

09.11.1932
Eintritt in die SS (SS Mitglieds Nu. 39 254)

1932 - 01.08.1934
27. SS Standarte (Adjutant von Gerlach Walter)

11.09.1933
Beförderung zum SS-Sturmführer

15.06.1934
Beförderung zum SS-Obersturmführer

04.08.1934 - 00.00.1936
Adjutant Kommandanten des KL
Columbia-Haus in Berlin-Tempelhof
(Das Columbia-Haus befand sich in Berlin-Tempelhof in einem ehemaligen Arrestgebäude mit 156 Haftzellen sowie einem Gerichtsbau und einem Wohngebäude für Beamten.)

09.11.1934
Beförderung zum SS-Hauptsturmführer

00.00.1936 - 01.08.1937
Adjutant im KL
Lichtenburg (wegen einer schweren Herzerkrankung verließ er die Stellung)

01.08.1937 - 00.05.1940
Abteilungsleiter im Stab des Führers der SS-Totenkopfverbände (Theodor Eicke)
(Abteilungsleiter der Politischen Abteilung, die bis zu diesem Zeitpunkt durch SS-Standartenführer Tamaschke geleitet wurde. Nach dessen Versetzung wurde Liebehenschel neuer Leiter der Abteilung, Amt D I im WVHA.)

22.09.1937
drei Tage Hausarrest

09.12.1937
Beförderung zum SS-Sturmbannführer

05.01.1940 - 01.06.1940
Generalstabschef in der Inspektion der Konzentrationslager

01.06.1940 - 03.03.1942
Offizier in der Inspektion der Konzentrationslager

30.01.1941
Beförderung zum SS-Obersturmbannführer

14.11.1941
Fernschreiben Liebehenschel vom 14.11.1941 an den Kommandanten im KL Groß-Rosen: »Die Lagerkommandanten reichen baldmöglichst alle an den Exekutionen beteiligten SS-Angehörigen für das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern ein. Andere SS-Angehörige dürfen nicht aufgeführt sein.«

20.11.1941
Nachtrag per Fernschreiben vom 20.11.1941 (zum Fernschreiben vom 14.11.1941): »In den Vorschlagslisten für die Verleihung der Kriegsverdienstkreuze an SS-Angehörige, die an den Exekutionen beteiligt waren, ist unter Begründung einzutragen: >Durchführung von kriegswichtigen Sonderaufgaben<. Das Wort >Exekutionen< darf auf keinen Fall verwendet werden.«

16.03.1942 - 10.11.1943
Amtschef Abteilung DI im WVHA

26.03.1942
Dieser Erlass wurde von Arthur Liebehenschel als Vertreter Glücks unterschrieben und an alle Lagerkommandanten verteilt:
Durch die Meldung eines Lagerkommandanten wurde bekannt, dass von 51 für die Sonderbehandlung 14 f 13 ausgemusterten Häftlingen 42 dieser Häftlinge nach einiger Zeit ‚wieder arbeitsfähig‘ wurden und somit der Sonderbehandlung nicht zugeführt werden brauchten. Hieraus ist ersichtlich, dass bei der Auswahl dieser Häftlinge nicht nach den gegebenen Bestimmungen verfahren wird. Es dürfen der Untersuchungskommission nur solche Häftlinge zugeführt werden, die den gegebenen Bestimmungen entsprechen und vor allen Dingen nicht mehr arbeitsfähig sind. Um die den Konzentrationslagern gestellten Arbeitsaufgaben durchführen zu können, muss jede Häftlingsarbeitskraft dem Lager erhalten werden. Die Lagerkommandanten der Konzentrationslager werden gebeten, hierauf ihr besonderes Augenmerk zu richten.
Der Chef des Zentralamtes
gez. Liebehenschel
SS-Obersturmbannführer

19.08.1942
Liebehenschel, setzt die Kommandanten der Konzentrationslager davon in Kenntnis, daß im RSHA von verschiedenen Seiten Informationen eingehen, nach denen es in mehreren Fällen dazu gekommen sei, daß Häftlinge durch Gerichte für schwere Mißhandlungen an Mithäftlingen in Konzentrationslagern, in einem Fall mit Todesfolge, bestraft worden sind. Solche Fälle seien der Staatsanwaltschaft für weitere Ermittlungen zu melden. Sollte es erneut zu solchen Mißhandlungen von Häftlingen in den Konzentrationslagern kommen, könne dies die Auffassung der Justiz von den Bedingungen in den Konzentrationslagern negativ beeinflussen. Weiter fordert der Erlaß von den Kommandanten, sie sollen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern, daß es nicht noch einmal zu Mißhandlungen dieser Art komme, damit die Staatsanwälte keine Möglichkeit bekämen, sich mit Angelegenheiten dieser Art zu befassen und solche Fälle abzuurteilen.
(Die Anordnung kommt zu spät und hat keine Änderung der Lagerbedingungen zur Folge. Im KL Auschwitz werden ständig Häftlinge durch Mithäftlinge mißhandelt, zum überwiegenden Teil durch deutsche kriminelle Häftlinge, die dabei die Unterstützung der SS finden, zu ihrem Tun noch angestachelt werden und niemals bestraft werden. Sehr viele Häftlinge sterben oder begehen Selbstmord, weil sie von Mithäftlingen, zumeist deutschen kriminellen Häftlinge mißhandelt werden, die im Lager als Blockälteste, Kapos usw. eingesetzt sind. Die gleichen Verhältnisse herrschen auch im Frauenlager.)


11.11.1943 - 08.05.1944
Kommandant und Standortältester im KL
Auschwitz I
(Diese Versetzung steht im Zusammenhang mit seiner Scheidung, er musste Berlin verlassen).
Zum gleichen Zeitpunkt wurden mit Friedrich Hartjenstein in Auschwitz II (Birkenau) und Heinrich Schwarz in Auschwitz III (Monowitz) erstmals eigene Lagerkommandanten eingesetzt.

22.11.1943
Am 22. November 1943 verfügte der SS-Standortälteste Arthur Liebehenschel, dass die „Wachkompanie Buna“ und die 5. Wachkompanie dem Lagerkommandanten von Auschwitz III, Heinrich Schwarz, unterstellt wurden.

01.01.1944
Standortbefehl (StB) vom 01.01.1944
»Mit dem festen Glauben im Herzen an den Führer wollen wir auch im neuen Jahr all' unsere Kraft in jeder Minute für den Endsieg einsetzen.«

07.01.1944
Standortbefehl (StB) vom 07.01.1944
»Ich habe festgestellt, daß arische Häftlingsfrauen, darunter auch reichsdeutsche, bei Außenkommandos zu schweren und schwersten Arbeiten (Straßenbau) eingesetzt sind, wogegen auf der anderen Seite Judenweiber im warmen Zimmer sitzen und die schönsten Posten haben.«

08.05.1944
Standortbefehl (StB) vom 08.05.1944
»Ich bin mit sofortiger Wirkung als Kommandant des KL Lublin [Majdanek] mit den Arbeitslagern Warschau, Radom, Budzyn und Bliczyn versetzt.«

In seinem letzten Standortbefehl in Auschwitz befaßte sich Liebehenschel ausführlich mit dem Bordellbesuch für SS-Angehörige: »Das Bordell der Stadt Auschwitz wird montags und freitags von 18.00-23.00 Uhr für Angehörige der Waffen-SS und Wehrmacht des Standortes Auschwitz freigegeben, beginnend mit dem 12.05.1944. Es bleibt in dieser Zeit für Zivilisten gesperrt. Als Entgelt muß der Betrag von RM [Reichsmark] 5,- entrichtet werden. Der SS-Standortarzt Auschwitz stellt für die genannten Tage einen SS-Arzt bzw. einen SDG zur Durchführung der Sanierung und der ärztlichen Untersuchung ab. Bei Besuch des Bordells hat der SS- bzw. Wehrmachtsangehörige eine weitestgehende Gewähr dafür, daß er frei bleibt von Geschlechtskrankheiten, während die Gefahr der Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit bei jedem anderen außerehelichen Geschlechtsverkehr, bei dem eine ärztliche Untersuchung der weiblichen Personen nicht stattfinden kann, außerordentlich groß ist.«

19.05.1944 - 15.08.1944
Kommandant im KL
Lublin-Majdanek
(Ab dem 19. Mai 1944 wechselte Liebehenschel als Kommandant in das bereits geräumte KL Majdanek)

ab 25.08.1944
im Amt des Höheren SS- und Polizeiführers Triest unter Odilo Globocnik (Operationszone Adriatisches Küstenland). der Dienststelle des Höheren SS- und Polizeiführers Globocnik zugeteilt. Diese Versetzung könnte vielleicht auf eine Verknüpfung von Aktion Reinhard und Auschwitz hindeuten, da fast alle Mannschaften aus den Aktion Reinhard-Lagern in dieses Kommando kamen.
(Die Operationszone Adriatisches Küstenland wurde am 1. Oktober 1943 aus den von der deutschen Wehrmacht im September 1943 besetzten Provinzen Udine, Gorizia, Triest, Pula und den bis dahin unter italienischer Verwaltung stehenden Gebieten Laibach, Susak und Bakar gebildet. Oberster Kommissar der Zivilverwaltung wurde Friedrich Rainer.)

27.11.1946
Liebehenschel wird an Polen ausgeliefert

22.12.1947
Mit Urteil des Obersten Nationalen Tribunal In Krakau zum Tode verurteilt

am 24.01.1948 um 07:23 Uhr im
Montelupi Gefängnis in Krakau gehängt
(Bei Sonnenaufgang (07:09 Uhr) wurden Artur Liebehenschel, Hans Aumeier, Maximilian Grabner, Carl Möckel und Maria Mandel (1,64 cm, 60 kg ) in den Hinrichtungsraum gebracht in dem fünf Henkerstricke vorbereitet waren. Der Staatsanwalt verlas die Urteile, dann riefen Liebehenschel und Maria Mandel: „Es lebe Polen!“ Der Henker hängte zuerst die vier Männer, als letzte Maria Mandel. Sie baumelten 15 Minuten an den Stricken , dann stellte der Gefängnisarzt den Tod der Gehenkten fest. Um 7:38 Uhr wurden die Körper der Kriminellen vom Galgen abgenommen. Die Körper der Gehenkten wurden zum Anatomie- Institut der Universität Krakau transportiert wo sie als Anschauungsmaterial für Studenten dienten.)

Liebehenschel hatte einen Sohn und drei Töchter von seiner ersten Frau, Gertrud.

Tochter
Liebehenschel Bärbel * 1943 in Oranienburg
letzter bekannter Wohnort: Pahrump, Nevada (USA)
("Als ich Deutschland verließ, nachdem meine Mutter in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen wurde (nach 1945) und meine älteren Schwestern in Pflegefamilien kamen, wurde ich von der amerikanischen Familie (Adoption ?) gewarnt, nicht über meinen Vater, zu reden.

Tochter
Liebehenschel Brigitte

Tochter
Liebehenschel Antje

Sohn
Liebehenschel Dieter
trat mit 15 Jahren in die SS ein. Er wurde in Lublin gefangen genommen und verbrachte 5 Jahre in Russischer Gefangenschaft.

zweite Ehefrau
Hüttemann Anneliese
Im August 1935 wurde Anneliese Hüttemann vom SD wegen ihrer Beziehung zu dem Juden Kurt Stern befragt. Beide räumten ein, mehrfach Geschlechtsverkehr miteinander gehabt zu haben (sie waren Nachbarn und kannten sich seit ihrer Kindheit). Was mit Kurt Stern geschah, können wir nur mutmaßen. Für Anneliese Hüttemann führte die Sünde wider das Blut zu aufreibender Spannung, als sie neun Jahre später, im Mai 1944, im Begriff war, den SS-Obersturmbannführer Arthur Liebehenschel zu heiraten. Der SD grub die Akten aus dem Jahre 1935 aus. Nach einer gewissenhaften Untersuchung und endlosen Gesuchen genehmigte Himmler, weil ein Kind unterwegs war, die Heirat. Zu diesem Zeitpunkt war Liebehenschel der Kommandant von Auschwitz.